Heizen könnte für Verbraucher eine Mehrbelastung von mehreren Tausend Euro im Jahr bedeuten. Schuld daran ist nicht der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran. Vielmehr dürften Vorschläge zum Gebäudemodernisierungsgesetz aus dem Haus von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) dafür sorgen. Eine Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) kommt zu dem Ergebnis, dass die geplanten Änderungen im Gebäudemodernisierungsgesetz das Heizen für Verbraucher deutlich verteuern könnten.
Auf Basis der Modellrechnungen ergibt sich für Mieter über den Zeitraum von 2027 bis 2045 eine zusätzliche Belastung von rund 18.600 Euro, wenn weiterhin mit Gas geheizt wird. Für Eigentümer summiert sich der Anstieg im gleichen Zeitraum auf etwa 23.700 Euro.
Die Berechnungen basieren auf drei Preisszenarien für Strom, Erdgas und Biomethan. Die angenommenen Endverbraucherpreise liegen im Jahr 2035 für Strom zwischen 26,2 und 47,1 Cent pro Kilowattstunde und steigen bis 2045 auf 31,2 bis 55,7 Cent. Für Erdgas werden 13,7 bis 16,3 Cent im Jahr 2035 sowie 18,6 bis 25,3 Cent im Jahr 2045 angesetzt. Biomethan liegt in den Szenarien bei 20,6 bis 29,8 Cent (2035) beziehungsweise 28,9 bis 46,9 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2045.
Für eine typische Mietwohnung mit 70 Quadratmetern ergeben sich daraus deutlich steigende Betriebskosten bei einer Gasheizung. Ausgehend von derzeit rund 152 Euro pro Monat steigen diese auf etwa 205 Euro im Jahr 2035 und auf rund 454 Euro im Jahr 2045. Wird unter vergleichbaren Bedingungen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe installiert, fällt der Anstieg deutlich geringer aus. In diesem Fall steigen die monatlichen Kosten von heute etwa 152 Euro auf rund 181 Euro im Jahr 2045.
Auch für ein Einfamilienhaus mit 121 Quadratmetern Wohnfläche zeigt sich ein ähnliches Bild. Bei einer Gasheizung erhöhen sich die monatlichen Kosten von derzeit rund 199 Euro auf etwa 271 Euro im Jahr 2035 und auf rund 566 Euro im Jahr 2045. Mit Wärmepumpe steigen die Kosten im selben Zeitraum auf etwa 240 Euro pro Monat.
Selbst bei ungünstigen Annahmen, also hohen Strompreisen und vergleichsweise niedrigen Preisen für Erdgas und Biomethan, bleibt die Wärmepumpe in den Berechnungen kostengünstiger im Betrieb. In einer typischen Wohnung liegen die monatlichen Kosten 2035 um elf Euro und 2045 um bis zu 149 Euro unter denen einer Gasheizung. Im Einfamilienhaus beträgt die Differenz 16 Euro im Jahr 2035 und bis zu 171 Euro im Jahr 2045. In Szenarien mit niedrigen Strompreisen und hohen Gaspreisen vergrößert sich der Abstand deutlich.
Der Bund kritisiert die geplanten Regelungen entsprechend. „Was die Bundesregierung beim Heizen plant, ist nicht nur eine Mogelpackung für den Klimaschutz, sondern auch sozialer Sprengstoff“, sagt Julius Neu, Experte für Energie- und Klimapolitik beim Bund. „Mietende, die nicht selbst über ihre Heizung entscheiden, müssten über die nächsten Jahre gerechnet tausende Euro an höheren Heizkosten tragen, wenn ihre Vermieter Gasheizungen statt Wärmepumpen einbauen. Die Bundesregierung muss deshalb dringend ihren Kurs korrigieren, klare Regeln für den Umstieg auf erneuerbare Heizungen festlegen und Mieterinnen mit einem Heizkostendeckel schützen.“
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„Wärmepumpen schneiden in allen Szenarien günstiger ab.“
Noch günstiger gehts mit IR Heizung.
Funzt sogar bei mir im kalten, dunklen Norwegen.
Weil in Norwegen massenhaft Strom mit Wasserkraftwerken billig erzeugt werden kann. Die haben so viel, dass D dort günstig Strom kaufen kann. In D macht dich Heizen mit Strom eher arm, ausser du hast ein KfW 40-Haus oder gleich ein Passivhaus, mit PV auf dem Dach. Die Installationskosten für Heizen mit Strom sind harmlos. MyPV aus Oberösterreich zeigt diesen Weg.
IR Strahler haben einem Wirkungsgrad von maximal 100%. Der Strom der reingeht kommt maximal an Wärme raus.
Gute Wärmepumpen schaffen COP mit 400%. Auch 300% wären gut. Dh. 1kWh Strom erzeugt 3kWh Wärme.
Der Strom müsste so unfassbar billig sein damit sich IR Strahler lohnen.
Lieber Uwe Dyroff, diese Aussage ist viel zu pauschal. Entscheidend für die Wahl Wärmepumpe oder Direktheizung (auch IR ist Direktheizung) ist die Höhe des Wärmebedarfs, der Strompreis, wie viel des Strombedarfs aus Eigenproduktion kommen kann und ob es einen Bedarf an Klimatisierung gibt. Da es in Norwegen reichen wird im Sommer die Fenster aufzumachen, wenn es im Haus zu warm wird, entfällt dort ein Grund, sich für eine Wärmepumpe zu entscheiden. Hat man dann noch einen geringen Wärmebedarf aber viel PV- oder sonstigen günstig zu kaufenden Strom, dann ist die Direktheizung sicher keine schlechte Wahl. Ich habe in meinem Passivhaus auch die Erfahrung gemacht, dass die zeitliche und räumliche Fokussierung der Wärmebereitstellung, die mit Direktheizung leichter zu erreichen ist, als mit Wärmepumpe, in einem nur zeit- und teilweise bewohnten Haus den Wärmebedarf insgesamt erheblich senken kann. Aber auch das hängt vom Wärmedämmstandard ab. In einem schlecht gedämmten Haus sinkt die Temperatur zu stark ab, als dass der Schutz der Bausubstanz und die Bequemlichkeit der Bewohner sich mit zeit- und räumlich begrenzter Direktheizung gewährleisten lässt.
Fragt sich bloß noch, was man mit dem gesparten Geld macht. Setzt man es ein, um ordentlich CO2 rauszuballern, ist nicht viel gewonnen. Setzt man es ein, um weitere CO2-Vermeidungs-Techniken zu finanzieren, würde eine gute Sache draus. Leider ist bei uns das erstere das verbreitetere, weil unsere Industrie immer noch CO2-Schleudern (fette Autos, große Häuser, Fernreisen) als etwas besonders begehrenswertes darstellt und damit Erfolg hat.
muhahhahaaa…
@Uwe Dyroff
„Noch günstiger gehts mit IR Heizung.“
Leider kann ich in deinen Text nichts mir Sarkasmus oder ähnliches sehen. Und der erste April ist auch noch nicht.
Infrarotheizungen erreichen in der Regel nur einen COP von 1,0. Das bedeutet, sie wandeln 1 kWh Strom in 1 kWh Wärme um. Sie erzeugen keine Wärme aus Umweltenergie, anders als Wärmepumpen, die einen COP von 3,0 bis über 5,0 erreichen.
aber ja… Sie sind ein kleeeeeeein wenig besser als ne Gasheizung die ein COP von 0,9-0,95 hat.
Aber ne moderne Wärmepumpe… idealerweise mit Sole und oder Eisspeicher UND PV-Anlage UND Batterie = billiger wird es niemals werden.
Korrektur… niemals. = Wenn 2-5 km tief gebohrt werden kann…. zu bezahlbaren Preisen = dann wird das dann nochmal um einiges Preiswerter.
Aber Stand heute … im Massenmarkt… Wärmepumpe
JCW schrieb:
„Leider ist bei uns das erstere das verbreitetere, weil unsere Industrie immer noch CO2-Schleudern (fette Autos, große Häuser, Fernreisen) als etwas besonders begehrenswertes darstellt und damit Erfolg hat.“
Ja, Deutschland is so ziemlich das einzige Land hier, in dem man mit einem „fetten“ Verbrenner (noch) nicht mitleidig angeschaut wird, weil man sich kein normales E-Auto leisten kann.
Man darf hier die Anschaffungskosten aber auch nicht vernachlässigen!
Was kostet mich eine Wärmepumpe und was die IR-Panel? Was kostet ein Austausch bei Defekt?
Nutze ich die IR nur um Punktuell Wohlfühltemperatur zu haben?
ich schrieb:
„aber ja… Sie sind ein kleeeeeeein wenig besser als ne Gasheizung die ein COP von 0,9-0,95 hat.“
Ahem, ich hatte fast zwei Jahrzehnte lang täglich mehrmals Gasgeräte gemessen. Die Verbrennungseffizienz selber liegt schon selten so hoch, also der Anteil der nutzbaren Energie vor den Verlusten. Versuch es mal mit realistischen 0,7 – 0,85.
ich, noch zur Info:
da sollte man noch hinzufügen, dass schlecht angesteuerte/ausgelegte Gasgeräte gerne takten (kurze An-/Aus-Zyklen), was die Effizienz auf 0,5 oder darunter treibt.
Frau Reiche hat halt vorher nicht für den Mieterverein gearbeitet.
Der Austausch der Gasheizung gegen ein neues, Anschlusskompatibles Modell hat uns vor drei Jahren 9000 Euro gekostet. Wür eine LW-WP hatten wit ein Angebot über 47.000 Euro. Auch wenn dort die Förderung abgezogen werden kann, können wir für die Differenz länger mit Gas heizen als unsere Restlebenszeit.
Ich habe mich (fast 80 Jahre alt) für eine Wärmepumpe entschieden. Ganz sicher wird sich diese nicht in meiner Restlebenszeit amortisieren, aber man hat ja auch eine Verantwortung für die Umwelt. Übrigens sind die verschiedenen Angebote für die Wärmepumpe zwischen 30 und 45.000 €, man kann und muss sich ja informieren. Der Förderbetrag geht noch ab.
Eingebaut kurz vor dem Iran Krieg.
Vor 3 Jahren war auch für Wärmepumpen vom Preis her der denkbar schlechteste Zeitpunkt gewesen. Es passiert einiges in der Entwicklung, da würde ich wenn möglich vielleicht noch 2 Jahre warten, bis sich Routine und reife Produkte etabliert haben.
Wärmepumpen mit akzeptablen (und förderfähigen) SCOP bis 70 Grad Vorlauf kommen gerade. Einfache Fundament-Lösungen, kompaktere Einheiten, Monoblock, Propan und vorinstallierte Anschlussfelder machen die Wärmepumpe günstiger und die Installation kann in 2 statt 5 Tagen erledigt werden. Interessant sind auch die neuen Lösungen in der Etage und unter dem Dach für Reihenhäuser… wird schon.
Die Gasheizung ist auf lange Sicht erheblich teurer, als die Wärmepumpe.
Moderne Wärmepumpen machen aus 1 kw Strom 4 kw wärmeleistung, das ist also auf lange Sicht die beste Heizung überhaupt.
So ein Quartsch, von wegen „immer billiger“.
Eine typische Mietwohnung ist eben kein EFH, wo die WP-Aufstellung kein Problem ist, und dazu noch bis zu 70% Förderung möglich sind.
In Innenstadtlagen wird dagegen Fernwärme kommen, die ist nicht besonders Umweltfreundlich und den Mieter knapp das Doppelte kostet wie Gas. Die Umrüstung ist generell viel teurer, in einem kleinen MFH kommen 6stellige Beträge zusammen, Förderung nur 30%.
Da wirds so oder so richtig teuer für Eigentümer umd Mieter.