Der Markt für Power-to-X-Projekte konsolidiert sich. Viele Vorhaben, die zwischen 2021 und 2023 unter optimistischen Annahmen zu Strompreisen, Volllaststunden und Genehmigungszeiten geplant wurden, lassen sich unter derzeitigen Marktbedingungen nicht mehr realisieren. Übrig bleiben zunehmend Projekte mit belastbaren Geschäftsmodellen, günstigen Standortbedingungen und vor allem gesicherten Abnahmeverträgen.
Zu diesem Ergebnis kommt das neue „Power-to-X-Barometer 2026“ der Unternehmensberatung EY-Parthenon und der Power-to-X-Plattform des Maschinenbauverbands VDMA. Die Studie analysiert den Entwicklungsstand des Power-to-X-Marktes in Deutschland, Europa und weltweit sowie zentrale Erfolgsfaktoren für den industriellen Hochlauf. Die Technologie ist weitgehend verfügbar, der entscheidende Schritt zum industriellen Maßstab hängt nun vor allem von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Infrastruktur und stabilen Marktmechanismen ab.
Markt noch in der Hochlaufphase
Power-to-X beschreibt Technologien, mit denen erneuerbarer Strom in Wasserstoff oder synthetische Energieträger wie Methanol oder Ammoniak umgewandelt wird. Diese Moleküle gelten als zentral für die Dekarbonisierung von Sektoren, die sich nur schwer elektrifizieren lassen, etwa Luftfahrt, Schifffahrt oder Teile der Chemieindustrie.
Nach Einschätzung der Autoren befindet sich der Markt derzeit in einer Übergangsphase zwischen Pilotprojekten und ersten industriellen Großanlagen. Die Technologien gelten den Autoren zufolge weitgehend als verfügbar. Der Markthochlauf werde jedoch durch wirtschaftliche und regulatorische Faktoren gebremst.
Zu den größten Herausforderungen zählen volatile Strompreise, steigende Kapitalkosten, verzögerte Netzanschlüsse und eine unsichere Nachfrage. Gleichzeitig fehle vielerorts die Infrastruktur für Transport und Speicherung sowie langfristige Abnahmeverträge.
Im Rahmen der Studie analysierten die Autoren die Power-to-X-Wertschöpfungskette von der Stromerzeugung über Elektrolyse und Molekülsynthese bis zur Nutzung in Industrie, Mobilität oder Wärmeversorgung.
Besonders deutlich werden die strukturellen Probleme entlang der gesamten Wertschöpfungskette. In der Wasserstoffproduktion bremsen vordergründig hohe Investitionskosten für Elektrolyseanlagen sowie volatile Strompreise den Ausbau. Weltweit waren 2024 erst rund zwei Gigawatt Elektrolyseleistung installiert, bis 2025 könnte dieser Wert auf etwa 4,9 Gigawatt steigen. In Deutschland liegt die installierte Leistung aktuell sogar nur bei rund 0,19 Gigawatt, was etwa vier Prozent der globalen Kapazität entspricht. Im Jahr 2025 entfallen mit 1,1 Gigawatt aber 27 Prozent der weltweit finanzierten oder im Bau befindlichen Elektrolysekapazitäten in Deutschland. Global befanden sich 2025 nur vier Gigawatt im Bau. Im Jahr 2024 waren es noch 14 Gigawatt. Mit derzeit 8,8 Gigawatt liegen 1,3 Prozent der global bis 2030 angekündigten Elektrolysekapazität in Deutschland. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 439 Gigawatt Elektrolyseurleistung angekündigt. Ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 538 Gigawatt Ankündigungen, die es im Jahr 2024 noch gab. Es zeigt sich ein deutlicher Rückgang des Marktes.
Auch der Transport und die Umwandlung stellen derzeit ein zentrales Nadelöhr dar. Für Wasserstoff und seine Folgeprodukte fehlen vielerorts Pipelines, Hafenanlagen, Speicher sowie industrielle Anlagen zur Weiterverarbeitung etwa zu Methanol, Ammoniak oder synthetischen Kraftstoffen. Diese Infrastruktur ist kapitalintensiv und erfordert langfristige Planung und gesicherte Abnahmeverträge, die bislang häufig fehlen.
In der Anwendungsstufe schließlich liegt die größte Hürde derzeit in den Kosten. Grüner Wasserstoff kostet in Europa im Durchschnitt etwa 6,8 Euro pro Kilogramm, während fossiler Wasserstoff deutlich günstiger ist. In vielen Anwendungen ist klimaneutraler Wasserstoff damit drei- bis fünfmal teurer als konventionelle Alternativen. Ohne Förderinstrumente oder verpflichtende Quoten bleibt die Nachfrage daher begrenzt.
Industriecluster gewinnen an Bedeutung
Die Autoren erwarten, dass sich der Markt künftig stärker regional konzentriert. Erfolgreiche Projekte entstünden demnach primär in industriellen Clustern rund um Häfen, Chemieparks oder energieintensive Industriestandorte. Parallel verschiebt sich der Fokus von reinem Wasserstoff hin zu handelbaren Derivaten wie Methanol, Ammoniak oder synthetischen Kraftstoffen. Diese lassen sich einfacher transportieren und in bestehende industrielle Lieferketten integrieren.
Die Studie nennt drei zentrale Hebel, um den Markthochlauf zu beschleunigen.
Instrumente wie Carbon Contracts for Difference oder internationale Beschaffungsprogramme können Mindestpreise für klimafreundliche Moleküle garantieren und Investitionsrisiken reduzieren. Zudem brauche es international anerkannte und geteilte Standards für Herkunftsnachweise und CO₂-Intensität. Solche Maßnahmen würden Transparenz für Investoren und Abnehmer schaffen. Letztlich müssen aus Sicht der Autoren auch Netzanschlüsse, Wasserstoffpipelines und CO₂-Transportinfrastrukturen schneller ausgebaut und planbarer gestaltet werden.
Für die Studie kombinierten EY-Parthenon und der VDMA Marktanalysen, Datenrecherchen sowie Experteninterviews entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Insgesamt identifizieren die Autoren 15 Faktoren, die über den Erfolg von Power-to-X-Projekten entscheiden.
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