Fraunhofer ISE: Verpflichtende Direktvermarktung führt zu kleineren Dachanlagen

Teilen

Wenn die EEG-Vergütung bei neuen Anlagen wegfällt und stattdessen die verpflichtende Direktvermarktung als Vergütungsinstrument eingeführt wird, könnte sich das negativ auf die Größen der Photovoltaik-Anlage im Kleinanlagensegment auswirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Fraunhofer ISE, die von Elektrizitätswerke Schönau (EWS) beauftragt wurde. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie diskutierte die Abschaffung der EEG-Vergütung für neue Photovoltaik-Dachanlagen im Leistungsbereich bis 30 Kilowatt und stellte einen Wechsel in die  verpflichtende Direktvermarktung  in Aussicht.

„Dabei haben kleine Dachanlagen insbesondere in den letzten Jahren einen wesentlichen Anteil am jährlichen Leistungszubau ausgemacht“, sagt Peter Ugolini-Schmidt, energiepolitischer Sprecher der EWS. „Die neu installierte Leistung solcher Anlagen lag im Jahr 2023 bei acht Gigawatt, im vergangenen Jahr 2025 immerhin noch bei circa fünf Gigawatt. Kleine Dachanlagen tragen derzeit wesentlich dazu bei, dass die EEG-Ausbauziele erreicht werden.“

Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren sind die bestehenden Prozesse in der Direktvermarktung für kleine Erzeugungseinheiten derzeit zu aufwendig und kostenintensiv. Ohne deutliche Vereinfachungen drohe deshalb ein Rückgang privater Investitionen in Photovoltaik. Davon besonders betroffen wäre das Segment bis 30 Kilowatt. Die Analyse zeigt, dass sich die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen verschlechtert.

Unsere Berechnungen ergeben, dass für eine Direktvermarktung des Stroms kleiner PV-Dachanlagen bis 30 Kilowatt zurzeit noch eine um etwa 15 Prozent höhere Eigenverbrauchsquote nötig wäre, um den gleichen wirtschaftlichen Ertrag wie unter EEG-Vergütung zu erzielen“, sagt Verena Fluri, Projektleiterin und Mitautorin der Studie beim Fraunhofer ISE. „Mit der Folge, dass die Anlagen vermutlich kleiner dimensioniert und Dachflächen nicht vollständig genutzt würden.“

Das habe direkte Auswirkungen auf die Anlagenauslegung. Kleinere Generatorleistungen erhöhen typischerweise den Eigenverbrauchsanteil. Aus wirtschaftlicher Sicht entsteht damit ein Anreiz, Photovoltaik-Systeme kleiner zu dimensionieren und verfügbare Dachflächen nicht vollständig zu belegen. Alternativ müssten die Vermarktungserlöse deutlich über dem EEG-Niveau liegen. Laut Studie wären Mehrerlöse von etwa zwei bis drei Cent pro Kilowattstunde nötig, um allein die zusätzlichen Vermarktungskosten zu decken.

Alexander Sladek, Vorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG, warnt vor einem übereilten Systemwechsel. Nach seiner Darstellung deute vieles darauf hin, dass die Bundesregierung die feste EEG-Vergütung für kleine Photovoltaik-Dachanlagen streichen und diese Anlagen verpflichtend in die Direktvermarktung überführen wolle. Dafür fehlten jedoch bislang die praktischen Voraussetzungen. Die Studie zeige deutlich, dass weder eine flächendeckende Smart-Meter-Infrastruktur noch eine durchgängig standardisierte Marktkommunikation vorhanden seien, um Einspeisung und Abrechnung in diesem Segment effizient abzuwickeln.

Als zentrale Hürden nennt die Studie den schleppenden Smart-Meter-Rollout sowie komplexe Abstimmungen zwischen Marktakteuren. Standardisierte, digitale Marktkommunikation und neue Regelungen zur Datenaggregation könnten zwar helfen, den Aufwand zu reduzieren. Grundsätzlich bleibe aber das Problem bestehen, dass kleine Strommengen mit verhältnismäßig hohem administrativem Aufwand vermarktet werden müssten.

Vor diesem Hintergrund kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass ein vollständiger Wegfall der EEG-Vergütung für kleine Dachanlagen zum jetzigen Zeitpunkt voraussichtlich zu sinkenden Investitionen führen würde. Damit stünde nicht nur zusätzlicher PV-Zubau auf dem Spiel, sondern auch die breite Beteiligung privater Haushalte – ein Faktor, der als wichtig für die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende gilt.

„Ein überstürzter Ausstieg aus der EEG-Vergütung würde Kleininvestoren, wie zum Beispiel die Bürgerenergie, direkt treffen, weil die Anlagen sich kaum noch rechnen“, sagt Sladek. „Und vor allem würde die Energiewende ausgebremst, weil weniger und kleinere Anlagen gebaut würden.“

Die Autorinnen und Autoren sprechen sich deshalb dafür aus, die EEG-Vergütung für kleine Dachanlagen zunächst weiterzuführen. Parallel dazu sollten aus ihrer Sicht alternative Instrumente geprüft werden, die Systemintegration und Marktanreize verbinden. Genannt werden unter anderem Festpreismodelle in Kombination mit dynamischen Strombezugstarifen, flexiblere Formen der Einspeisevergütung sowie eine mögliche dauerhafte Begrenzung der Einspeiseleistung von Photovoltaik-Anlagen.

Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.

Popular content

Abregelungen von Erneuerbaren-Anlagen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zwischen 2020 und 2025, Quelle: Montel
Freiwillige Abregelung von erneuerbarer Erzeugung steigt 2025 auf Rekordniveau von knapp 1,75 Terawattstunden
02 Februar 2026 Nach der Untersuchung von Montel führen vor allem die steigenden Stunden mit negativen Strompreisen an den europäischen Day-ahead-Märkten dazu, dass E...