Enercity Netz startet digitalen Zwilling seines Niederspannungsnetzes

Der Hannoveraner Netzbetreiber will das digitale Abbild zunächst unter anderem für Lastprognosen und die Netzausbauplanung nutzen. Später möchte Enercity Netz den Zwilling auch für die vorausschauende Wartung einsetzen.
Enercity will mit seinem digitalen Zwilling die Netzstabilität stärken und den Netzausbau bedarfsgerechter gestalten. | Foto: Enercity

Enercity Netz hat den Pilotbetrieb eines digitalen Zwillings des Hannoveraner Niederspannungsnetzes aufgenommen. Der Netzbetreiber erhält damit ein umfassendes, aktuelles und detailliertes Abbild des Leitungssystems in Echtzeit. Auch Eon arbeitet mit einem digitalen Zwilling seines Verteilnetzes.

Der digitale Zwilling bündelt alle relevanten Netzdaten wie beispielsweise Leitungsstrukturen, Lastabgänge und Messwerte intelligenter Zähler an einem Ort. Anhand dieser und weiterer Daten lassen sich unterschiedliche Szenarien simulieren, etwa um Lastprognosen möglichst präzise zu errechnen. Damit wird sofort sichtbar, wo Strom zur Verfügung gestellt wird, wo hohe Lasten auftreten, Engpässe drohen und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden müssen. Das soll zur Netzstabilität beitragen.

Darüber hinaus will Enercity Netz künftig auch Netzanschlussgesuche und Netzanschlussanfragen von Privat- und Geschäftskunden über den digitalen Zwilling abbilden. Damit will das Unternehmen seine Netzausbauplanung effizienter gestalten und dort Schwerpunkte setzen, wo zusätzliche Netzkapazitäten erforderlich werden.

Erweiterung des Modells auf weitere Netzgebiete geplant

In späteren Ausbaustufen soll der digitale Zwilling auch für die vorausschauende Wartung („Predictive Maintenance“) eingesetzt werden. Dabei sollen zyklusbasierte Wartungsansätze durch datenbasierte, zustands- und bedarfsgerechte Maßnahmen ersetzt werden. „Dies vereinfacht die Zusammenarbeit mit Lieferanten, verkürzt Durchlaufzeiten und reduziert den Ressourceneinsatz“, sagt David Gehrke, der das Projekt bei Enercity Netz verantwortet.

Mit dem Start des Pilotbetriebs liegt der Fokus auf Weiterentwicklung und Optimierung des Zwillings. Die Erweiterung des Modells auf weitere Netzgebiete zur automatisierten Engpasserkennung ist für die erste Jahreshälfte geplant.

„Während wir das Mittelspannungsnetz bereits heute über unsere Leitwarte überwachen, haben wir mit dem digitalen Zwilling die Struktur aufgebaut, um auch unser Niederspannungsnetz digital abzubilden“, sagt Christiane Fraiss, Geschäftsführerin von Enercity Netz. „Künftig werden wir Vorgänge im Netz bis zum Hausanschluss verfolgen können. Das ist eine echte Errungenschaft auf dem Weg zur effizienten und zeitgemäßen Netzführung.“

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Kommentare

Daniel
Jan 19, 2026

Mit welcher Software baut man sowas auf?