Hoch- und Niedrigpreiszeiten nehmen 2025 zu

Naturstrom, Hoch- und Tiefpreise, Strombörse, 2023-2025

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Mit dem Ausbau von Photovoltaik und Windkraft in Deutschland wird die Stromerzeugung volatiler, was sich in den Preisen an der Strombörse niederschlägt. Diese entwickeln sich immer mehr in Richtung der Extreme. So verzeichnete Naturstrom nach der am Montag veröffentlichten Analyse für das Jahr 2025 einen Rekord von 573 Stunden mit negativen Strompreisen. Dies sind nochmal 116 Stunden mehr als 2024. Auch weiter zugenommen haben die Stunden, in denen der Börsenstrompreis unter 30 Euro die Megawattstunde lag. Bei den Niedrigpreisstunden war der Anstieg der Auswertung zufolge mit 1231 auf 1284 Stunden allerdings nicht ganz so enorm.

Auf der anderen Seite nehmen aber auch die Zeiten zu, in denen Strom mehr kostet. So sei die Zahl der Stunden, in denen der Börsenstrompreis bei mehr als 200 Euro pro Megawattstunde lag, um 25 Prozent auf 162 gestiegen. Das durchschnittliche Preisniveau lag mit 89,08 Euro pro Megawattstunde rund 10,5 Euro über dem Niveau von 2024. Leicht rückläufig sei dagegen die Spannbreite der Extrempreise, wobei die 936,28 Euro pro Megawattstunde im Jahr 2024 auch ein einmaliger Ausreißer nach oben waren. Insgesamt, so die Naturstrom-Analyse, lagen die Börsenstrompreise im vergangenen Jahr zwischen maximal +583,4 Euro pro Megawattstunde und -250,32 Euro pro Megawattstunde. Der tiefste Preis im Jahr 2024 lag nur bei -135,45 Euro pro Megawattstunde. Im Jahr 2023 waren es noch -500 Euro pro Megawattstunde.

Diese Zunahme der Hoch- und Niedrigpreisstunden zeigt deutlich, dass Flexibilitäten im deutschen Stromnetz fehlen. Naturstrom drückt es optimistischer aus und spricht von steigenden Flexibilitätsoptionen. „Ein modernes Stromsystem auf Basis erneuerbarer Energien muss flexibel und digital sein. Deutschland befindet sich hier in einem Aufholprozess, weshalb sich der Verbrauch noch nicht ausreichend der Erneuerbaren-Erzeugung anpasst“, sagt Naturstrom-Vorstandschef Oliver Hummel. „Das führt zu einer Zunahme der extremen Preisausschläge im Markt.“ Davon könnten Besitzer von größeren steuerbaren Stromverbrauchern, wie Wärmepumpen, Wallboxen oder Speicher profitieren. Wenn sie mit dynamischen Tarifen ihre Verbräuche in die Niedrigpreiszeiten schieben, könnten sie Kosten sparen. Gleichzeitig würden sie dazu beitragen, „das System immer besser auf die Erneuerbaren auszurichten“, so Hummel weiter.

In einer Studie aus dem vergangenen Jahr hatte Naturstrom eine Kostenersparnis für Besitzer von Elektroautos von bis zu 80 Prozent berechnet, wenn sie dynamische Stromtarife und vergünstigte Netzentgelte für das Laden nutzen.

Naturstrom gibt sich zuversichtlich, dass 2026 und die Jahre danach deutliche Fortschritte bei den Flexibilitätsoptionen bringen werden. So komme der Netzausbau auf Übertragungsebene deutlich voran. Auch beim Smart-Meter-Rollout seien Fortschritte zu erwarten. Zudem werden mehr große Batteriespeicher ans Netz gehen und kleine Photovoltaik-Heimspeicher künftig leicher systemdienlich genutzt werden können. „Wir sind nun an einem Punkt, an dem wir unser Energiesystem grundlegend upgraden. Wenn wir das klug anstellen, wird das viele Vorteile haben“, sagt Hummel. „Die Basis dafür bleibt der Ausbau Erneuerbarer Energien in hohem Umfang, auch als Innovationstreiber. Die aus der Ökostrom-Erzeugung resultierenden Preissignale müssen dann viel stärker im Markt genutzt werden.“

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