Dieser Artikel wurde erstmals am 11.8.2025 veröffentlicht. Er ist Teil der pv magazine-Weihnachts-Retrospektive 2025, für die wir eine Auswahl der interessanten und relevanten Online-Artikel zusammengestellt haben.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ ein Ende der Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen angedeutet. „Neue, kleine PV-Anlagen rechnen sich schon heute im Markt und bedürften keiner Förderung“, sagte die CDU-Politikerin dem Blatt. Zugleich sicherte sie Bestandsschutz für bestehende Photovoltaik-Anlagen zu. Die Betreiber sollen somit weiterhin ihre auf 20 Jahre zugesicherte EEG-Vergütung erhalten. Reiche begründet den Vorstoß mit den deutlich gesunkenen Preisen für Photovoltaik-Anlagen.
Doch offensichtlich will Reiche nicht nur die Einspeisevergütung streichen, die aktuell halbjährlich um ein Prozent gesenkt wird. Die neuen Tarife gelten seit 1. August und nach dem EEG steht für den 1. Februar 2026 die nächste Degressionsstufe an. Die Bundeswirtschaftsministerin will auch die Kosten für den Netzausbau stärker auf die Betreiber von Photovoltaik- und Windkraftanlagen umlegen und die Anlagen in den Markt integrieren. Nach Ansicht von Reiche sollen Photovoltaik-Anlagen in Zukunft „intelligent einspeisen“. Das bedeutet, sie müssen mit Speichern kombiniert werden und regelbar sein. Offenbar will sie die kleinen Anlagen ebenfalls in die Direktvermarktung schicken, dies bedeutet, dass der Solarstrom vermarktet werden muss. Bisher geschieht das durch die Netzbetreiber, die auch für die Auszahlung der Einspeisevergütung an die Betreiber zuständig sind.
Im aktuellen Strommarkt reichen die Erlöse aus der Vermarktung des Solarstroms zumeist nur für einen Bruchteil der Deckung der Kosten, die die Betreiber über ihre zugesicherte EEG-Vergütung erhalten. Hintergrund ist auch eine zunehmende Kannibalisierung des Solarstroms an der Börse mit fortschreitendem Photovoltaik-Ausbau. Dies manifestiert sich in einem starken Anstieg von Stunden mit negativen Börsenstrompreisen, die zumeist in den Zeiten auftreten, wenn die Photovoltaik-Anlagen stark produzieren und auf nur wenig Nachfrage treffen. Mit dem „Solarspitzen-Gesetz“ hat bereits die Vorgängerregierung kurz vor ihrem Ende diesem Umstand Rechnung getragen. Seit Ende Februar neu installierte Photovoltaik-Anlagen erhalten in Zeiten negativer Strompreise keine Einspeisevergütung mehr. Allerdings gibt es einen Kompensationsmechanismus, wonach die entgangene Förderzeit unter bestimmten Bedingungen an das Ende der 20-jährigen EEG-Vergütungszeit angehängt wird. Dafür müssen allerdings intelligente Messsysteme vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, müssen neue Photovoltaik-Anlagen bis 100 Kilowatt ihre Einspeiseleistung auf 60 Prozent begrenzen.
Diese Neuregelung scheint Reiche nun jedoch nicht weit genug zu gehen. Auch wenn ihr angekündigter „Realitätscheck für die Energiewende“, den sie mittlerweile beauftragt hat, noch nicht final vorliegt, hat sie bereits mehrfach klar gemacht, dass sie den Ausbau der Erneuerbaren mit dem Ausbau des Stromnetzes synchronisieren will. Der Netzausbau geht in Deutschland ähnlich wie der Smart-Meter-Rollout nur sehr langsam voran. Dennoch hält es Reiche nicht mehr für zeitgemäß, dass Betreiber Anlagen errichten, wo sie wollten, ohne auf das Stromnetz Rücksicht zu nehmen. „All das macht unser Stromsystem unnötig teurer. Das will ich ändern“, erklärte sie der „Augsburger Allgemeinen“. Um Kosten zu sparen, will Reiche aufsichtlich auch die Kompensation für Betreiber von Erneuerbaren-Anlagen streichen, wenn diese aus Redispatch-Gründen abgeschaltet werden. Diese Regelung habe schon zu lange gegolten, sagte Reiche dem Blatt und verwies darauf, dass 60 Prozent des Stroms bereits aus erneuerbaren Quellen stamme.
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Ich halte es für nicht zeitgemäss, dass Lobbyismus immer noch ein grosser Bestandteil der Politik ist
Das gilt aber auch für deine Partei.
Ich halte übrigeans auch Ideologie in der Politik nicht mehr für zeitgemäß
Nur weil Regierung und Netzbetreiber ihr Hausaufgaben nicht machen müssen die Solaranlagenbetreiber jetzt dafür aufkommen. Die Förderung dezentraler Speicher, die die Spitzen ausgleichen könnten, wurde eingestellt. Den größten Teil vom Strompreis bekommen doch die Netzbetreiber und genau die kriegen es nicht auf die Reihe. Da sollte Frau Reiche mal ansetzen, aber sie kommt ja von Eon, die wollen natürlich mit Gaskraftwerken Geld scheffeln.
Wieso sollten Betreiber von PV Anlagen noch dafür bezahlt werden, wenn sie in Zeiten mit negativen Strompreisen weiter ins Netz einspeisen und es belasten? Wieso sollte nicht direkt vermarktet werden um netzdienliche Einspeisung von PV Strom zu fördern? Dieser Mechanismus würde private Speicher tatsächlich netzdienlicher machen. Der bisherige Mechanismus lässt die Allgemeinheit für etwas bezahlen was das Netz zusätzlich belastet.
Nach der Altmaierdelle kommt jetzt das Reichetal. Die aktuelle Regierung verkauft unsere Zukunft um sich ein paar lausige Kröten in die Tasche stecken zu können. Es ist einfach widerlich!
Der PVler hat 24 Stunden des Tages und der Nacht Zeit seinen Strom einzuspeisen.
Völlig ausreichend um auch die letzte kWh noch wegzubekommen.
Ob er das macht oder wie sollte ihm überlassen bleiben. Eigenverbrauch, Entsorgung oder Speicherung bieten sich an.
Damit kann man locker eine Einspeisebegrenzung von 30-40% umsetzen.
210 GW sind somit ohne extremen Aufwand im Netz integrierbar.
Sollte es noch administrative Hindernisse geben, sollte man diese benennen und natürlich aus dem Weg räumen.
danke Florian, ich bin der Meinung das die Fakten und das Wissen unserer Wissenschaftler entscheidend sind. Die Politik hat per se davon keine Ahnung. Aber wie bekommen wir sie dazu sich rauszuhalten? UND den Lobbyismus abzustellen, zu unterbinden.
und noch ein Nachtrag: die elektrische Leistung wird vorgehalten, so war es bisher. Das sollten wir ändern. Wer Leistung will, soll mal an das Netz seine Anforderung senden. Dann bekommt derjenige auch den Preis dafür.
Ein Sieg von wem eigentlich, gegen die Vernunft? Frau Reiche, best Buddy mit dem fossilem Energiesektor und einer bekannten Vorständin des bekannten Gaskraftwerksbauers. Gaaas super.
Ein Problem , welches kein ZeroCarbonPower – Vorhersageprogramm ( Zukunftssimulation) tatsächlich auch nur angedeutet hat , ist die enorme Verdichtung der Vorteile bei einer einzigen Gruppe.
Die betreffende Gruppe/ der Personenkreis:
Menschen mit ansehnlichem und gesichertem Einkommen, welche ein Grundstück mit guter Bestandsimmobilie nebst Garage(n) und Carport(s) besitzen.
Die Vorteile der PV/WEA – Energiewende ballen sich hier geradezu , wie Wollmäuse unter einer Heizung.
* Private PV- Anlage auf dem Dach
* Batteriespeicher im Keller mit intelligentem Management .
* Subventionierter Heimlader ( Wallbox) mit 11 Kilowatt.
* Subventioniertes Elektroauto (s) ( Beim Kauf ) vor der Garage..Kfz- Steuer 0 Euro bis ins Jahr 2030 / THG – Quoten – Auszahlung 145 EURO Minimum im Jahr .
* Das Elektroauto wird zu 90 % mit dem günstigsten Hausstromtarif ( ca. 0,32 Euro/kWh ) geladen .
* Hoher Anteil an unbeziffertem und steuerfreiem Eigenstromverbrauch.
….
Reale Auswirkungen:
Die enorm gut ausgebaute öffentliche Ladeinfrastruktur
für Elektroautos wird sehr wenig benutzt.Wenn , dann auf Langstrecke .Und wenn man Sie nutzt , ärgert man sich sogar noch über den „hohen “ Preis pro kWh ( 49 Cent bis 89 Cent pro kWh) . Eigentlich sollte man sich aber freuen, denn man unterstützt die Energiewende.
Diese enorme Verdichtung der Vorteile bei der angesprochenen Gruppe bremst den weiteren Verkauf von Elektroautos enorm.
Als Mieter einer Wohnung mit Stellplatz oder ohne Stellplatz ein Elektroauto kaufen?
– Teuer in der Anschaffung
– Muss immer an öffentlichen Ladestationen laden .
– Aufwändiger Ladestationssuchverkehr mit nachfolgendem Parkplatzsuchverkehr am Wohnort.
– Kein kostenloser Eigenstrom für das Elektroauto
…
Angenommen das Elektroauto wäre aus physikalischen Gründen von Anfang an als Wasserstoff-Brennstoffzellenauto gestartet. Wenn es also nie möglich gewesen wäre , eine Batterie mir mehr als 100 Kilometer Reichweite zu bauen:
+ Jeder FCEV – Fahrer hätte dass an der Wasserstofftankstelle bezahlt , was verlangt wird .Keiner hätte sich benachteiligt gefühlt.
+ Die Betankung , die Tankzeit und das ganze Gefühl
drumherum ( Tankstellen Shop ) wären sehr ähnlich dem , was man von der Verbrenner Betankung kennt .
…
Wasserstoff könnte durchaus in Mitteleuropa auch in der kleinen individuellen Mobilität zukünftig mitspielen. Ideal wäre es Stromüberschüsse aus WEA/PV (Sommercrash an der Strombörse) in Wasserstoff zu speichern,
und diesen dann direkt im Winter mit dem Wasserstoff-Elektroauto zu nutzen.
Ohne real existierende Wasserelektrolyseanlangen ,Wasserstoffspeicher und Wasserstofftankstellen kann man aber keine virtuellen Transfers von erzeugtem ZeroCarbonStrom machen.
Besser wäre es, im Sommer wäre für alle der Strompreis zur Mittagszeit günstiger. Dann könnten alle, auch die ohne Solaranlage davon profitieren, dass viele sich eine teure PV-Anlage gekauft haben und die Energiewende unterstützen.
Ach Moment, dass hatte die alte Regierung ja noch angeschoben durch die verpflichtende Aufnahme von Börsenstromtarifen bei den Stromanbietern. Zusätzlich noch variable Netzentgelt. Dafür könnte man ja einfach viel Werbung machen. Dann müsste man aber zugeben, dass jemand anderes die Idee hatte.
Frau Reiche vertritt die Interessen ihrer Freunde aus der Energiewirtschaft. Diese wollen keine erneuerbaren Energien, schon gar nicht von privaten Anlagen, weil sie damit kein Geld verdienen und den Strom aber irgendwie abnehmen müssen. Statt nun über sinnvolle Speichermethoden nachzudenken (das ist schwer) rückt Frau Reiche dem Problem anders zu Leibe: man kreiert das Schreckensgespenst der europaweiten Dunkelflaute, baut dagegen Gaskraftwerke, die sich aber nur lohnen, wenn sie möglichst durchgehend laufen und mit einem Dampfkreis kombiniert werden. Ein reines Gaskraftwerke ist extrem ineffizient. Frage ist allerdings: Frau Reiche, woher nehmen sie das Gas für ihre Kraftwerke, da die Regierung und die EU doch die Abkehr von fossilen Brennstoffen fest beschlossen hat? Und Frau Reiche, wer soll bitteschön diese ganzen Kraftwerke kurzfristig bauen? Das dauert Jahrzehnte, gerade hier in Deutschland mit den ganzen Normen, Auflagen und Genehmigungsverfahren.
Vielleicht sollte man mal hinschauen, warum Strom so teuer beim Verbraucher ankommt und an den Schrauben drehen. An den 7-8ct Erzeugervergütung für grünen Strom liegt das nicht. Nachdenken!!!
Sehe die Entwicklung eher positiv zur zwangsweisen Migration in die Autarkie. Die letzten 3 Monate müssen wir zwar mit Öl/Gas/Biogas whatever überbrücken, aber das schafft man auch noch. Zur Not noch den Solarkocher im Garten anschaffen…
Netzdienlichkeit bedeutet sein individuelles Risiko für Havarien aller Art unnötig zu erhöhen.