Kohlekraftwerk hinter einem Solarpark

Die Kohlekraftwerke durften trotz des starken Zuwachses der Erneuerbaren weiter kräftig Strom produzieren.
Foto: Eifeler Presse Agentur

Exportüberschuss beim Strom 2015 auf Rekordniveau

07. Januar 2016 | Politik und Gesellschaft, Hintergrund, Topnews

Nicht nur Photovoltaik und Windkraft haben im vergangenen Jahr so viel Strom erzeugt wie nie zuvor. Auch die Kohlekraftwerke liefen auf Hochtouren und sorgten so dafür, dass Deutschland viel zu viel Energie produzierte, um sie selbst nutzen zu können. 60,9 Terawattstunden wurden ins Ausland exportiert - das ist etwa ein Zehntel der Gesamtproduktion.

Diesen Artikel teilen

Melden Sie sich jetzt kostenlos für unseren täglichen Newsletter an.

Zur Anmeldung

Mit Blick auf den Atomausstieg und den geforderten Ausstieg aus der Kohlekraft wird in Deutschland gern die Angst vor Blackouts geschürt. Wie weit Deutschland von einer Stromlücke entfernt ist, zeigen die Zahlen aus dem vergangenen Jahr. Die erneuerbaren Energien konnten weiter zulegen. Gerade die Windkraft-, aber auch die Photovoltaik-Anlagen produzierten so viel sauberen Strom wie nie zuvor. Der Anteil der Erneuerbaren insgesamt lag 2015 bei 32,5 Prozent – ein Zuwachs um fast fünf Prozent gegenüber dem Jahr davor. Nach Angaben von Agora Energiewende, die die Daten ausgewertet haben, ist das der stärkste Anstieg, den die erneuerbaren Energien im Jahresvergleich jemals verzeichnen konnten. Allein die Windenergie legte um 50 Prozent zu. Insgesamt festigten die Erneuerbaren ihre Position als wichtigste Energiequelle in Deutschland vor der Braun- und Steinkohle.

Einen neuen Rekord konnten die erneuerbaren Energien am 23. August 2015 aufstellen. Nach Auswertung von Agora Energiewende deckten sie an diesem Tag in der Spitze bis zu 83,2 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Eine Bewährungsprobe für das deutsche Stromnetz stellte hingegen die partielle Sonnenfinsternis im März dar, den es mit Bravour bestand. „Unsere Auswertung zeigt, dass die Flexibilität des Systems immer besser wird und sich die Teilnehmer am Strommarkt zunehmend auf die schwankende Verfügbarkeit von Strom aus Wind und Sonnenenergie einstellen“, erklärt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Allerdings habe sich die Zahl der Stunden mit negativen Preisen an der Strombörse im vergangenen Jahr von 64 auf 126 nahezu verdoppelt. Allerdings habe sich das Niveau der negativen Strompreise verringert, so dass die Auswirkungen nicht mehr so groß gewesen seien. Insgesamt seien die Großhandelspreise rückläufig. An der Strombörse seien sie um zehn Prozent auf 3,16 Cent pro Kilowattstunde gesunken, was den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre darstelle. Stromlieferungen in den Handelsjahren 2017 bis 2019 konnten an der Börse sogar für weniger als 3,0 Cent pro Kilowattstunde eingekauft werden, wie es weiter hießt.

Doch produzierten im vergangenen Jahr nicht nur die Erneuerbaren, sondern auch die Kohlekraftwerke viel Strom. Insgesamt stieg deshalb die Stromproduktion auf ein neues Allzeithoch mit 647 Terawattstunden, wie es bei Agora Energiewende heißt. Der Verbrauch in Deutschland änderte sich allerdings nur geringfügig. Daher sei aus der Stromexport 2015 um 50 Prozent angewachsen. Mit 60,9 Terawattstunden ist so viel Strom ins Ausland geflossen wie nie zuvor. „Das zeigt, dass Deutschland Strom im Überfluss hat – trotz der Stilllegung der Atomkraftwerke. Die Kehrseite ist aber, dass der von den erneuerbaren Energien im Inland überflüssig gemachte Kohlestrom jetzt ins Ausland drängt. Die Klimabilanz des deutschen Stromsystems hat sich deshalb im vergangenen Jahr kaum verbessert, die Gesamt-Treibhausgasemissionen Deutschlands sind sogar leicht angestiegen“, sagt Graichen. Er fordert von der Bundesregierung eine „klare Strategie zur Dekarbonisierung des Strom-, Wärme- und Verkehrssektors“. Ohne diese könnten die versprochenen Klimaschutzziele in Deutschland nicht erreicht werden.

Für das laufende Jahr geht Agora Energiewende von einem weiter steigenden Anteil Erneuerbarer aus. Dazu werde vor allem die Offshore-Windenergie beitragen. Die Strompreise für Privatkunden würden in diesem Jahr voraussichtlich wieder leicht steigen und in etwa das Niveau von 2014 erreichen. Dies sei vor allem auf erhöhte Netzentgelte und Umlagen zurückzuführen. Die gesunkenen Börsenstrompreise würden den Anstieg aber dämpfen. (Sandra Enkhardt)

Direkt kommentieren

Sie haben die Möglichkeit, unsere Artikel jetzt direkt zu kommentieren. Sie müssen sich nicht mehr als Benutzer registrieren, sondern können direkt auf "KOMMENTIEREN" am Ende der Artikel klicken und Ihre Meinung schreiben.

Die Redaktion behält sich jedoch vor, unsachliche Kommentare zu löschen.

Kommentare

Kommentieren
Kommentar schreiben
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  
Copyright 2014 © pv magazine

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie aktuelle Branchennews!

photovoltaic (pv) news on topics like thin film and feed-in tariffs and events like Intersolar Europe

Internationale Photovoltaik-News auf Englisch

Spanische Photovoltaik-News aus Lateinamerika