Entwurf eines Plusenergie-Wohnmoduls von Solararchitekt Rolf Disch aussehen

So könnte ein Plusenergie-Wohnmodul von Solararchitekt Rolf Disch aussehen.
Bild: Rolf Disch SolarArchitektur

Bezahlbare Plusenergie-Unterkünfte für geflüchtete Menschen

02. Februar 2016 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Um möglichst schnell viel Wohnraum für geflüchtete Menschen entstehen zu lassen, ist es nicht nötig sinnvolle Baustandards abzusenken, meint der Architekt Rolf Disch. Mit einer neuen modularen Plusenergie-Wohnlösung schlägt er einen anderen Weg vor. Im Gespräch mit pv magazine verrät Tobias Bube, ein Mitarbeiter von Disch, Details zum Energiekonzept.

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Der Solararchitekt Rolf Disch aus Freiburg hat eine Wohnlösung für geflüchtete Menschen entwickelt, die sich schnell errichten lässt, allen gängigen Baustandards entspricht und dank Solarenergie im Jahresschnitt mehr Strom erzeugt als sie verbraucht. Die Wohnmodule entsprechen dem Architekten zufolge zudem dem Energiestandard KfW-Effizienzhaus 40 und übertreffen den EU-Standard 2021.
Schon seit dem Jahr 1994 beschäftigt sich das Architekturbüro von Disch mit dem Bau von Plusenergiehäusern. Das neue Produkt ist ein Wohnmodul aus Massivholz in Plusenergie-Bauweise, mit dem sich modular unterschiedliche Wohnkonzepte in verschiedenen Großen und Formen umsetzen lassen. Jedes Modul umfasst eine Küche und ein Bad, die gesamte Haustechnik ist installiert, inklusive Lüftung und Wärmedämmung. In kurzer Zeit können laut Disch Wohnhäuser und Hausgruppen entstehen, die frei kombinierbar, vielfältig nutzbar und bei Bedarf mit geringem Aufwand versetzbar sind.

Derzeit ist das System auf eine Bauweise mit ein bis drei Geschossen ausgelegt. „Bei eingeschossiger Ausführung haben wir zwischen 5 und 5,5 Kilowatt an installierter Photovoltaik-Leistung über jedem Modul auf dem Dach“, sagt Tobias Bube, Sprecher des Solar-Architekturbüros Disch, auf Nachfrage von pv magazine. Um den Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen seien auch Batteriespeicher vorgesehen. Wie das Energiesystem im Detail aussehe, hänge aber stark von den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort ab. „Wenn zum Beispiel ein Nahwärmenetz vorhanden ist, sind wir natürlich bestrebt, das auch mit einzubinden. Je nach Projektgröße könnte auch ein eigenes Blockheizkraftwerk integriert werden“, so Bube. Wenn das Projekt länger stehen bleibt, seien auch Wärmepumpen denkbar.

Baustandards senken nicht nötig

Bild: Rolf Disch SolarArchitektur

Um schnell Unterkünfte errichten zu können, in denen die vielen geflüchteten Menschen, die derzeit Deutschland erreichen, unterkommen können, wird bereits über ein Absenken der Baustandards für Flüchtlingsunterkünfte diskutiert. „Wir wollen mit unserem Angebot zeigen, dass bezahlbares Wohnen auch möglich ist, ohne beim Brandschutz oder Schallschutz, der Wärmedämmung oder Energieversorgung Abstriche zu machen. Die Standards, die wir heute haben sind ja auch hart erkämpft worden“, sagt Bube.  

In einer kleinen Siedlung mit 20 Modulen liege der Richtpreis bei einem Modul mit Küche und Bad, Haustechnik, Lüftung und Wärmedämmung bei etwa 1.800 Euro pro Quadratmeter. „Damit befinden wir uns am unteren Ende von üblichen Wohnungsbaupreisen“, sagt Bube. Der Preis für das Grundstück sei dabei nicht eingerechnet, auch die Solaranlage nicht. „Es ist üblich, die Finanzierung einer Photovoltaik-Anlage aus der Finanzierung des Gebäudes herauszunehmen“, so Bube. „Die Art der Finanzierung ist dort in der Regel anders.“ Die Finanzierung der Solaranlage auf einem Wohnmodul könnte auch von einer Bürgergenossenschaft oder einem anderen Investor, zum Beispiel einem Energieversorger, übernommen werden.

„Mit dem Preis für einen Blechcontainer mit Minimalausstattung und ohne Dämmung, können wir natürlich nicht mithalten“, sagt Bube. Die Frage sei aber auch, welche Nebenkosten bei solchen Lösungen auf die Gemeinden zukommen. "In den nicht gedämmten Blechkisten werden die Kosten für die Heizung relativ hoch werden“. Die genauen Energieverbräuche in den verschiedenen Arten von Flüchtlingsunterkünften seien vielfach noch unklar. „Nach diesem Winter werden wir aber wohl mehr Informationen darüber haben, weil die Gemeinden mit Sicherheit darauf achten werden, welche Kosten für Stromversorgung und Heizung der Unterkünfte veranschlagt werden müssen“, meint Bube.

Asylbewerber bauen Solaranlage

Foto: Claus Scheuber

In Ravensburg wurde derweil ein anderes Projekt erfolgreich umgesetzt, mit dem Disch nichts zu tun hat. Am 1. Februar ging eine Photovoltaik-Anlage mit 10 Kilowatt Nennleistung auf einer Asyl-Unterkunft in Betrieb, an deren Errichtung die Bewohner der Unterkunft aktiv beteiligt waren. Der Projektentwickler und Konzeptdesigner Claus Scheuber hatte zuvor von Oktober bis Dezember 2015 einen Seminarworkshop zum Thema „Energieeffizienz und Solarenergie in Asylbewerber-Unterkünften“ durchgeführt. Zu den Teilnehmern gehörten 15 Asylbewerber mit Montage- und elektrotechnischer Berufserfahrung sowie einheimische Interessierte. Unterstützung bekam Scheuber dabei von den Solarunternehmen Phaesun aus Memmingen und Sunworks aus RV-Oberzell. Die Solaranlage wird nun von der Stadt Ravensburg betrieben. Der vorbereitende Seminarworkshop wurde mit Mitteln des Bundesprogramms Demokratie leben! im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie Ravensburg gefördert. (Mirco Sieg)

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