Wasserstoffhersteller fordert: Industriestrompreis senken mit angepassten Strompreiszonen

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Wiesbaden, Deutschland, 21. Oktober 2025 – Matthias Lisson, Geschäftsführer der Hy2gen Deutschland GmbH, Tochtergesellschaft des weltweiten Herstellers von erneuerbarem Wasserstoff und Wasserstoffderivaten Hy2gen, spricht sich dafür aus, die Strompreiszonen in Deutschland anzupassen. Nur so wird der richtige Anreiz gesetzt, dass Investitionen in Speicher, Industrie oder Kraftwerke dahin fließen, wo sie netzdienlich sind. Gleichzeitig kann ein großer Teil der jährlich anfallenden Redispatch-Kosten in Höhe von 2,56 Milliarden Euro gespart werden, die auf den Strompreis aufgeschlagen werden.

Die versteckten Redispatch-Kosten

Wenn erneuerbare Energien wie Windkraftwerke oder Solaranlagen so viel Strom herstellen, dass das Netz damit überlastet wird, zahlt die Bundesnetzagentur diesen Stromproduzenten für die Strommenge, die sie nicht ins Netz leiten konnten, eine Kompensation: die sogenannten Redispatch-Kosten, die über den Strompreis an die Endverbraucher:innen weitergegeben werden.

„Die öffentlich geführte Debatte um die Einführung unterschiedlicher Strompreiszonen beschränkt sich auf unbegründete Behauptungen; eine faktenbasierte Auseinandersetzung mit aktuellen Daten fehlt leider“, sagt Matthias Lisson, Geschäftsführer der Hy2gen Deutschland GmbH. „Es ist zwar davon auszugehen, dass nach der Einführung von unterschiedlichen Strompreiszonen die Strompreise im Süden etwas über denen im Norden liegen werden, aber dass dadurch Industriestandorte gefährdet würden, halte ich für überdramatisiert und nicht den Tatsachen entsprechend. Unseren Berechnungen nach dürften Unternehmen in Zonen mit einem hohen Anteil an erneuerbarem Strom einen Preisvorteil von rund zehn Prozent haben. Entscheidend ist aber der Effekt, dass jede Zone für ihren eigenen Strompreis verantwortlich ist. Das wird im Süden dafür sorgen, dass mehr in Windkraftwerke, Solaranlagen und Stromspeicher investiert wird, um den Strompreis langfristig günstiger zu machen. Bayern zum Beispiel bezieht 70 Prozent seines Stroms bereits jetzt aus erneuerbaren Energien, also ist der nötige Ausbauschritt zu über 90 Prozent erneuerbare Energien durchaus erreichbar“, so Lisson weiter. 

Einheitliche Strompreiszone sorgt für hohe Stromkosten

Das Europäische Netzwerk der Übertragungsnetzbetreiber für Elektrizität (ENTSO-E) hat im Mai dieses Jahres einen Bericht vorgelegt, der zeigt, wie das Stromsystem effizienter und günstiger arbeiten kann. Deutschland sollte in fünf Strompreiszonen gedacht werden, weil bei einer einheitlichen Gebotszone auch Regionen mit viel günstigem Grünstrom ebenso denselben, oft von fossilen Kraftwerken bestimmten Preis zahlen. Sie tragen also den teuren fossilen Strom mit, obwohl vor Ort billiger Grünstrom verfügbar ist. Gleichzeitig halten Regionen mit mehr fossiler Stromerzeugung Kraftwerke teuer in Bereitschaft, um Ausfälle erneuerbarer Anlagen im ganzen Land auszugleichen. Mit eigenen Preis- und Versorgungszonen wäre nicht mehr jede Region für alle verantwortlich, sondern zuerst für sich selbst. Das macht Entscheidungen für Stromproduzenten planbarer, entlastet das Netz und senkt letztendlich den Strompreis für Unternehmen und Haushalte.

Matthias Lisson: „Mit neuen Strompreiszonen könnten Bundesländer mit viel erneuerbaren Energien den Industriestrompreis um etwa zehn Prozent senken. Bundesländer wie Niedersachsen oder Brandenburg beispielsweise produzieren über das Jahr hinweg ein Vielfaches ihres Bedarfs an grünem Strom. Mit neuen Strompreiszonen könnten sie überschüssigen Strom zu günstigen Preisen bundesweit zur Verfügung stellen. Aktuell müssen diese Bundesländer häufig sogar Windräder abregeln, weil es sonst das Netz überlasten würde, die Menge an Strom in den Süden zu leiten. Ein niedrigerer Strompreis in Niedersachsen oder Brandenburg würde sofort die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen vor Ort stärken, besonders in stromintensiven Branchen.“

Strompreiszonentrennung in Deutschland unausweichlich

Nach Berichten von ENTSO-E und der Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) hat Deutschland nicht ausreichend Netzkapazität, um seine Aufgabe zu erfüllen, Strom aus Nachbarländern als Stromdrehkreuz in ganz Europa zu verteilen. Per EU-Verordnung ist Deutschland jetzt verpflichtet, sich innerhalb von sechs Monaten für eine von zwei Optionen zu entscheiden: einen Aktionsplan zum Aufbau der Netzkapazität vorschlagen oder seine Strompreiszone anpassen. Da die aktuelle Bundesregierung bis jetzt an einer Strompreiszone festhält, wird sich Deutschland vermutlich entscheiden, den Aktionsplan zu verfolgen. Schlägt dieser jedoch fehl, kann letztendlich die EU Deutschland verpflichten, seine Strompreiszone zu trennen, damit es seine Netzkapazitätsziele einhält. Berücksichtigt man diesen Prozess, wird Deutschland spätestens 2030 von der EU verordnet bekommen, seine Strompreiszone zu trennen. 

Wasserstoffboom ankurbeln 

Stromkosten dominieren die Betriebskosten der Elektrolyse zur Produktion von erneuerbarem Wasserstoff. Durch eine Strompreistrennung, so Lisson, könnte erneuerbarer Wasserstoff circa 20 Prozent günstiger produziert werden. Viele geplante Produktionsanlagen würden damit sofort finanzierbar und könnten gebaut werden. Gleichzeitig würde erneuerbarer Wasserstoff am Markt günstiger, was es industriellen Unternehmen einfacher machen würde, von fossilen auf erneuerbare Energieträger umzusteigen. Mit separaten Strompreiszonen kann erneuerbarer Wasserstoff über Nacht zu einem profitablen Wirtschaftszweig gemacht werden, für den neue Produktionsanlagen gebaut werden. Diese schaffen Arbeitsplätze, ziehen neue Unternehmen an und machen Deutschland ein Stück weiter energieautark, weil man Wasserstoff nur mit Wasser und Strom regional herstellen kann.

Matthias Lisson weiter: „Deutschland könnte jetzt sofort einen günstigeren Strompreis haben. EU-Länder wie Schweden, Dänemark und Italien haben bereits mehrere Strompreiszonen und zeigen, dass es geht. Für Industrien, die zur Erfüllung der EU-Klimaziele auf erneuerbaren Wasserstoff angewiesen sind, um unabhängig von fossilen Treibstoffen zu werden, können wir so den Preis der Energiewende um 20 Prozent günstiger machen. Vor allem können wir so den Hochlauf der Wasserstoffproduktion in Deutschland sichern, da viele Projekte mit niedrigen Strompreisen auch ohne staatliche Förderung gebaut werden könnten.“