Energiesicherheit bei gleichzeitiger Dekarbonisierung: Expert*innenrat GJETC beratschlagt Lösungsansätze

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Berlin / Tokio –  Durch den ersten Winter nach Beginn des Krieges durch Russland gegen die Ukraine sind die Länder der Europäischen Union und die japanische Volkswirtschaft vielfach besser gekommen als zunächst prognostiziert – sowohl was die Energiesicherheit als auch die konjunkturelle Abkühlung betrifft. Nichtsdestotrotz existiert für die politischen Entscheidungsträger*innen mit Blick auf die weiterhin vorhandene Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sowie die Suche und den Einsatz von ökologisch und ökonomisch tragfähigen Alternativen ein hoher Beratungsbedarf. In der Analyse des Ist-Zustands und bei der Bewertung von Zukunftsszenarien spielt das Know-how des deutsch-japanischen Gremiums und der zu den Sitzungen eingeladenen Expert*innen eine wichtige Rolle.

„Deutschland beabsichtigt – auch mit dem Rückenwind der EU – durch forcierteren Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung, aber auch durch neue Energiesparaktivitäten die Ziele ‚Mehr Energiesouveränität und Klimaneutralität bis 2045‘ miteinander zu verbinden. Bisher konnte mit diesem Ansatz, verbunden mit dem Neubau eigener LNG-Gasterminals, der Stopp russischer Gaslieferungen im Herbst 2022 kompensiert werden. Bei unserer Ratssitzung in Tokio konnten wir im Dialog wieder ausloten, welche Lösungen sich für den notwendigen Emissionsabbau – unter Berücksichtigung der teilweise unterschiedlichen Randbedingungen von Japan und Deutschland – sinnvoll anbieten“, berichtet Dr. Stefan Thomas, deutscher Co-Vorsitzender des GJETC.

„Wenn wir die aktuelle Situation im Energiebereich betrachten, so hat die Lage in der Ukraine die Diskussion über das Gleichgewicht zwischen Energiesicherheit und Klimawandel natürlich sehr stark beeinflusst“, ordnet Prof. Tatsuya Terazawa, Co-Vorsitzender des GJETC aus Japan, die schwierige Aufgabe ein. „In Japan setzen wir daher auf einen breiteren Technologiemix. Die Rolle des GJETC, der einen wissenschaftlichen Beitrag zu diesen Diskussionen leistet, indem er Wissen und Erfahrungen beider Seiten bündelt, wird eine immer wichtigere. Sowohl in Fragen der Energiesicherheit als auch des Klimawandels ist uns sehr bewusst, dass eine Energiewende, die praxisnah und störungsfrei umgesetzt werden soll, eine gravierende, beide Länder betreffende Herausforderung darstellt – insbesondere mit Blick auf die Dekarbonisierung bei gleichzeitiger Verbesserung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit.“

Ergänzend zu diesen grundlegenden Debatten in Tokio behandelte der Deutsch-Japanische Kooperationsrat in einzelnen Foren auch spezifische Industriezweige hinsichtlich ihrer Energie- und Klimabilanz sowie den Übergangsprozessen. In einem Stakeholder-Dialog mit Vertreter*innen der deutschen und japanischen Bauwirtschaft diskutierten die Mitglieder intensiv über die politischen Rahmenbedingungen und Lösungsansätze zur Emissionsminderung von bestehenden Gebäuden und bei Neubauten. Eine aktuelle Studie zu diesem Thema veröffentlicht der Rat Ende des 2. Quartals dieses Jahres. Auch eine Studie zur Dekarbonisierung der (petro)chemischen Industrie wird vom GJETC 2023 publiziert.