Der Energiekonzern BKW hat vor gut zwei Jahren sechs alpine Photovoltaik-Projekte im Kanton Bern vorgestellt, die im Rahmen von Artikel 71a des Schweizer Energiegesetzes – dem sogenannten Solarexpress – umgesetzt werden sollen. Das Ganze geht nicht unbedingt expressartig voran: Im Dezember 2024 wurden nur noch zwei der Projekte verfolgt, im vergangenen Juni gab BKW den Verzicht auf ein weiteres bekannt. Für das sechste aber, die 8,5-Megawatt-Anlage „MontSol“ in der Gemeinde Saint-Imier im Berner Jura, sind die Aussichten günstig: Das Genehmigungsverfahren hat den mutmaßlich entscheidenden Schritt absolviert, nachdem der Kanton Bern in der vergangenen Woche die von 60 natürlichen und juristischen Personen eingereichte Beschwerde gegen die bereits im März 2025 vom Verwaltungskreis Berner Jura erteilte Baubewilligung zurückgewiesen hat. Zuvor hatten im Juni 2024 auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Saint-Imier dem Vorhaben zugestimmt.
Die Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern (BVD) teilte zu den Gründen für die Zurückweisung mit, dass zunächst einmal – entgegen den Beschwerden – Photovoltaik-Großanlagen im Sinne des Energiegesetzes nicht nur in den Alpen zulässig seien: Wenn die in Artikel 71a des Energiegesetzes geforderte jährliche Stromproduktion und die Stromproduktion im Winterhalbjahr – das Gesetz legt genau hierauf den Fokus – durch eine Ertragssimulation bestätigt werde, sei auch ein Standort im Jura zulässig. Der am Standort, dem Mont-Soleil, bereits bestehende Windpark sei ebenfalls kein Hindernis; am Mont-Soleil stehen zwei von 16 Anlagen des Windparks „Juvent“. Der für das „MontSol“-Projekt vorgelegte Umweltverträglichkeitsbericht sei vollständig, der Grundwasserschutz werde eingehalten, die Voraussetzungen für eine Rodungsgenehmigung lägen vor, übermäßige Blendwirkungen seien nicht zu erwarten. Und auch „im Hinblick auf das Orts- und Landschaftsbild“ gebe es nichts zu beanstanden, heißt es vonseiten der BVD: „Auf dem Mont-Soleil befinden sich bereits einige technische Infrastrukturen.“
Historisches Solarkraftwerk
Diese technischen Infrastrukturen machen den Standort mit dem so überaus passenden Namen auch besonders interessant. 1992 nahm dort das „Sonnenkraftwerk Mont-Soleil“ den Betrieb auf, nach Angaben der „Societé Mont-Soleil“ mit 560 Kilowatt die damals größte Photovoltaik-Anlage Europas. Die Idee ging nach Angaben von BKW auf die Elektrowatt AG zurück, zur Trägergesellschaft gehörten neben BKW die Firmen AEW Energie AG und La Goule SA. 1995 entstand am Mont-Soleil dann ein Photovoltaik-Testzentrum. Wissenschaftseinrichtungen wie die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne und die Berner Fachhochschule Biel, die Universitäten Bern und Neuchâtel sind in diesem Umfeld aktiv, unter anderem mit der jährlichen „Summer School Mont-Soleil“.
Auch die neu geplante Anlage soll nach Angaben von BKW gemeinsam mit Forschungspartnern weiterentwickelt werden. Dabei geht es unter anderem um eine möglichst hohe Stromerzeugung im Winter. Das PV-Lab der Berner Fachhochschule soll hierfür untersuchen, wie die Solarmodule für einen maximalen Winterertrag ausgerichtet werden müssen. Gleichzeitig „streben die Projektpartner eine Gestaltung an, bei der Landwirtschaft, Tierhaltung, Biodiversität und Landschaftspflege nicht nur berücksichtigt, sondern integriert werden“.
Das allerletzte Wort ist mit der jetzt erfolgten Zurückweisung der widersprüche allerdings noch nicht gesprochen, nach Angaben des BVD kann der Bescheid innerhalb von 30 Tagen beim Verwaltungsgericht des Kantons angefochten werden.
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