Neue Kapazitätsberechnung soll kurzfristigen Stromhandel in Europa erleichtern
Nach Angaben der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ist am 14. Oktober 2026 ein weiterer Prozess zur Berechnung grenzüberschreitender Stromhandelskapazitäten in Betrieb gegangen. An dem neuen Berechnungsverfahren für den untertägigen Stromhandel (Intraday Capacity Calculation, IDCC(e)) sind 18 Netzbetreiber der europäischen Core-Region beteiligt, darunter auch die vier deutschen Unternehmen 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW. Mit dem Start ist die schrittweise Einführung der untertägigen, flussbasierten Kapazitätsberechnung abgeschlossen.
Für die Vermarktung erneuerbarer Energien ist die Aktualisierung der Handelskapazitäten von Bedeutung, weil sich die Prognosen für die wetterabhängige Stromerzeugung im Tagesverlauf verändern. Direktvermarkter können auf solche Änderungen im Intraday-Handel reagieren. Eine erneute Berechnung der grenzüberschreitenden Kapazitäten kann dabei zusätzliche Handelsmöglichkeiten eröffnen, sofern die jeweilige Netzsituation dies zulässt. Auch für Betreiber von Batteriespeichern kann die Entwicklung relevant sein, da sie Strom kurzfristig kaufen und verkaufen. Ob sich daraus höhere Erlöse oder geringere Vermarktungskosten ergeben, hängt allerdings von den verfügbaren Handelskapazitäten und der jeweiligen Marktsituation ab.
Der neue Prozess ermittelt die verfügbaren Handelskapazitäten zwischen den europäischen Gebotszonen am jeweiligen Liefertag erneut. Die Ergebnisse stehen den Unterlagen zufolge täglich gegen 16 Uhr zur Verfügung und werden für den gekoppelten europäischen Intraday-Handel genutzt. Sie betreffen die Lieferstunden zwischen 18 und 24 Uhr. Grundlage ist die sogenannte flussbasierte Kapazitätsberechnung. Dabei werden nicht nur die Kapazitäten einzelner Grenzleitungen betrachtet, sondern die möglichen Stromflüsse im zusammenhängenden Übertragungsnetz berücksichtigt. Ziel ist es, die für den grenzüberschreitenden Handel verfügbaren Kapazitäten unter Wahrung der Netzbetriebssicherheit möglichst effizient zu bestimmen.
Die Einführung der verschiedenen Berechnungsprozesse ist schrittweise erfolgt. Im April 2026 ging bereits der Prozess IDCC(d) in Betrieb, der am Vormittag aktualisierte Kapazitäten für den weiteren Tagesverlauf bereitstellt. Mit IDCC(e) kommt nun eine zusätzliche Berechnung am Nachmittag hinzu. Die Ergebnisse werden über das Veröffentlichungstool des Joint Allocation Office (JAO) zugänglich gemacht.
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