See all

Bundesverband Neue Energiewirtschaft: EEG-Novelle muss mehr Flexibilität ermöglichen

Netzanschlüsse besser nutzen, Strom speichern statt abregeln, Prosumern Flexibilität ermöglichen und Mittelstands-PPAs sichern: Diese Maßnahmen können die Systemkosten erheblich reduzieren, ist der Bundesverband Neue Energiewirtschaft überzeugt. Der Bundestag sollte dies bei der Entscheidung über die EEG-Novelle berücksichtigen.
1Komma5°, Dachanlage
Die geplante starre 50-Prozent-Begrenzung für die Einspeisung von Photovoltaik-Dachanlagen ist dem BNE zu simpel. | Foto: 1Komma5°

Der Bundestag berät derzeit EEG-Novelle und Netzpaket. Selbsterklärtes Ziel von Union und SPD ist es, mit den Gesetzesentwürfen die Systemkosten der Energiewende zu senken. Der Bundesverband neue Energiewirtschaft (BNE) ist allerdings überzeugt, dass viele Maßnahmen der EEG-Novelle diesem Ziel zuwider laufen – und legt nun fünf eigene Vorschläge vor. Sie sollen Redispatch und Abregelung reduzieren, Strompreisspitzen dämpfen und die EEG-Förderkosten verringern. In Summe lassen sich die Systemkosten damit erheblich reduzieren, ist der Verband überzeugt.

Konkret plädiert der BNE unter anderem für Freiheit hinter dem Netzanschlusspunkt: Größere Photovoltaik-Anlagen oder zusätzliche Speicher müssten erlaubt sein, solange die vereinbarte maximale Einspeiseleistung am Netzverknüpfungspunkt unverändert bleibt. Dafür sollte keine erneute Anschlussprüfung erforderlich sein. So ließen sich bestehende Anschlüsse besser nutzen und Investitionen vereinfachen.

Ebenso müsse es selbstverständlich werden, Strom hinter dem Netzverknüpfungspunkt zwischenzuspeichern, auch während des Redispatch. Speicher an Solaranlagen müssten außerdem Netzstrom aufnehmen dürfen, beispielsweise überschüssigen Windstrom vom benachbarten Windpark. Dafür brauche es praktikable Regeln für den Grün-/Graustrom-Mischbetrieb wie sie die kürzlich beschlossene MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur vorsieht.

„Netznutzung für Alle“

Darüber hinaus setzt sich der BNE dafür ein, dass bestehende Anschlussleitungen gemeinsam genutzt werden können, sofern sie technisch dafür geeignet sind. Ein gesetzliches Mitnutzungsrecht würde zusätzliche Kabeltrassen vermeiden und die Anschlusskosten senken, so der Verband. Ein solches Nutzungsrecht für Netzanschlussleitungen reduziere die Netzkosten deutlich.

Die geplante starre 50-Prozent-Begrenzung für die Einspeisung von Photovoltaik-Dachanlagen hält der Verband für zu simpel. Sie verhindere Einspeisung auch bei freien Netzkapazitäten und beschränke die Nutzung von Speichern. Wenn die Anlagen in die Direktvermarktung sollen, dürfe man dies nicht im gleichen Atemzug durch undifferenzierte Pauschalbeschränkungen verhindern. Mehr Flexibilität verursacht nach Meinung des BNE keine Nachteile für das Netz, da Steuerboxen bei Netzengpässen gezielte Eingriffe ermöglichen. Eine pauschale Kappung verschenke dagegen Flexibilität: Speicher sollen günstigen Strom aufnehmen und bei Knappheit einspeisen können. Das dämpft Preisspitzen und macht Strom für alle günstiger, so der Verband.

„Mittelstands-PPAs möglich lassen“

Da der Mittelstand bei der Finanzierung anderen Voraussetzungen unterliegt als Großunternehmen, brauchen langfristige Stromlieferverträge für Mittelständler nach Ansicht des BNE eine verlässliche Absicherung. Der spätere Wechsel in die EEG-Förderung sollte zu einem frei wählbaren Zeitpunkt möglich bleiben. Diese Wechselmöglichkeit erleichtere die Finanzierung von PPA-Projekten und eröffne mittelständischen Unternehmen den Zugang zu langfristig günstigem Wind- und Solarstrom. Damit sinken zugleich die EEG-Förderkosten. Ein Verbot der EEG-Absicherung hätte zwangsläufig ein Einbrechen des Neuanlagenmarktes für Mittelstands-PPAs zur Folge, ist der Verband überzeugt.

„Das alles sind keine Detailspielereien für Spezialisten, sondern große Hebel für effiziente Netze und weniger Systemkosten“, sagt BNE-Geschäftsführer Robert Busch über die Vorschläge. Wie stark dieser Hebel ist, zeige eine Simulation des Fraunhofer-Instituts für Solar Energiesysteme ISE: Zusätzliche Batteriespeicher mit 40 Gigawattstunden Kapazität sorgen im Modell für rund 88 Prozent weniger Hochpreisstunden, einen um 35 Prozent höheren Marktwert Solar und rechnerisch bis zu 1,2 Milliarden Euro weniger EEG-Förderbedarf pro Jahr.

„Die Bundesregierung muss ihrem eigenen Anspruch gerecht werden und die Kosten des zukünftigen Stromsystems senken. Der größte Hebel dafür ist, Flexibilität zu ermöglichen. Das hilft auch den Netzen effizienter zu werden und ermöglicht der Wirtschaft wieder Wachstum“, appelliert Busch an die Parlamentarier.

Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: [email protected].

Kommentare