Agri-Photovoltaik: Neue Erkenntnisse zu Bodenschutz und Ernteerträgen
Agri-Photovoltaik soll Stromerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung auf derselben Fläche ermöglichen. Wie sich die Anlagen auf die Landwirtschaft auswirken, hängt jedoch auch von ihrer Errichtung und Bewirtschaftung ab. Darauf weisen zwei aktuelle Veröffentlichungen hin: Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) hat erstmals die Auswirkungen der Bauphase einer Agri-PV-Anlage auf die Bodenstruktur untersucht. Der österreichische Anbieter EWS berichtet von höheren Erträgen beim Winterweizen auf seiner Forschungsanlage in Bruck an der Leitha.
Für die im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie untersuchten die ZALF-Forschenden eine 2024 errichtete Agri-PV-Anlage auf dem eigenen Forschungsgelände in Müncheberg in Brandenburg. Nach Abschluss der Bauarbeiten nahmen sie Bodenproben und untersuchten die Verdichtung des überwiegend sandigen Bodens. In den während des Baus beanspruchten Bereichen ermittelten die Forschenden im Unterboden eine Bodendichte von 1,67 bis 1,69 Gramm pro Kubikzentimeter, an einzelnen Messpunkten von 1,86 bis 1,99 Gramm. Auf einer unverdichteten Vergleichsfläche waren es 1,14 bis 1,34 Gramm pro Kubikzentimeter. Auch der Widerstand für Pflanzenwurzeln war erhöht. Nach Angaben des ZALF lagen die gemessenen Werte teilweise über den für diese Böden bekannten Grenzen, ab denen das Wurzelwachstum beeinträchtigt wird.
Die Verdichtung beschränkte sich demnach nicht auf die Bereiche unmittelbar an den Modulstützen, sondern trat auch auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen den Modulreihen auf. Als Ursachen nennen die Forschenden das wiederholte Befahren mit schweren Baumaschinen sowie die feuchten Bodenverhältnisse während der Errichtung. Das ZALF empfiehlt daher für künftige Agri-Photovoltaik-Projekte eine bodenkundliche Begleitung der Bauarbeiten. Als mögliche Schutzmaßnahmen werden festgelegte Fahrspuren, Bodenschutzplatten und der Verzicht auf Bauarbeiten bei zu feuchten Böden genannt. Bei der untersuchten Anlage waren solche Maßnahmen während der Errichtung nicht umgesetzt worden. Anschließend wurden mechanische und biologische Maßnahmen zur Bodenlockerung eingeleitet, darunter der Anbau von Luzerne über zwei bis drei Jahre.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass zunächst untersucht werden muss, inwieweit sich die Ergebnisse auf andere Bodentypen und Agri-PPhotovoltaik-Konstruktionen übertragen lassen. Auch die langfristige Entwicklung des Bodens nach der Errichtung soll weiter untersucht werden.
EWS meldet 14 Prozent Mehrertrag bei Winterweizen
Andere Effekte der Agri-Photovoltaik auf den Pflanzenbau untersucht EWS auf seiner Anlage in Bruck an der Leitha in Österreich. Das Unternehmen meldet dort für die diesjährige Winterweizenernte einen Mehrertrag von 14 Prozent. Nach Angaben von EWS wirken sich die Teilverschattung durch die Module und die damit verbundenen Veränderungen des Mikroklimas unter anderem auf Bodenfeuchte und Temperatur aus. Die Angabe stammt vom Betreiber selbst; nähere Angaben zur Ermittlung des Mehrertrags oder zu den Vergleichsflächen enthält die vorliegende Mitteilung nicht.
Auf einer weiteren EWS-Anlage in Pischelsdorf am Engelbach steht derzeit die Sojaernte bevor. EWS erwartet dort trotz der Trockenheit gute Erträge, nennt bislang aber keine konkreten Erntedaten. Das Agri-Photovoltaik-System von EWS arbeitet mit nachgeführten Modultischen. Diese folgen im Tagesverlauf der Sonne und können für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung horizontal gestellt oder bis zu 70 Grad zueinander aufgeklappt werden.
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