EEG-Novelle und Netzpaket könnten Beschäftigungswachstum bei Erneuerbaren verlangsamen
Nie zuvor waren in der Erneuerbaren-Branche so viele Menschen beschäftigt wie im letzten Jahr: Insgesamt 436.300 Vollzeit-Arbeitsplätze zählt die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) im Rahmen einer Studie, die sie für die Bertelsmann-Stiftung erstellt hat. Werden die gesetzlichen Photovoltaik- und Windenergie-Ausbauziele erreicht und Wärmepumpen im angenommenen Umfang eingebaut, könnten 2035 rund 706.000 Menschen beschäftigt sein, etwa 270.000 mehr als 2025.
Besonders stark würde der Bedarf bei der Herstellung und Installation von Wärmepumpen wachsen. Hier erhöht sich die Beschäftigung von 72.200 auf 232.800 Personen und damit auf mehr als das Dreifache. Die Beschäftigungschancen reichen dabei weit über die Anlagenhersteller hinaus, denn auch Zulieferer, Planungsbüros und Handwerksbetriebe würden vom Ausbau profitieren.
All diese Zahlen stehen der Bertelsmann-Stiftung allerdings unter Vorbehalt. Denn EEG-Novelle, Netzpaket und das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) könnten den Beschäftigungsboom beeinträchtigen. Gleiches gilt, wenn das bereits beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) den Wärmepumpen-Zubau verlangsamt. In diesem Fall rechnet die GWS 2035 nur mit 519.500 Stellen. Ein Plus von 83.000 gegenüber 2025 – aber doch deutlich weniger als im Szenario ohne die neuen Energiegesetze.
„Unternehmen brauchen verlässliche Perspektive auf dem heimischen Markt“
Für die deutsche Wirtschaft ist nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung dabei nicht nur entscheidend, wie viele Anlagen gebaut werden, sondern auch, wo sie hergestellt werden. Die Vergangenheit zeige, wie schnell politische Kurswechsel industrielle Strukturen treffen können. So sank die Beschäftigung in der Photovoltaik nach Förderkürzungen und dem Einbruch der heimischen Produktion von 156.700 Personen im Jahr 2011 auf 39.900 im Jahr 2017.
Wie empfindlich die Beschäftigung auf schwankende Nachfrage reagiert, zeige der Wärmepumpen-Markt: Im Zuge der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz und des daraus resultierenden Markteinbruchs 2024 sank die Beschäftigung zunächst um 28 Prozent, bevor sie 2025 wieder um mehr als 40 Prozent stieg.
„Wer industrielle Wertschöpfung in Deutschland sichern will, muss den Unternehmen eine verlässliche Perspektive auf dem heimischen Markt bieten“, sagt Jana Fingerhut, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann-Stiftung. Die neuen gesetzlichen Regelungen sollten Investitionen erleichtern und Unternehmen Planungssicherheit geben. Dafür brauche es klare Übergangsfristen, kalkulierbare Netzanschluss- und verlässliche Förderbedingungen.
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