Warum Rabot Energy einen 2-Kilowattstunden-AC-Batteriespeicher ohne Photovoltaik-Anlage verkauft
Der in Hamburg ansässige digitale Energieversorger Rabot Energy brachte im Juni 2026 seinen neuen, eigenständigen Heimspeicher auf den Markt, der speziell für Wohnungsmieter entwickelt wurde. ESS News sprach auf der IFA 2026 in Berlin mit Konrad Schade, Chief Operating Officer und Geschäftsführer des Unternehmens. Es ging neben der Markteinführung auch um das Konzept, das hinter dem Verkauf eines Batteriespeichers eines Drittanbieters steht, für den Kunden keine eigene Photovoltaik-Anlage benötigen.
Rabot Energy gehört zu den Newcomern im deutschen Strom-Endkundenmarkt. Es arbeitet weitaus stärker App-basiert als traditionelle Anbieter. Dabei gibt es auch unter den jüngeren Anbietern einen großen Wettbewerb um die Kunden. Unternehmen wie Octopus Energy und Ostrom sind in ähnlichen Märkten tätig und bieten oft Anmeldeboni an.
Um die Kundenbindung langfristig zu stärken, bietet Rabot Energy einen Batteriespeicher für zu Hause an, der sich ohne Elektriker und sogar ohne intelligenten Stromzähler anschließen lässt. Rabot Energy verkauft die Systeme zum Selbstkostenpreis und gewährt weitere Rabatte, wobei das Unternehmen davon ausgeht, dass sich die Investition für die Kunden dank dynamischer Tarife schnell amortisiert.
API-Einschränkungen
Interessanterweise war nur Marstek bereit, auf die Anforderungen von Rabot Energy einzugehen. „Wir haben mit allen gesprochen, mit Eco Flow, Anker, wer auch immer“, erzählt Schade gegenüber ESS News. „Marstek war der einzige Hersteller, der bereit war, eine spezielle Cloud-API-Verbindung für uns einzurichten, damit wir den Speicher aus der Ferne steuern können. Die anderen hatten kein Interesse. Ohne eine offene API hätten wir physische Steuerungshardware an den intelligenten Zähler im Keller anschließen müssen. In Mehrfamilienhäusern befinden sich die Zähler der Mieter in gemeinsamen Kellern, was eine physische Verkabelung unmöglich macht.“
„Wir geben die Batteriespeicher eins zu eins zum Selbstkostenpreis weiter, ohne eine Gewinnspanne einzukalkulieren“, sagt Schade weiter. „Außerdem treffe ich mich im September mit Marstek, um größere Hardware-Mengen zu sichern, mit dem Ziel, die Großhandelskosten zu senken, und wir können sie möglicherweise unter unserem eigenen Markennamen vertreiben.“
Kundenbindung
Rabot Energy verkauft die Rabot Flow-Hardware zum Selbstkostenpreis und bietet einen monatlich kündbaren Vertrag anstelle einer festen Vertragslaufzeit an. Diese vollständige Flexibilität ist jedoch ein Vorteil für die Kundenbindung. „Wir geben die Hardwarekosten direkt weiter, denn der eigentliche Wert liegt für uns in der Kundenbindung“, erklärt Schade. „Obwohl unser dynamischer Tarif monatlich gekündigt werden kann und der Batteriespeicher nicht an unser System gebunden ist, verbinden über 90 Prozent der Käufer die Batteriespeicher mit unserer App und bleiben langfristig bei uns. Es ist eine Win-Win-Win-Situation: Der Kunde spart Geld, wir vermeiden Kundenabwanderung und dezentrale Batterien tragen zur Stabilisierung des Stromnetzes bei.“
Auf dem umkämpften deutschen Energiemarkt wechseln Kunden häufig den Anbieter, um von Einführungsboni zu profitieren. Mit der Integration der Batteriespeicher in den dynamischen Tarif von Rabot Energy über eine direkte API-Verbindung zu Marstek kann das System das Laden automatisch in Zeitfenstern mit sehr niedrigen oder negativen Strompreisen planen. Dies führt Rabot Energy zufolge schätzungsweise zu automatisierten jährlichen Einsparungen von 120 Euro oder sogar 130 Euro für den Kunden.
Mit derzeit rund 180.000 Kunden in ganz Deutschland plant Rabot Energy nun die Expansion nach Österreich und Polen.
von ESS News
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