Marktbericht: Photovoltaik wird zum Standard bei neuen Logistik- und Industrieimmobilien
Große, häufig wenig verschattete Dachflächen machen insbesondere Logistikimmobilien für Photovoltaik interessant. Wie stark sich die Technologie in diesem Segment inzwischen etabliert hat, zeigt ein gemeinsamer Marktbericht der Berliner Sparkasse und des Immobilienberatungsunternehmens Bulwiengesa für die Region Berlin. Seit 2022 entfallen demnach rund 70 bis 80 Prozent der dort fertiggestellten Logistik- und Light-Industrial-Flächen auf Immobilien mit installierter Photovoltaik-Anlage.
Unter Logistikimmobilien versteht der Bericht vor allem größere Hallen für Lagerung, Warenumschlag und Distribution. Light-Industrial-Immobilien umfassen dagegen unter anderem Gewerbeparks und Produktionsimmobilien und kombinieren häufig Produktions-, Lager-, Service- und Büroflächen. Photovoltaik gewinnt in beiden Segmenten an Bedeutung; insbesondere bei Logistikimmobilien bieten die großen Dachflächen gute Voraussetzungen für die Stromerzeugung.
Bei Neubauten entwickelt sich Photovoltaik nach Einschätzung der Autoren zunehmend zu einem festen Bestandteil der Gebäudeplanung. Als Gründe nennt der Bericht unter anderem höhere Anforderungen an die energetische Qualität und die wirtschaftliche Attraktivität der Eigenstromerzeugung: Der erzeugte Solarstrom kann für Gebäudetechnik und Wärmepumpen, betriebliche Prozesse sowie Ladeinfrastruktur genutzt werden. Batteriespeicher und intelligentes Lastmanagement können den Eigenverbrauch erhöhen und Lastspitzen reduzieren. Eine vollständige Marktdurchdringung sei allerdings auch bei den jüngsten Fertigstellungsjahrgängen noch nicht erreicht.
Lkw-Laden im Fokus
Zusätzliche Bedeutung bekommt die Photovoltaik aus Sicht der Autoren durch die Elektrifizierung betrieblicher Fahrzeugflotten. Bei Logistikimmobilien rücken demnach zunehmend Lademöglichkeiten für Elektro-Lkw in den Fokus. Die Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeichern könne dazu dienen, lokal erzeugten Strom für die Fahrzeuge zu nutzen und Lastspitzen zu reduzieren. Voraussetzung seien entsprechend dimensionierte Netzanschlüsse sowie ein abgestimmtes Lade- und Lastmanagement.
Für institutionelle Immobilieninvestoren haben sich die Rahmenbedingungen für Photovoltaik nach Darstellung des Berichts verbessert. Das im Februar 2026 in Kraft getretene Standortfördergesetz schaffe für offene Immobilienfonds mehr Rechtssicherheit beim Betrieb eigener Photovoltaik-Anlagen. Zuvor hätten insbesondere bei der Einspeisung oder dem Verkauf des erzeugten Stroms steuerliche und aufsichtsrechtliche Unsicherheiten bestanden. Die Neuregelung reduziere damit ein Investitionshemmnis für Photovoltaik im Immobilienbestand.
Zugleich wird die energetische Qualität nach Einschätzung der Autoren stärker zu einem Faktor für den Wert und die Vermarktung von Logistik- und Light-Industrial-Immobilien. Der Modernisierungsdruck dürfte insbesondere bei älteren Bestandsgebäuden zunehmen. Gebäude mit effizienter Technik, belastbaren Verbrauchsdaten sowie Potenzial für Photovoltaik oder eine alternative Wärmeversorgung dürften Vorteile bei Finanzierbarkeit, Vermarktung und späterer Nutzung haben.
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