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Auch für Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus sind Netzanschlüsse ein Engpass

Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik nennt uneinheitliche Standards und Lastberechnungen als Grund für enorme Kostenunterschiede – insbesondere Baukostenzuschüsse zwischen null und mehr als 50.000 Euro. Ein in Kooperation mit dem Wärmepumpenhersteller Daikin erstelltes Whitepaper macht Lösungsvorschläge für Wohnungswirtschaft, Netzbetreiber, Regulierungsbehörden und Politik.
https://www.iee.fraunhofer.de/content/dam/iee/energiesystemtechnik/de/Dokumente/Veroeffentlichungen/2026_Whitepaper%20Netzanschlusskosten.pdf
Wärmewende im Mehrfamilienhaus: Je nach Standort ein unterschiedlich schwieriges Unterfangen. | Foto: Stiebel Eltron

Die Nachrüstung von Mehrfamilienhäusern mit Wärmepumpen bereitet oftmals Probleme wegen Netzanschlüssen ohne ausreichende Leistungsreserven. Ein Whitepaper des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, das im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Daikin Technology Innovation Center in Osaka (Japan) sowie mit Daikin Europe N.V. und Daikin Manufacturing Germany entstand, benennt uneinheitliche Standards und Lastberechnungen als wesentliche Faktoren. Die zum Netzausbau anfallenden Baukostenzuschüsse liegen demnach zwischen null und mehr als 50.000 Euro.

Der Analyse zufolge bestehen insbesondere zwei strukturelle Defizite: Zum einen gebe es keine bundesweit einheitliche Regelung dafür, bis zu welcher Leistung ein Netzanschluss als pauschal abgerechneter Standard gilt. Bei drei untersuchten Netzbetreibern gebe es hier Grenzen von etwa 43 bis 156 Kilowatt. Bei Überschreiten der Grenze seien individuelle Prüfungen und Kostenschätzungen die Folge. Zum anderen bestünden unterschiedliche Verfahren zur Ermittlung der Haushaltslast. Die hierfür oft herangezogene DIN 18015-1, ursprünglich entwickelt für die Bemessung von Hauptleitungen innerhalb von Gebäuden, könne im Vergleich zu messdatenbasierten Werksnormen zu einem Überschätzen des tatsächlichen Leistungsbedarfs bis zum Faktor 2,5 führen.

Reale Messdaten statt pauschaler Sicherheitsaufschläge

„Die Netzanschlusskosten von Wärmepumpen im Mehrfamilienhausbestand lassen sich erheblich senken, wenn wir konsequent auf Best Practices der Netzbetreiber und auf reale Messdaten statt pauschaler Sicherheitsaufschläge setzen“, erklärt sagt Elias Dörre vom Fraunhofer IEE. Die Leistungsgrenzen pauschaler Standardanschlüsse würden durch die gleichzeitige Wärme- und Verkehrswende schnell überschritten, und es bestehe das strukturelle Problem, dass die Kosten je nach Region erheblich variieren.

Eine Empfehlung lautet, bundesweit vergleichbare Pauschalgrenzen für Standardanschlüsse einzuführen. Gebäudeeigentümer könnten so Kosten früher kalkulieren, Netzbetreiber einen größeren Teil der Anschlussbegehren ohne aufwendige Einzelfallprüfung bearbeiten.

Außerdem sollten dem Whitepaper zufolge datenbasierte Normen gewährleisten, dass die Bewertung von Netzanschlüssen auf Grundlage realistischer Lastannahmen erfolgt. Denkbar sei etwa ein entsprechender Anhang zur VDE-AR-N 4100 oder eine Weiterentwicklung der DIN 18015-1. Hierbei sollten neben repräsentativen Messdaten auch „reale Gleichzeitigkeiten“ – also tatsächlich parallel auftretende Lasten – sowie die jeweils eingesetzte Technik zur Warmwasserbereitung berücksichtigt werden.

„Ungleichheit gefährdet die Wärmewende“

Seltene Leistungsspitzen, die womöglich eine Verstärkung des Anschlusses erfordern würden, ließen sich durch dynamisches Lastmanagement mit koordinierter Steuerung von Wärmepumpen, Heizstäben sowie elektrischen und thermischen Speichern begrenzen.

Wo allerdings die Leistungsgrenzen pauschaler Standardanschlüsse trotzdem überschritten werden, seien unter Umständen mit hohen Kosten verbundene individuelle Verstärkungsmaßnahmen erforderlich. Dies lasse sich nicht allein durch neue Berechnungsmethoden oder technische Flexibilität vermeiden, und „die dann anfallenden individuellen Mehrkosten können die Investition in eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus leicht verdoppeln“, sagt Christopher Graf vom Fraunhofer IEE: „Diese Ungleichheit gefährdet die Wärmewende.“ Die Kosten für den erforderlichen Netzausbau seien deshalb „eine Aufgabe, die Netzanschlussnehmer, Netzbetreiber sowie Regulierung und Förderung auf Bundesebene nur gemeinsam bewältigen können.“

Das Fraunhofer IEE nennt auch bereits heute bestehende Handlungsmöglichkeiten zur Senkung von Kosten und zur besseren Vorbereitung von Projekten. So könnten Wohnungsunternehmen Verbrauchsdaten auswerten, Lastgangmessungen durchführen und ihre Gebäudeportfolios frühzeitig auf kritische Anschlüsse prüfen. Netzbetreiber könnten Smart-Meter-Daten für realitätsnähere, messdatenbasierte Berechnungsansätze nutzen, ihre Pauschalgrenzen überprüfen und verfügbare Anschlusskapazitäten transparenter machen. Politik, Bundesnetzagentur, DIN und VDE können diese Best Practices aufgreifen und daraus einheitlichere regulatorische und normative Grundlagen entwickeln.

Das Whitepaper steht beim Fraunhofer IEE zum Download (PDF) bereit.

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