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SMA-Chef Reinert: „Ab 2027 wird auch das Gewerbe- und Residential-Segment wieder profitabel sein“

Im Interview auf der Messe The Smarter E Europe in München spricht SMA-Chef Jürgen Reinert über die Rückkehr zur Profitabilität im Home-&-Business-Geschäft, die Chancen neuer Produktgenerationen, strengere EU-Vorgaben für Cybersicherheit sowie die europäische Industriepolitik. Zudem erklärt er, warum SMA trotz des US-Geschäfts an der Wechselrichterfertigung in Europa festhält.
SMA auf der Intersolar 2026 in Muenchen. Foto: Heiko Meyer | Foto: SMA/ Heiko Meyer

Vor einem Jahr haben wir uns an dieser Stelle hier in München getroffen. Wir sprachen über die Herausforderungen bei SMA und über die Umstrukturierung, gerade in Bezug auf die kleineren Anlagen im Gewerbe und für den Haushalt. Wie steht es um SMA heute?

Jürgen Reinert: Tatsächlich hat sich unser Geschäft stark verschoben. Vor 15 Jahren entfielen rund 80 Prozent unseres Umsatzes auf Dachanlagen und etwa 20 Prozent auf das Großanlagengeschäft. Heute ist es genau umgekehrt: Rund 80 Prozent unseres Umsatzes stammen aus dem Large-Scale-Bereich, etwa 20 Prozent aus Home & Business.

Jürgen Reinert im Büro Portraitfoto

Das bedeutet aber nicht, dass wir den Home-&-Business-Bereich vernachlässigen. Im Gegenteil: Im ersten Quartal ist diese Sparte gegenüber dem Vorjahr bereits um 27 Prozent gewachsen. Wir bringen jetzt eine komplett neue Produktgeneration auf den Markt – Hybridwechselrichter von fünf bis 30 Kilowatt, neue Batteriespeicher, ein neues Energiemanagementsystem und eine deutlich vereinfachte Inbetriebnahme. Die Restrukturierung der vergangenen anderthalb Jahre diente genau dazu, dieses Geschäft neu aufzustellen.

Viele Marktteilnehmer sorgen sich wegen der geplanten Änderungen bei der Einspeisevergütung. Rechnen Sie dadurch mit einem Einbruch im Heimmarkt?

Diese Sorge teilen wir in dieser Form nicht. Die Einspeisevergütung spielt heute ohnehin eine deutlich geringere Rolle als früher. Entscheidend werden Eigenverbrauch und Autarkie. Genau darauf sind unsere neuen Produkte ausgelegt: eigene Batteriespeicher, deutlich leistungsfähigeres Energiemanagement und höhere Eigenverbrauchsquoten.

Kurzfristig sehen wir sogar einen Vorzieheffekt, weil viele Kunden ihre Investition noch vor möglichen Änderungen tätigen möchten. Sollten die Änderungen tatsächlich bereits im nächsten Jahr in Kraft treten, kann es natürlich einen Dämpfer geben. Wir halten die geplanten Änderungen die EEG-Förderung doch früher auslaufen zu lassen als geplant, für falsch, erwarten aber keinen dramatischen Markteinbruch.

Die EU verschärft ihre Anforderungen an Cybersicherheit. Gleichzeitig werden chinesische Wechselrichter bei einigen Förderprogrammen zunehmend ausgeschlossen. Welchen Anteil hat das an der Erholung des Geschäftsklimas bei SMA?

Wir begrüßen diesen Ansatz. Es geht hier um kritische Infrastruktur. In Europa stammen heute etwa 80 Prozent der neu installierten Wechselrichter aus China. Wenn mehrere Gigawatt Leistung gleichzeitig abgeschaltet würden, hätte das erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität unserer Stromnetze.

Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie stark chinesische Unternehmen staatlich unterstützt werden. Gleichzeitig bestehen andere regulatorische Rahmenbedingungen als in Europa. Deshalb halten wir es für richtig, bei öffentlich geförderten Projekten auch Cybersecurity-Aspekte stärker zu berücksichtigen.

Europäische Hersteller könnten von solchen Regelungen profitieren. Wären Sie überhaupt in der Lage, eine deutlich höhere Nachfrage zu bedienen?

Ja. Gemeinsam mit anderen europäischen Herstellern könnten wir den europäischen Bedarf decken. Allein SMA verfügt heute über Produktionskapazitäten von rund 40 Gigawatt jährlich. Diese Kapazität könnten wir innerhalb von sechs bis zwölf Monaten verdoppeln.

Neben der Cybersecurity betreibt die EU auch Industriepolitik. Die europäische Industrie wartet seit Jahren auf den Net Zero Industry Act und nun kommt zusätzlich noch der Industrial Accelerator Act. Reicht das aus, um europäische Hersteller wieder wettbewerbsfähiger zu machen?

Wir unterstützen sowohl den Net Zero Industry Act als auch den Industrial Accelerator Act ausdrücklich. Das sind aus unserer Sicht die richtigen Ansätze. Allerdings sehen wir, dass die Umsetzung in Europa bislang sehr unterschiedlich verläuft. Einige Länder gehen voran, andere noch gar nicht. Wir würden uns wünschen, dass die Maßnahmen konsequenter und vor allem schneller umgesetzt werden.

Glauben Sie, dass Deutschland dabei eine Vorreiterrolle einnehmen wird?

Das hoffen wir. Im Moment ist es allerdings schwierig. Die Ausbauziele für erneuerbare Energien bleiben zwar bestehen, gleichzeitig werden aber immer wieder die Rahmenbedingungen verändert. Das schafft Unsicherheit und macht Investitionen nicht einfacher. Ich hatte vor zwei Wochen einen guten Wirtschaftstermin mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Trotzdem hakt es aus unserer Sicht noch an der praktischen Umsetzung.

Produziert SMA auch in den USA, um dort gefertigte Produkte später nach Europa zu exportieren und von den europäischen Fördermechanismen zu profitieren?

Nein. Für den Home-&-Business-Bereich erfolgt die Endmontage in Europa. Im Large-Scale-Geschäft entwickeln und produzieren wir unsere Umrichter vollständig in Deutschland. In den USA arbeiten wir lediglich bei Mittelspannungstransformatoren und der Anlagenintegration mit Partnern zusammen, um den amerikanischen Markt zu bedienen. Unsere Wechselrichterfertigung bleibt bewusst in Europa. Wir sehen keinen Vorteil darin, die Produktion in die USA zu verlagern und anschließend wieder nach Europa zu importieren.

Wo produziert SMA heute?

Im Large-Scale-Geschäft erfolgen Entwicklung und Produktion vollständig in Deutschland. Das ist für Projektgeschäft entscheidend, weil Entwicklung, Fertigung und Engineering eng zusammenarbeiten müssen.

Im Home-&-Business-Bereich arbeiten wir teilweise mit Hardware-Partnern zusammen. Die Software entwickeln wir jedoch ausschließlich selbst – in Deutschland und Indien. Sie bleibt vollständig unter unserer Kontrolle. Alle Daten werden ausschließlich in Europa gehostet. Das ist ein zentraler Bestandteil unserer Cybersecurity-Strategie.

Die Endmontage verlagern wir derzeit größtenteils in unser eigenes Werk in Krakau.

Was bedeutet, dass das neue Home-&-Business-Portfolio auf Hardware von einem Partner basieren?

Wir arbeiten mit neuen Hardwarepartnern aus der Leistungselektronik-Herstellung zusammen. Dabei handelt es sich nicht um einen Wettbewerber aus dem Wechselrichtermarkt. Die Software stammt weiterhin vollständig von SMA.

Wie bewerten Sie den geplanten Redispatch-Vorbehalt im deutschen Markt?

Sehr kritisch. Das Problem ist weniger die konkrete Regelung als die Unsicherheit, die dadurch entsteht. Projektentwickler wissen nicht mehr genau, ob sich ihre Projekte künftig noch rechnen. Diese Unsicherheit bremst Investitionen.

Wir hören zwar immer wieder, dass die Ausbauziele unverändert bleiben. Wenn aber gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtert werden, wird es schwieriger, diese Ziele tatsächlich zu erreichen.

Wo steht SMA in einem Jahr?

Ich bin überzeugt, dass wir auf ein erfolgreiches Jahr 2026 zurückblicken werden. Wir erwarten Wachstum sowohl im Large-Scale- als auch im Home-&-Business-Geschäft. Das Gesamtunternehmen wird in diesem Jahr profitabel sein. Der Home-&-Business-Bereich wird 2027 ebenfalls wieder schwarze Zahlen schreiben.

Das Interview führten Michael Fuhs und Marian Willuhn

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