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Montel: Fake News und Bots verstärken Preisschwankungen im Energiehandel

Die Volatilität auf dem europäischen Gasmarkt hat sich nach einer Analyse von Montel seit Kriegsbeginn im Iran verdoppelt. Dies liegt daran, dass hunderte Bots am Markt aktiv sind, die auf Schlagzeilen und Social-Media-Beiträge reagieren, ohne vorher ihre Richtigkeit zu prüfen.
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Binnen Sekunden reagieren Algorithmen und Bots auf Nachrichten aus sozialen Medien, die dann direkt die Preisentwicklung am Markt beeinflusst. | Foto: Pexels auf Pixabay

Die Volatilität auf dem europäischen Gasmarkt hat sich während der Zeit des Iran-Krieges mehr als verdoppelt und wird vor allem durch Energiehandelsalgorithmen angeheizt. Dies ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung von Montel News, das sie am Donnerstag veröffentlichten. Besonders betroffen von Schwankungen sei der untertägige Handel von niederländischen TTF-Frontmonats-Gaskontrakts (Europas Referenzindex). „Die Volatilität des TTF-Frontmonatskontrakts hat sich seit Kriegsausbruch am 28. Februar mehr als verdoppelt, wobei ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen fast vollständig eingestellt wurde“, sagte Montel-Chefanalyst Tobias Frederico.

Ursächlich dafür seien Computerprogramme, die Schlagzeilen und Social-Media-Beiträge scannen und auf dieser Basis ihre Gebote für den Energiehandel platzieren. Dabei werde nicht verifiziert, ob es sich um reale Nachrichten oder Fakenews handele. Ein einzelner Händler könnte „leicht 100 bis 200 Bots haben, die die Märkte verfolgen und Wetten platzieren“, zitiert Montel Antonio Mele, ein Makroökonom, der derzeit an der London School of Economics im Bereich KI forscht. „Das ist, als hätten Sie 200 Händler, die für Sie für einen Bruchteil des Preises arbeiten. Sie verarbeiten Nachrichten und führen Aufträge automatisch aus, wodurch sich die Preise viel, viel schneller bewegen.“

Montel verweist darauf, dass die Reaktion auf Beiträge, gerade in sozialen Medien, schon bei der Entwicklung des Brent-Rohölpreises seit Beginn des Iran-Kriegs zu beobachten waren. Nun zeigten sich diese Schwankungen auch auf den europäischen Gasmärkten. Sie folgten dabei dem gleichen Muster. Zurückführen lassen sie sich oftmals aus Äußerungen in Social-Media-Kanälen, etwa von US-Präsident Donald Trump. Dabei werde durch die Bots nicht verifiziert, ob es sich um echt oder Fakenews handele, sondern die Programme bewerteten nur Stimmungen, so Montel. Diese beeinflussten dann jedoch die Entscheidung, innerhalb von Millisekunden eine Order zu senden, und damit den Preis.

Bei starken Preisschwankungen profitieren einige Händler, während andere von einem „unhandelbaren“ Markt sprechen. „Es scheint, als sei die Reaktion des Gasmarktes viel heftiger und plötzlicher als in früheren Krisen“, sagte Alan Whitefield, Trading Manager bei Alcarbon, Montel. „Es ist einfach eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Wenn Ihr Algorithmus das nachahmt, was andere tun, dann springen Sie auf einen Trend auf.“

Fake News können Kettenreaktion auslösen

Rohstoffhändler Mirko Ivanda schätzte, dass die algorithmische Reaktion für „wahrscheinlich 50 Prozent“ der jüngsten Intraday-Volatilität im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg verantwortlich war. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs habe der Anteil eher im einstelligen Bereich gelegen, so Ivanda zu Montel.

Das Fatale aus Sicht der Energiehändler ist dabei, dass bereits kleine unzuverlässige und ungeprüfte News eine Kettenreaktion in Gang setzen können. Ein Beispiel dafür sei der 24. April, als der Finanznachrichtendienst First Squawk Meldungen zu einer möglichen Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran berichteten. Als Reaktion seien binnen weniger Minuten die Volumina des TTF-Frontmonats sprunghaft angestiegen und die Preise eingebrochen, als Bots aufgrund der in dem Beitrag zum Ausdruck gebrachten pessimistischen Stimmung eilig Positionen verkauften. Dies zeigen die Daten von Montel. Dabei verschärfe sich das Problem, da Handelsalgorithmen auch häufig Signale aus verwandten Märkten wie dem Brent-Rohölmarkt aufgreifen.

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Kommentare

Frank Bleichinger
Jun 05, 2026

Somit lässt sich im Umkehrschluss davon ausgehen, dass FakeNews auch absichtlich zur Preisbeeinflussung gelauncht werden.
Eine irre Entwicklung.