Für ein errichtetes Gaskraftwerk mit 500 Megawatt Leistung und 1.000 Volllaststunden – eine für den Betrieb als Backup-Kraftwerk nicht zu geringe Annahme – muss man Stromgestehungskosten von rund 19,2 Cent je Kilowattstunde kalkulieren, davon 6,8 Cent für den volatilsten Posten, nämlich das Gas. Addiert man 100 Euro pro Tonne CO2 an Kosten aus dem Emissionshandel hinzu, sind es 23,0 Cent je Kilowattstunde. Bezieht man jedoch auch die externalisierten Kosten mit ein, also solche, die zwar entstehen, aber nicht vom Kraftwerksbetreiber getragen werden, dann sind es 35 bis 67 Cent. Und selbst diese Summe kann durch geopolitische Krisen jederzeit noch weit höher ausfallen. So lautet die zentrale Aussage einer Kurzstudie, die das Forum Ökologische Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökoenergieversorgers Green Plante Energy erstellt hat. Deshalb sind die von der Bundesregierung als Backup für das zunehmend auf erneuerbaren Energien basierende Stromsystem geplanten Gaskraftwerke „eine der teuersten Optionen für die Versorgungssicherheit“, so Green Planet Energy.
Diese Aussage wurde im Prinzip schon oft getroffen, die Studie unterlegt sie mit aktuellen Berechnungen. Verglichen werden etwa die reinen Stromgestehungskosten von Gaskraftwerken inklusive Emissionshandel mit denen von Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen, die selbst unter ungünstigen Annahmen nicht höher als 10 Cent sind. Wirklich interessant ist aber naturgemäß der Vergleich mit anderen, auf erneuerbaren Energien basierenden Backup-Optionen. Für den aber müssten eben, so die Argumentation, alle Kosten einbezogen werden, und das umfasse bei Erdgas Klimaschäden durch CO₂‑ und Methanemissionen, staatliche Subventionen und „Krisenkosten“ sowie langfristige Abhängigkeiten von fossilen Importen.
Bis zu 53 Cent auch ohne Einberechnung von Klimaschäden
Die durch den Krieg im Iran ausgelösten Preissteigerungen sind Green Planet Energy zufolge ein neuer Beleg dafür, wie schnell Gas auch im Stromsektor zum Kostenrisiko werde. Die Studie legt dar, dass Krisensituationen wie beim russischen Überfall auf die Ukraine die reinen Stromgestehungskosten von Erdgas schnell auf bis zu 53 Cent je Kilowattstunden ansteigen lassen, wobei die zusätzlichen Klimaschäden noch nicht einkalkuliert seien.
Hinzu kämen die erforderlichen Subventionen, ohne die sich neue Gaskraftwerke ohnehin nicht rentieren. Nur die im ersten Schritt von der Bundesregierung geplanten 10 Gigawatt Gaskraftwerksleistung verursachen der Studie zufolge Förderkosten von rund 6,6 Milliarden Euro. „Dazu kommt: Schon heute wird Erdgas in Deutschland umfangreich staatlich subventioniert, von milliardenschweren Zuschüssen für Gasspeicher und LNG‑Terminals bis zur Steuerbefreiung bei der Stromerzeugung. Diese Förderung senkt künstlich die Kosten von Gasstrom und verzerrt den Wettbewerb zulasten erneuerbarer Alternativen”, so Florian Zerzawy, Hauptautor der Studie und Leiter Energiepolitik beim FÖS.
Systematisch unterschätzt werde auch die Klimaschädlichkeit von Erdgas. Jedes neue Kraftwerk verursache über seine Gesamtlaufzeit bis zu 8,4 Millionen Tonnen CO₂ sowie Klimaschäden von bis zu 7 Milliarden Euro, die nicht über den CO2-Preis abgedeckt seien. Für Deutschland, das Erdgas zu 95 Prozent importiert, tauchten erhebliche Teile der Gesamtrechnung gar nicht in der Klimabilanz auf, weil sie bei Förderung und Transport im Ausland entstehen. Erdgas sei, erklärt Green Plant Energy, je nach Herkunft und Transportweg klimaschädlicher als Kohle.
Auf der anderen Seite mache die Studie deutlich, dass Speicher, Bioenergie und selbst grüner Wasserstoff die Versorgung zu ähnlichen oder sogar geringeren Kosten sichern können wie Erdgas. „Die Bundesregierung setzt einseitig auf Erdgas als Back‑up. Dabei lässt sich Versorgungssicherheit auch mit erneuerbaren Alternativen erreichen: Speicher, Bioenergie und grüner Wasserstoff sind ähnlich teuer oder sogar günstiger – und nicht den geopolitischen Preissprüngen ausgesetzt, die Öl und Gas immer wieder verteuern”, Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy. Der Energieversorger fordert deshalb „eine energiepolitische Kurskorrektur“ in Form technologieoffener Ausschreibungen ohne Vorfestlegung auf neue Gaskraftwerke, verlässliche Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien und einen konsequenten Ausbau von Netzen und Flexibilität.
Die Studie „Teure Option für die Versorgungssicherheit: Die wahren Kosten von Strom aus Erdgas“ steht zum kostenlosen Download als PDF bereit.
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