„Kooperationsforum Großbatteriespeicher“: FfE veröffentlicht Diskussionspapier mit Herausforderungen und Lösungen

Stromnetz, Sonnenuntergang, Pixabay

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Im August 2025 entstand das „Kooperationsforum Großbatteriespeicher“ unter dem Dach der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). Es war getrieben von den vielen Unsicherheiten und Herausforderungen, denen sich die Speicherbranche gegenüber sah. Einem wahren Boom an Netzanschlussbegehren für große Batteriespeicher standen sehr begrenzte Netzanschlusskapazitäten und eine Überforderung bei den Netzbetreibern gegenüber.

Für eine strukturierte Debatte wurden zunächst vier Handlungsfelder abgesteckt, für die Herausforderungen und Lösungen definiert werden sollten. Die Themen waren Netzanschlussanfragen, flexible Netzanschlussvereinbarungen, Speichernetzentgelte und Co-Location. Letztendlich brachten sich 58 Unternehmen aus der Netz- und Speicherbranche ein. Am Mittwoch schließlich veröffentlichte die FfE ihr auf dieser Basis entstandenes Diskussionspapier, begleitend dazu gab es eine Veranstaltung am Hauptsitz des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz in Berlin. Das Papier richtet sich vornehmlich an die Politik und Regulierungsbehörden, aber ebenso an Netz- und Speicherbetreiber. Nicht alle diskutierten Lösungen seien dabei von einem breiten Konsens getragen, wie die FfE-Vertreter auf der Veranstaltung erklärten. Sie hofften auch, dass ihr Kooperationsforum „too big to fail“ geworden sei. Schließlich seien die eigenen Erwartungen deutlich übertroffen worden, was die Teilnehmer an dem Kooperationsforum anginge. Und auch wenn nicht in allen Punkten Einigkeit herzustellen war, so hätten die Diskussionen doch dazu beigetragen, alle Beteiligten für die verschiedenen Problemfelder zu sensibilisieren.

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Treffen Sie Nora Amer Mahgoub, Senior Research Associate beim ffe auf dem BBDF. Sie wird in der Session zum Netzanschluss über das Kooperationsforum informieren.

Nach dem ersten erfolgreichen und ausgebuchten BBDF letzten Juli findet das Event am 31. März und 1. April 2026 zum zweiten Mal in Frankfurt statt. Auch wieder mit zwei Deep Dives Germany, zu Netzanschlüssen und FCAs sowie zu Co-Location mit Photovoltaik-Anlagen. Ein großes Thema wird sein, wie man FCAs verhandelt, und wie man Risiken minimiert, die dadurch entstehen, dass Netzanschlussbedingungen teilweise im Nachhinein geändert werden.

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Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die politischen Ereignisse in den vergangenen Monaten bereits massiv weiterentwickelt haben. So sind Speicher größer 100 Megawatt aus der KraftNAV gefallen und die Übertragungsnetzbetreiber haben ab April die Einführung eines sogenannten Reifegradverfahrens angekündigt. Dies ist noch nicht politisch unterlegt, was aber auf Basis des „Netzpakets“ erfolgen könnte. Dazu sickerte kürzlich ein Referentenentwurf durch, der den Übertragungsnetzbetreibern Freiheiten zur Schaffung eines Netzanschlussverfahrens gewährt. Voraussichtlich Ende des ersten Quartals wird der Gesetzentwurf wohl im Kabinett diskutiert, wie Jan Zacharias aus dem Bundeswirtschaftsministerium auf der Veranstaltung sagte. Nach seinen Worten sollte der Entwurf noch gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Kritik an Kriteriengewichtung im Reifegradverfahren

Das Reifegradverfahren war dann auch ein großes Thema auf der Veranstaltung in Berlin. Während einer Paneldiskussion betonte Urban Windelen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES), er finde dieses Verfahren nicht passend für Speicher. Sie würden damit in einen Topf mit anderen Großanlagen wie Rechenzentren geschmissen, was aber ihrer Rolle im Energiesystem nicht gerecht werde. Zudem monierte nicht nur er, sondern auch Julian Gerstner vom Speicherunternehmen Mirai Power die Kriterien für die Festlegung des Reifegrads. Diese bildeten das Prozedere bei der Entwicklung großer Speicherprojekte nicht ab und bevorteilten finanzstarke Unternehmen. Bei Batteriespeichern sei es die Regel, dass kleine Ingenieurbüros die Projekte entwickelten und zur Realisierung an größere Unternehmen weiterverkauften. Sie hätten nicht die finanzielle Stärke, um geforderte Zahlungen oder Bestellungen zu einem so frühen Zeitpunkt vorzunehmen, wie sie im Reifegradverfahren von den Übertragungsnetzbetreibern gefordert würden. Bei der Priorisierung der Projekte gerieten sie damit deutlich ins Hintertreffen.

Standardisierung bei FCAs

Flexible Netzanschlussvereinbarungen, auch FCAs abgekürzt, sind eine weitere große Herausforderung, zumal die Standardisierung noch fehlt. Aktuell werden sehr heterogene FCAs abgeschlossen, da das Zielbild für diese Vereinbarungen nicht geklärt sei. Dieses reiche von Beschleunigung des Netzanschlusses über die Wahrung der Netzstabilität bis hin zu Einsparung von Netzausbaukosten. Vor allem die vorgeschriebenen Restriktionen des Speicherbetriebs durch die Netzbetreiber seien teilweise sehr weitreichend und gefährdeten auch die Wirtschaftlichkeit mancher Projekte. Hierbei gelte es einen für beide Seiten praktikablen Mittelweg zu finden, denn die FCAs gelten als wichtiges Instrument, um Speicher im Netz zu integrieren. „Wir empfehlen daher eine stärkere Standardisierung der Restriktionen, die in FCAs vereinbart werden können, und schlagen mögliche Eckpunkte für eine sachgerechte Kompensation der Einschränkungen vor“, heißt es von den Teilnehmern des Kooperationsforums.

Bei der Diskussion im Handlungsfeld Speichernetzentgelte bezogen sich die Teilnehmer auf das im Mai 2025 veröffentlichte AgNes-Diskussionspapier der Bundesnetzagentur. Allerdings veröffentlichte die Behörde im Januar weitere Vorschläge für die Ausgestaltung der Speichernetzentgelte, die keine Berücksichtigung mehr fanden. „Bei der Einführung von Einspeiseentgelten auf anschlussbezogene Komponenten lässt sich eine Doppelbelastung nur vermeiden, wenn eine Sonderregelung für Speicher geschaffen wird oder Gebiete definiert werden, in denen Speicher jeweils das eine oder das andere zahlen. Für den Kapazitätspreis wurde festgehalten, dass dieser im Vergleich zum heutigen Leistungspreis weder Vor- noch Nachteile für den Speicher hat“, so das Ergebnis der Diskussion im Kooperationsforum. Vertreter der Speicherbranche drängen aber darauf, dass eine durch FCAs eingeschränkte Anschlusszusage für die Speicher sich auch in den Entgelten niederschlagen müsse.

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Zwischen Gigawatt-Zusagen und Realität

Große Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von 78 Gigawatt haben eine Anschlusszusage und sollen in den nächsten Jahren ans Netz gehen. Doch um einzuschätzen, welcher Zubau real werden könnte, muss man sich mit flexiblen Netzanschlussvereinbarungen beschäftigen. Die Standardisierung, an der Experten arbeiten, könnte die Realisierung der Projekte deutlich beschleunigen.

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Im vierten Handlungsfeld Co-Location wurden fünf Ansätze erarbeitet, die das Potenzial dieser Lösung angesichts der knappen Netzanschlusskapazitäten heben sollen. Ein Punkt sei eine Transparenzerhöhung hinsichtlich Potenzialstandorten. Die Teilnehmer des Kooperationsforums erarbeiteten auch verschiedene Zielbilder, nach denen eine Priorisierung von Co-Location-Projekten in der Netzanschlussreihenfolge erfolgen könne. Für Co-Location-Speicher werde das „MiSpeL“-Verfahren ein wichtiger Treiber sein, um Saldierungsmöglichkeiten oder EEG-Fördertatbestände im Multi-Use Fall zu erhalten, hieß es weiter. FCAs werden dabei als Schlüsselinstrument gesehen, um zielgerichtet Co-Location-Projekte zu ermöglichen und zugleich Interaktions- und Priorisierungsregeln zwischen den Anlagen festzulegen. Für Redispatch wird empfohlen, die Festlegung auf den Netzanschluss als Bezugspunkt vorzunehmen. All dies müsse von Gesetzgeber, Bundesnetzagentur und Netzbetreibern umgesetzt werden, für die es eine regulatorisch und verfahrenstechnisch klar geregelte und transparente Grundlage brauche, so die Teilnehmer.

Die im Diskussionspapier veröffentlichten Vorschläge und Empfehlungen hat das Kooperationsforum auch bereits in Gesprächen beim Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur vorgebracht. Auf der Veranstaltung in Berlin war mit Karsten Bourwig, Vorsitzender der Beschlusskammer 8, ein wichtiger Vertreter der Bundesnetzagentur in Berlin vor Ort. Er kündigte weitere wichtige Veröffentlichungen für Mai an. Bourwig betonte weiter, dass seine Behörde die Bedeutung der Speicher anerkenne. Allerdings seien Speicher nicht genetisch netzdienlich, sondern könnten auch Netzausbau erforderlich machen, sagte er weiter. Dies solle sich in der Neugestaltung der Netzentgelte widerspiegeln, wobei eine Doppelbelastung von Strommengen vermieden werden müsse. Bezüglich der jüngst ausgelösten Debatte um den Vertrauensschutz bei Batteriespeichern hob Bourwig hervor, die Bundesnetzagentur wolle dies in klare Bahnen lenken. Er versprach, bis Sommer hätten Investoren in große Batteriespeicher Sicherheit.

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