Mit Lumera und Cleverwatt kommen beide Preisträger aus München, beide adressieren Gewerbe- und Industriekunden, beide arbeiten mit Prognosen, Optimierung und ökonomischer Priorisierung. Dass Start-ups wie Lumera oder Cleverwatt und andere mit ähnlichen Geschäftsmodellen gerade jetzt entstehen, ist kein Zufall. „Zum ersten Mal haben wir einen Punkt erreicht, an dem sich Gewerbe- und Industriespeicher in unter fünf Jahren amortisieren können“, sagt Lena Sophia Voß, Mitgründerin von Lumera. Sinkende Speicherpreise, das gestiegene Risikobewusstsein bei Energiepreisen seit 2021/22 und regulatorische Impulse, etwa die Diskussion um dynamisierte Netzentgelte, greifen ineinander.
Cleverwatt wurde 2024 gegründet und unterstützt mittelständische Unternehmen dabei, ihre Energiekosten systemisch zu senken. Kern ist eine umfassende Lastganganalyse, der „cleverReport“, der über die reine Dimensionierung einzelner Anlagen hinausgeht. Betrachtet werden Verbrauchsverhalten, Effizienzpotenziale sowie bestehende und zukünftige Flexibilitäten im Unternehmen.
Technisch grenzt sich Cleverwatt von vielen Gewerbe-EMS ab, die vor allem visualisieren oder regelbasiert steuern. Ein eigenes Ingenieurbüro bringt zusätzlich tiefes Prozessverständnis ein, etwa für Temperatur-, Druck- oder Lastverläufe in Lüftungs-, Kälte- oder Produktionsprozessen. Diese Optimierung wird für jedes Projekt einzeln vorgenommen und ist somit keine Lösung von der Stange. Installateure können den Service als Dienstleistung in Anspruch nehmen. Während Cleverwatt den Betrieb und die kontinuierliche Optimierung adressiert, setzt Lumera einen Schritt früher an. Dort, wo viele Gewerbespeicherprojekte scheitern: bei der Planung und Auslegung. „Ganz viele wissen gar nicht, wie sie Batteriespeicherprojekte bei Gewerbe- und Industriekunden überhaupt angehen sollen“, sagt Voß. „Diese Auslegung bei uns dauert zwei Minuten.“
Highlights und spotlights
Preis für gute Ideen: In der Februar-Runde zeichnet pv magazine zwei Einreichungen als pv magazine spotlight aus. Das sagt die Jury:
Cleverwatt: Flexibilität im Gewerbebetrieb systematisch nutzbar machen
Cleverwatt analysiert in Gewerbebetrieben, wie sich elektrische Verbraucher flexibilisieren lassen. Mit einer Software berechnen sie eine optimale Batteriespeicherdimensionierung. Das eigene Energiemanagementsystem kann die Geräte steuern. Installateure und Unternehmen können die Analyse buchen, ohne sich an Cleverwatts Energiemanagementsystem zu binden. Ein Angebot, das man sich genauer anschauen sollte, findet die Jury, und vergibt dafür ein pv magazine spotlight.
Lumera Energy: Schnelle Auslegung für Multi-Use-Speicher
Die Auslegung von Gewerbe-Batteriespeichern wird durch die wachsende Zahl möglicher Erlösströme zunehmend komplex. Lumera Energy ist eines der Start-ups, das Installateure dabei mit einem webbasierten Tool unterstützt. Lastgänge können hochgeladen, Photovoltaikdaten konfiguriert oder übernommen werden. Die Ergebnisse helfen, komplexe Multi-Use-Konzepte gegenüber Endkunden zu argumentieren, so das Unternehmen. Für Installateure eine interessante Dienstleistung und für die Jury ein pv magazine spotlight.
Die Juroren:
Volker Quaschning ist Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin. Hans Urban ist langjähriger Experte und Consultant für Photovoltaik, Speicher und E-Mobilität. Winfried Wahl ist seit über 15 Jahren bei verschiedenen Herstellern im Bereich erneuerbare Energien tätig.
Mehr Infos, bisherige Preisträger (seit 2014) und alles zur Bewerbung unter: www.pv-magazine.de/highlights
Einsendeschluss für die nächste Runde: 17. April 2026
Zunächst wird die Adresse des Projekts eingegeben. Darauf folgt der Upload des Lastgangs. Optional lässt sich anschließend eine Photovoltaikanlage ergänzen. Entweder wird ein bereits vorhandenes Ertragsprofil hochgeladen oder die Eckdaten der Anlage werden direkt in Lumera konfiguriert. Ergänzend geben die Nutzer an, wie überschüssiger Strom vergütet wird. Danach folgen Netzentgelte inklusive Leistungspreis, relevante Hochlastzeitfenster sowie die Strompreise.
Auf Basis dieser Eingaben berechnet Lumera die optimale Speichergröße und identifiziert die wirtschaftlich sinnvollsten Anwendungsfälle. Eigenverbrauchsoptimierung, günstiger Strombezug über dynamische Tarife, Lastspitzenkappung oder atypische Netznutzung, die transparente Aufschlüsselung der Erlösströme zeigt dem Endkunden für jeden Anwendungsfall, welchen wirtschaftlichen Beitrag er leistet. Das schafft eine gute Voraussetzung, um komplexe Multi-Use-Konzepte gegenüber Endkunden belastbar zu argumentieren.
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal ist der Portfoliovergleich. Installateure können reale Batteriesysteme mit ihren technischen Parametern – wie Entladetiefe, Reaktionszeiten, Entladerampen, Zyklenfestigkeit und Wirkungsgrade – hinterlegen, um zu sehen, welches System der projektspezifisch optimalen Lösung am nächsten kommt. Gleichzeitig zeigt Lumera, wie ein theoretisch optimaler Speicher aussehen würde, falls der Installateur bereit ist, das eigene Portfolio noch zu erweitern.
Die Plattform wird nach eigenen Angaben inzwischen für über 2.500 Projekte genutzt, auf deren Basis 15.000 bis 20.000 Analysen berechnet wurden – pro Projekt meist mehrere Varianten. Das Team ist mittlerweile auf sechs Personen angewachsen, weitere Einstellungen sind geplant. Zu den Nutzern zählen unter anderem Sonnen, Enpal, die Deutsche Bahn und Better Energy, so Lumera Energy.
Langfristig plant Lumera, über die Planung hinauszugehen. „Wir wollten das nie nur bis zur Planung denken“, sagt Voß. Erste Pilotprojekte beschäftigen sich bereits mit prognosebasierten Fahrplänen im Betrieb und perspektivisch auch mit der Vermarktung von Flexibilität.
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