Sungrow führt seinen neuen Großspeicher PowerTitan 3.0 in den europäischen Markt ein. Mit der Möglichkeit, die Batterie DC-seitig an einen Zentralwechselrichter anzuschließen, reagiert Sungrow auf die hohe Nachfrage nach Co-Location-Projekten. Das System hatte der Hersteller bereits Anfang Juni 2025 auf der SNEC in Shanghai vorgestellt, nun präsentierte Sungrow das Produkt europäischen Projektentwicklern bei einer Veranstaltung in Madrid.
Der Speicher kommt wie marktüblich in den Schiffscontainerformaten 10- und 20-Fuß. Die 20-Fuß-Variante integriert ein Power-Conversion-System (PCS) mit 1,78 Megawatt Leistung sowie eine Batterie mit 7,14 Megawattstunden Kapazität. Damit handelt es sich um ein Vier-Stunden-System in einem Container. Eine ebenfalls in China gezeigte 30-Fuß-Version mit rund 12 Megawattstunden ist laut Sungrow nicht für Europa vorgesehen. Grund seien Logistikaufwand und Transportkosten, die sich negativ auf die Projektökonomie auswirken würden. Wer in Europa trotzdem größere Anlagen bauen will, kann vier Einheiten zu einem AC-Block mit rund 7,2 Megawatt Leistung und 28,5 Megawattstunden Kapazität verschalten.
Neue Zellgeneration und Kühlkonzept
Die höhere Energiedichte auf gleichem Raum führt Sungrow auf neue Batteriezellen mit 648 Amperestunden zurück. Deren volumetrische Energiedichte gibt das Unternehmen mit über 440 Wattstunden pro Liter an.
Eine neue Software und vollständige Flüssigkeitskühlung sollen dafür sorgen, dass alle Zellen möglichst im optimalen Temperaturfenster betrieben werden. Dadurch lasse sich der Eigenverbrauch des Batteriesystems um etwa zehn Prozent reduzieren, so Sungrow. Der Hersteller gewährt eine Garantie von 10.000 Zyklen bei einer Restkapazität von 60 Prozent. Ladezustände werden auf Rackebene überwacht und auf Systemebene abgeglichen.
DC-Kopplung bietet Einsparpotenzial
„Wir sehen in quasi allen europäischen Märkten eine stärkere Nachfrage nach Stand-alone-Projekten und eine massive Steigerung bei Co-Location-Projekten“, sagt Moritz Rolf, VP DACH bei Sungrow. Neben der höheren Speicherkapazität adressiere vor allem die neue DC-Kopplungsoption diese Nachfrage.
In Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage und Sungrows „1+X“-Zentralwechselrichter sei kein separates PCS und keine eigene Mittelspannungsschaltanlage für den Speicher erforderlich. Die Einsparungen bei zusätzlicher Hardware und Verkabelung beziffert das Unternehmen für ein Projekt mit 150 Megawattstunden Kapazität auf rund eine Million Euro.
Wer die Anlage nun doch AC-seitig anschließt, bekommt ein integriertes PCS, und hierbei setzt Sungrow erstmals auf Siliziumkarbid-MOSFETs. Der maximale Wirkungsgrad der PCS-Einheiten liegt laut Hersteller bei 99,5 Prozent, der Roundtrip-Wirkungsgrad des Systems bei 92 Prozent.
Vorkonfiguriert und schnelle Inbetriebnahme
Der PowerTitan 3.0 wird laut Sungrow vollständig montiert und vorkonfiguriert ausgeliefert. Eine neue Software übernehme die Inbetriebnahme weitgehend autonom. Pro Block sei dafür etwa eine Stunde erforderlich. Ein Projekt könne innerhalb von rund zwölf Tagen ans Netz gebracht werden. Eine Parametrierung vor Ort sei nicht notwendig.
Zudem kann der Speicher als AC-Quelle für Anlagenzertifizierungsprüfungen genutzt werden. Ist noch kein Netzanschluss vorhanden, lässt sich die Batterie einsetzen, um Mittelspannungsschaltanlagen, Wechselrichter und weitere Betriebsmittel unter Spannung zu setzen. Das könne Ablauf und Logistik solcher Prüfungen deutlich vereinfachen.
Netzbildende Eigenschaften im Fokus
„Wir haben gewissermaßen den ersten Akt der Energiewende bereits hinter uns – also den Ausbau erneuerbarer Energien und ihre Integration in den Markt auf wettbewerbsfähige und wirtschaftlich sinnvolle Weise“, sagte James Li, VP Europe von Sungrow, während einer Paneldiskussion auf der Veranstaltung. „Jetzt treten wir in die nächste Phase ein: Elektrifizierung sowie die Flexibilität und Versorgungssicherheit, die das Energiesystem künftig braucht.“
Entsprechend waren netzbildende Funktionen ein zentrales Thema der Produktvorstellung. Das System kann laut Sungrow Kurzschlussstrom bereitstellen, mit einem Kurzschlussstromverhältnis von 1,2. Zudem soll es Momentanreserve innerhalb von fünf Millisekunden liefern und zur Dämpfung von Oberwellen beitragen. Damit könne der Speicher die Systemstärke und Netzstabilität erhöhen.
Auch Antonio Arruebo, Analyst für Batteriespeicher bei Solarpower Europe und ebenfalls auf der Veranstaltung in Madrid anwesend, verwies auf die wachsende Bedeutung solcher Eigenschaften. Neben einem dynamischen Markt für Frequenzdienstleistungen entstünden zunehmend Märkte für Momentanreserve, Kurzschlussstrom und Schwarzstartfähigkeit in diversen europäischen Regionen. Entscheidend sei, dass entsprechende Märkte auf EU- und nationaler Ebene frühzeitig ausgestaltet würden. Ebenso müssten Regelungen zur schnelleren Zulassung und Zertifizierung von Speichern sowie der Abbau von Doppelbelastungen durch Netzentgelte weiter vorangetrieben werden.
Im Austausch mit Teilnehmern der Veranstaltung zeigte sich, dass sich der europäische Markt zwar insgesamt positiv entwickelt, die Projektfinanzierung jedoch ein zentraler Engpass bleibt. Stark fremdfinanzierte Projekte unterliegen einer intensiven Risikoprüfung durch die Kapitalgeber. Insbesondere die Bewertung künftiger Erlöse aus Arbitrage- und Frequenzmärkten gilt als schwierig. Die langfristige Entwicklung dieser Märkte lasse sich nur begrenzt prognostizieren, was sich direkt auf Risikozuschläge und Finanzierungsbedingungen auswirkt. Konstrukte mit mehreren beteiligten Banken pro Projekt scheinen sich zunehmend zu etablieren.
Aus Investorensicht spielen dabei vor allem die Stabilität der Erlösströme und technologische Risiken eine zentrale Rolle. „Entscheidend ist, wie belastbar die Einnahmen sind und wie wahrscheinlich sich Marktmechanismen über die Zeit verändern“, sagte Paula Renedo, Principal Engineer Director bei Nuveen Infrastructure, während einer Paneldiskussion. Bei Batteriespeichern verschiebe sich das Verhältnis zwischen Exposition zum Börsenmarktgeschehen und vertraglich gesicherten Erlösen zunehmend. Gleichzeitig rückten die Bonität der Abnehmer sowie technologische Aspekte stärker in den Fokus. „Wir schauen sehr genau auf erprobte Technologien mit belastbarer Betriebserfahrung, speziell im Hinblick auf Verfügbarkeit und Degradation über die Lebensdauer“, so Renedo. Nuveen arbeite mit konservativen Annahmen und beziehe externe technische Berater ein, um diese Risiken zu bewerten und zu begrenzen.
Mit Blick auf die Preisentwicklung im Batteriesegment und die Ankündigung der chinesischen Regierung, ihre Batteriezellhersteller zu einer „nachhaltigen Preisentwicklung“ anzuhalten, verweist Rolf darauf, dass ein Vergleich mit dem Preiseffekt der letzten Jahre bei Photovoltaikmodulen nicht ganz analog zu ziehen wäre. Diese hätten inzwischen einen deutlich höheren Grad der „Commodification“, also Warenbildung statt Produktbildung, erreicht. Dieser Trend könne sich zwar teilweise auch bei Batteriezellen zeigen, bei integrierten Großspeichersystemen blieben jedoch zahlreiche komplexe Integrationsschritte und Systemanforderungen bestehen. Preise wie im Modulmarkt, die auf Bruchteile von Cent pro Kilowatt heruntergebrochen werden, seien daher nicht zu erwarten. Für Projektentwickler und Betreiber spielten zudem Aftersales und lokaler Support eine zentrale Rolle. Sungrow gibt an, in Europa rund 800 Mitarbeiter zu beschäftigen.
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