Solaredge und Helioplant haben die Realisierung eines bisher einzigartigen Photovoltaik-Kraftwerks mit 6,3 Megawatt Leistung in den österreichischen Alpen angekündigt. Dabei soll zum ersten Mal das kreuzförmige Montagesystem, das das österreichische Unternehmen speziell für bifaziale Solarmodule entwickelt hat, zum Einsatz kommen, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten.
Weiterhin ist in dem Photovoltaik-Kraftwerk in dem Skigebiet in Sölden der Einsatz der Wechselrichter- und Leistungsoptimierer-Technologie von Solaredge vorgesehen, um Verschattungsprobleme zu lösen und den Ertrag zu maximieren. Dies verbessere auch die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems Speziell im Winter erzeugen hochalpine Photovoltaik-Kraftwerke mehr Solarstrom als Anlagen in niedriger gelegenen Regionen. Die Anlage in Sölden soll drei Skigebiete mit Energie versorgen, wie es weiter hieß.
Der Bau der Photovoltaik-Anlagen im Hochgebirge ist mit speziellen Anforderungen verknüpft. Nach Angaben der Unternehmen sind herkömmliche lineare Photovoltaik-Systeme für die extremen alpinen Bedingungen ungeeignet, da sie nur schlecht mit Schneeverfrachtungen zurechtkommen. Das von Helioplant entwickelte und patentierte Kreuzdesign für bifaziale Solarmodule sorge hingegen dafür, dass die Module schneefrei blieben. Die baumähnliche Struktur bestehe aus vier unabhängigen „Flügeln“ an einer Säule, die gesamt 15 oder 16 bifaziale Solarmodule tragen – abhängig von der Hangneigung, hieß es weiter. Die kreuzförmige Anordnung erzeuge dabei selbst bei niedrigen Windgeschwindigkeiten Verwirbelung der Luft und verhindere damit Schneeablagerungen. Rund um die Struktur bilde sich eine natürliche Schneemulde, die Licht auf die Modulrückseite reflektiert. Durch den Albedo-Effekte wird so der Ertrag der Photovoltaik-Anlage noch gesteigert.
Helioplant und Solaredge sehen ein enormes Potenzial für diese Photovoltaik-Anlagen. Nach Aussage von Helioplant-Mitbegründer Florian Jamschek gibt es rund 6.000 Skigebiete weltweit, in denen die Systeme entstehen könnten. „Während unsere baumähnliche Struktur für bifaziale PV die Herausforderungen der Solarenergie in alpinen Hochlagen löst, weist sie allerdings stärkere Eigenverschattungen der Module auf. Die einzige Lösung, um dieses Problem zu überwinden und die Energieerträge zu maximieren, war die Integration der Solaredge Technologie“, so Jamschek weiter.
Die im Projekt eingesetzten N-Type-Heterojunction-Solarmodule stammen vom Unternehmen PVolution. Sie seien projektspezifisch ausgelegt worden. Dabei werden Abmessungen, Einspannpunkte, elektrische Verschaltung und Geometrie individuell auf die jeweilige Anlagenkonfiguration abgestimmt. Zur Minimierung verschattungsbedingter Leistungsverluste verfügen die Module über eine segmentierte interne Zellverschaltung, die verschattete Bereiche elektrisch entkoppelt und nicht verschattete Bereiche weiterhin mit hoher Effizienz arbeiten lässt, wie ein Sprecher des Münchner Unternehmens pv magazine erklärte. Diese Auslegung sei insbesondere für den Betrieb bei niedrigen Sonnenhöhen relevant.*
Die Leistung der bifazialen Solarmodule, die eine Fläche von mehr als 2,5 Quadratmetern aufweisen, liegt bei rund 520 Watt. Die rahmenlose Bauweise sowie speziell gefertigtes Sicherheitsglas mit mindestens drei Millimeter Dicke führen PVolution zufolge dazu, dass mechanische Belastungen durch hohe Windlasten, zyklische Temperaturbeanspruchungen sowie lokale Spannungsspitzen gleichmäßig auf die Tragstruktur übertragen werden.
Der spezifizierte Betriebstemperaturbereich für die Solarmodule liege zwischen –40 und +85 Grad Celsius. Die Rückseitenleistung der Module erreiche bis zu 95 Prozent, so das Unternehmen weiter. Zudem bestehe bei der eingesetzten Technologie eine geringe temperaturabhängige Leistungsdegradation sowie eine hohe Resistenz gegenüber LID- und LeTID-Effekten.
Im Jahr 2023 startete Helioplant ein Pilotprojekt mit 12 bifazialen, baumähnlichen Photovoltaik-Strukturen auf 2850 Höhenmetern in Sölden unterhalb des Tiefenbachgletschers im österreichischen Ötztal. Auch dabei kamen bereits die Wechselrichter und Leistungsoptimierer von Solaredge zum Einsatz. Die Photovoltaik-Anlage habe eine gesamte Saison lang einen Skilift versorgt.
Aus dem erfolgreichen Pilotprojekt entstand nun der neue Auftrag. Insgesamt werden für das Photovoltaik-Kraftwerk mit 6,3 Megawatt Leistung rund 800 Helioplant-Strukturen auf einer Höhe zwischen 2850 und 3000 Metern installiert. Die Fertigstellung sei für das zweite Halbjahr 2026 geplant. Danach soll die Anlage rund ein Drittel des jährlichen Energiebedarfs von etwa 28 Gigawattstunden der drei Skigebiete decken. Neben beim Betrieb der Skilifte und Seilbahnen fällt darunter auch der Bedarf von der Gastronomie bis hin zur Schneeproduktion.
*Anmerkung der Redaktion: Die Details zu den Solarmodulen haben wir nachträglich auf Rückmeldung von PVolution im Artikel ergänzt.
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Mal sehen, wie lange dort noch Strom gebraucht wird. Sicher wird der Bedarf erst ansteigen, weil Schneekanonen viel Energie brauchen. Aber lange helfen die auch nicht.
Ja, ich bin sehr negativ drauf. Weil wir – ja, wir alle – wissen können, was wirklich nötig ist: weniger. Nicht immer mehr produzieren, um immer mehr, auch Strom, zu produzieren. Sondern weniger. Weniger produzieren. Weniger verbrauchen. Auch weniger Strom.
Ein Lesetipp für Hartgesottene: Niko Paech – Befreiung vom Überfluss. Ein Beispiel daraus: Elektroautos. (Fast) nie wird eine Fabrik zur Herstellung von Verbrennern für die Herstellung von E-Autos umgenutzt. Er wird (fast) immer eine neue Fabrik gebaut. Unter massivem Einsatz von klimaschädlicher Stoffen: Stahl, Zement -> Beton, Flächenverbrauch etc.