Das Forschungsprojekt „PVgoesMV“ will die Photovoltaik in die Mittelspannung bringen. Ziel sei es, zwei Pilotanlagen aufzubauen und zu betreiben, bei denen das Spannungsniveau auf Mittelspannung angehoben wird. Damit soll gezeigt werden, dass dieser Schritt für große Photovoltaik-Anlagen technisch machbar und ökonomisch sinnvoll ist, wie es am Dienstag vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hieß, das das Forschungskonsortium leitet.
Die Photovoltaik-Anlagen mit etwa 135 Kilowatt Anschlussleistung sollen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz entstehen. Sie würden mit 3-Kilovolt-String-Wechselrichtern ausgestattet, was weltweit einmalig sei, so das Fraunhofer ISE weiter. Die Pilotanlagen würden dann DC-seitig mit 3 Kilovolt und AC-seitig mit 1,2 Kilovolt betrieben.
Der eingesetzte Mittelspannungs-Photovoltaik-Wechselrichter auf Basis von hochsperrenden Siliziumkarbid-Halbleitern sei vom Fraunhofer ISE bereits im Forschungsprojekt „MS-Leikra“ entwickelt worden. Er werde nun für den Einsatz im Feld angepasst. Die Forscher wollen dabei zwei verschiedene Stringverschaltungen erproben. Zum einen sei der Einsatz von Standard-Solarmodulen mit 1500 Volt und Mittelpunktserdung geplant, zum anderen ein 3-Kilovolt-String mit Solarmodul-Prototypen, die für die höhere Spannungsklasse entwickelt wurden. Auf Basis der Erfahrungen beim Aufbau und der Inbetriebnahme sollen abschließend ein Qualitätssicherungs- und Prüfkonzept für Photovoltaik-Anlagen in der Mittelspannung entwickeln werden, wie es vom Fraunhofer ISE weiter hieß. Erkenntnisse, die aus dem Testbetrieb gewonnen werden, sollen auch in das Produktdesign einfließen und in internationale Normungsgremien.
„Der Schritt in die Mittelspannung ist ein wesentlicher Hebel für die Reduktion des Kupfer- und Aluminiumbedarfs für Photovoltaik-Großkraftwerke und somit für die Wirtschaftlichkeit der Projekte“, sagte Projektleiter Felix Kulenkampff vom Fraunhofer ISE. So lasse sich mit einer Verdopplung der Spannung im Leiterquerschnitt der Kabel bis zu etwa 75 Prozent einsparen. Die dünneren Kabel seien einfacher zu verlegen und senkten zusätzlich die Installationskosten. Zudem kann die Anschlussleistung von Transformatoren und Substations bei gleicher Baugröße verdoppelt werden, wie die Forscher erklärten. Bei großen Photovoltaik-Anlagen könne deren Anzahl halbiert werden, was zu weiteren Einsparungen von Material-, Invest- und Installationskosten führe.
„Alle genannten Vorteile ergeben sich bereits in der niedrigen Mittelspannung. Die Aufwände für die Entwicklung entsprechend spannungsfester Komponenten sind überschaubar, weshalb uns viele Komponentenhersteller in dem Pilotprojekt unterstützen«, so Felix Kulenkampff weiter.
Zu den Projektpartnern von „PVgoesMV“ gehören die Pfalzwerke AG, die FEAG Gruppe, Stäubli Electrical Connectors AG, Weidmüller Interface GmbH & Co. KG, Mersen Deutschland Eggolsheim GmbH, Prysmian Kabel und Systeme GmbH, Sumida Components & Modules GmbH, Hanwha Q Cells GmbH, Zimmermann PV-Steel Group GmbH & Co. KG, Infineon Technologies AG, Fluke Deutschland GmbH und BES New Energy GmbH. Das Projekt startete offiziell im Dezember 2025 und wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit Mitteln aus dem 8. Energieforschungsprogramm „Innovationen für die Energiewende“ gefördert.
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Wer soll das ganze Verkabeln und fachgerecht Aufbauen.
Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel für die 1000 Volt Ebene.
Preiseinsparung im Bereich Kabel ? Eine Leitung in diesem Spannungspereich ist durch die wesentlich größere Isolierung nicht viel günstiger.
Die Schaltgeräte auf einer 3 KV DC Spannungsbasis oder 1,2 KV AC werden jeden Kostenvorteil sprengen.
Von den VDE Vorschriften in dieser Spannungsebene wollen wir mal garnicht reden.
Die Energieversorger sollen lieber ihre Servicequalität ausbauen anstatt bei solchen Projekten Milionen zu versenken. Aber der Steuerzahler finanziert das ganze ja.
Hallo Herr Janicki,
Ich arbeite in genau diesem Segment (aber nicht bei Fraunhofer) und kann daher ein wenig Einblick geben.
Die Sicherheitsvorkehrungen für 1,2kV AC sind grundlegend die selben wie für 230V, was nicht heißen soll, dass es ungefährlich ist. Über Erden und Kurzschließen kann man debattieren, für mehr Sicherheit kann man das sicherlich machen.
Ich weiß nicht, wo Sie ihre Kabel kaufen, aber eine kurze Recherche zu Vergleichszwecken bei Helukabel gibt folgende Preise:
Radox 3 GKW (600V) 1x120mm^2 : ~1700€ pro 100 Meter
Radox 4 GKW (1800V) 1x35mm^2 : ~800€ pro 100 Meter
Radox 9 GKW (3600V) 1x4mm^2 : ~200€ pro 100 Meter
Die Schaltgeräte sind das geringste Problem. Um eine höhere Spannungsfestigkeit zu erzeugen reicht es, zwei oder mehr IGBTs/MOSFETs hintereinander zu schalten. Bauteile wie Kondensatoren und Drosseln sind da eher schwierig, genauso wie die Isolierstrecken in den Geräten. Messequipment gibt es in der Spannungsklasse auch noch so gut wie nicht.
Die VDE bzw. AR-N werden in der Hinsicht nachziehen müssen, da aktuell zwar alles über 1000V AC „Mittelspannung“ ist, aber die wirklichen normativen Angaben als kleinste Spannungsebene im 10kV Bereich anfangen.
Überdenken Sie den letzten Satz nochmal. Woher meinen Sie kommt der Begriff „Innovationsstandort Deutschland“? Das ist alles nicht vom Himmel gefallen. Seien Sie lieber froh, dass die Netzbetreiber auch mal versuchen etwas neu, anders und/oder besser zu machen.
‚Seien Sie lieber froh, dass die Netzbetreiber auch mal versuchen etwas neu, anders und/oder besser zu machen.‘
wenn die (Verteil-)Stromnetzbetreiber das aus den eigenen Gewinnen/Erträgen (vor Dividenden) finanzieren, nach erfolgter langfristiger, transparenter Planung, wer hätte dann etwas dagegen?
Lassen Sie bitte die Klammern am Anfang und Ende weg. Entweder erklären Sie mir deren Sinn oder ich werde davon absehen, Ihre Kommentare künftig freizuschalten. Herzlichen Dank!
an den Klammern soll ein Kommentar nicht scheitern, 🙂
nicht vergessen:
Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihren Anstand bei pv-magazine.de (auch im Sinne der Meinungsfreiheit gegenüber Angriffen aus pol. und unt. Kreisen (es gibt natürlich auch anständige PolitikerInnen und UnternehmerInnen), das haben wir langjährig ‚festgestellt und eingeordnet‘, das ist ein wirkliches Vorbild und (oftmaliges) Alleinstellungsmerkmal im d. Journalismus, Danke, Ihnen allen, dafür.)
Fein!
„Zudem kann die Anschlussleistung von Transformatoren und Substations bei gleicher Baugröße verdoppelt werden,“
das ist der Hauptpunkt, ein 600kVA Trafo kostet inkl. Installation ca. 200.000€
dazu reden wir hier von Parks im MW Bereich da kommen Kilometerweise Kabel zusammen.
Ab 100m Kabelstrecke sind min 10² angesagt, die Kosten um die 1,50€/m, wogegen 6² bei 0,75€ liegen, durch die Spannungsverschiebung kann man den Queschnitt noch weiter absenken, das spart Hundertausende in großen Parks, langfristig ist das Ziel den Trafo ganz weglassen zu können, da kommen wir auf Millioneneinsparungen, abgesehen von den Resourceneinsparungen.Dagegen sind die Entwicklungs- und Komponentenkosten ein Witz.
auch die Sicherheitsabstände auf Mittelspannungsebene werden grösser, von Hoch- oder Höchstspannungsebene gar nicht zu sprechen …
Wenn eine ‚135kW‘ Photovoltaikanlage (im Vgl. zu MW-Windkraftanlagen, in Teillast-Einspeisung) dann wieder auf die Niedrigspannungsebene zurückspeist, verlagert man die Engpass-Problematik auf die Transformatorebene (dynamisch, jeweils oder ‚relativ‘), für evtl. eingesparte Meterkosten bei Kupfer-/Aluminiumdurchmessern (15% Anteil an verschiebbaren Netzlasten bei Stromverbrauchern, für dyn. Stromnetznutzung, variable Aluschmelzverfahren? in D.?)?
Vielleicht ab (generell gesehen, eher) 500kVA-1MVA?
Die Intransparenz der Stromverteilnetzbetreiber (aus techn. Sicht) ist dazu ein Hemmnis?
Danke für den Kommentar
Jedoch darf ich zu bedenken geben wir haben in Deutschland genaue Vorschriften die nicht von ungefär kommen. Wer 230 Volt und 1,2 KV in einen Topf schmeist hat keine Ahnung von Strom und Spannung und den Gefahren.
Desweiteren wer verlegt als Stringleitung 120 qmm
In einem String werden zwischen 10 ung 17 A erzeugt, finde den Fehler bei den Querschnitten.
Große Stringsammler im Feld sind seit langen kein stand der Technik mehr
Die großen Querschnitte werden nur vom WR zum NVP / Schaltanlage benutzt.
Zum Inovationsstandort Deutschland
Inovationen kommen immer von findigen Köpfen die auch mal ein Risiko gehen mit eigenem Geld und nicht geförderte Luftblasen.
Es wurden schon zahlreiche 2.000V basierte PV Projekte in China gebaut. Einsparungspotential sind bekannt. Die Modulhersteller aber müssen die BOM entsprechend anpassen.