Deutschland wird Ziel von zehn Gigawatt Elektrolyseleistung bis 2030 wohl verfehlen

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Mit der Neuauflage der Nationalen Wasserstoffstrategie hat die vormalige Bundesregierung 2023 das Ziel gesetzt, bis 2030 in Deutschland zehn Gigawatt an Elektrolyseleistung aufzubauen. Diese Marke wird wohl verfehlt werden, wie eine Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI) zeigt.

Aus der institutseigenen Projektdatenbank geht hervor, dass die installierte Leistung derzeit bei 181 Megawatt liegt. Im Bau oder bereits finanziert sind Anlagen mit zusammen 1,3 Gigawatt Leistung. Ende 2027 könnten daher bis zu 1,5 Gigawatt in Betrieb sein, so das EWI. Zählt man alle bis zum Jahr 2030 angekündigten Projekte zusammen, kommen die Experten auf eine Gesamtleistung von 8,7 Gigawatt – immerhin ein Wert nahe der Zielmarke.

Allerdings ist hier Vorsicht angebracht, weil sich viele Projektierer derzeit mit der Finanzierung schwertun. So seien mehr als 20 Projekte mit Inbetriebnahme 2026 angekündigt, doch 14 davon mit einer kumulierten Kapazität von mehr als einem Gigawatt haben bislang keine finale Finanzierungszusage bekommen oder die Projektierer haben noch keinen Baubeginn kommuniziert. Die EWI-Experten zweifeln daher, dass diese tatsächlich allesamt innerhalb eines Jahres fertig gestellt werden.

Hohe Kosten, geringe Zahlungsbereitschaft

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Anlagen, die im August 2024 für 2025 angekündigt wurden: Lediglich ein Drittel der Projekte wurden fristgerecht realisiert. Vorhaben mit fast drei Gigawatt Leistung sind in letzter Zeit aus der Datenbank herausgefallen, weil sie entweder abgesagt wurden oder weil die Projektierer zu lange keine neuen Informationen veröffentlicht haben.

„Neben der regulatorischen Komplexität und Unsicherheit führen auch hohe Investitions- und Betriebskosten in Verbindung mit einer relativ geringen Zahlungsbereitschaft der Verbraucher dazu, dass bislang nur so wenige Projekte den FID-Status (finale Investitionsentscheidung, d. Red.) erreicht haben“, sagt Ann-Kathrin Klaas, Head of Research Area am EWI. Sie hat die Analyse gemeinsam mit Carina Schmidt, Research Associate am EWI, erstellt. Außerdem bestehe grundsätzlich weiterhin das Henne-Ei-Problem, da Angebot, Nachfrage und die Infrastruktur simultan aufgebaut werden müssen. „Dies kann zu Koordinationsproblemen und zur Verzögerung einzelner Projekte führen“, so Klaas.

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