Die Treibhausgasemissionen sind 2025 in Deutschland nur um 9 Millionen auf 640 Millionen Tonnen CO2 gesunken. Ein Rückgang um 1,5 Prozent gegenüber 2024 und um 49 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990, wie Agora Energiewende am Mittwoch auf Basis aktueller Berechnungen in der Studie „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025“ veröffentlichte. Damit halte Deutschland zwar sein nationales Jahresemissionsziel ein, doch der Rückgang fiel nicht einmal halb so hoch aus wie noch im Vorjahr.
Deutschland verliert Tempo beim Klimaschutz, so die Einschätzung von Agora Energiewende. Dabei schlage sich vor allem der schleppende Umstieg im Gebäude- und Verkehrssektor nieder, obwohl der Absatz sowohl von Elektroautos als auch Wärmepumpen steigt. Die Emissionsminderung sei auf Produktionsrückgänge in der energieintensiven Industrie, die andauernde Nachfrageschwäche und die angespannte Lage an den Weltmärkten zurückzuführen. Aber auch auf die Rekorderzeugung der Photovoltaik-Anlagen, so Agora Energiewende weiter. Allerdings habe die Energiewirtschaft witterungsbedingt weniger Emissionseinsparungen erreicht als in den Jahren zuvor. 2025 war ein eher windarmes Jahr.
Die Emissionen bei Gebäuden stiegen aufgrund des kalten Jahresbeginns um 3,2 Prozent im Vergleich zu 2024 an. Dies lag am gestiegenen Öl- und Erdgasverbrauch zum Heizen. Ein etwas höherer Kraftstoffverbrauch habe zudem die Verkehrsemissionen um 2 Millionen Tonnen CO₂ beziehungsweise 1,4 Prozent gegenüber 2024 steigen lassen. Dies bedeutet, dass Deutschland erneut seine in der sogenannten Effort Sharing Regulation festgelegten europäischen Klimaschutzvorgaben um rund 30 Millionen Tonnen CO₂ verfehlt, so Agora Energiewende zu seinen Berechnungen. Das bedeutet, dass Deutschland sein EU-Emissionsbudget für Gebäude und Verkehr zu schnell verbraucht. Nach derzeitigen Entwicklungen müssten demnach bis 2030 zusätzliche Zertifikate in Höhe von bis zu 34 Milliarden Euro gekauft werden.
„Wind- und Solarenergie bleiben auch 2025 das Rückgrat der Energiewende in Deutschland. Allerdings kann der Stromsektor – bisher das Zugpferd der Emissionsminderung – die Versäumnisse beim Umstieg auf Klimatechnologien in Verkehr und Gebäuden nicht dauerhaft ausgleichen“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland.
Der Anteil Erneuerbarer am Bruttostromverbrauch 2025 stieg Agora Energiewende zufolge 2025 um rund einen Prozentpunkt auf 55,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der geringe Anstieg liegt auch daran, dass die Photovoltaik-Erzeugung die schwache Windstromerzeugung nicht deutlicher kompensieren konnte. Dabei lieferten die Photovoltaik-Anlagen 2025 erstmals mehr Strom als sowohl Steinkohle-, wie auch Braunkohle- und Gaskraftwerke und stiegen hinter der Windkraft zur zweitwichtigsten Stromquelle in Deutschland auf. Insgesamt sanken die Emissionen in der Energiewirtschaft um rund 3 Millionen Tonnen CO2.
Der Stromverbrauch blieb nach der Analyse von Agora Energiewende entgegen dem globalen Aufwärtstrend fast unverändert bei insgesamt 528 Terawattstunden. Dies ist eine Erhöhung um 0,8 Terawattstunden gegenüber 2024. Die Nettostromimporte – der Saldo aus Exporten und Importen – sanken im Vergleich um 7,5 Terawattstunden beziehungsweise 28 Prozent auf einen Anteil von 3,6 Prozent am Stromverbrauch. Nach Auswertung von Agora Energiewende wirkten die hohen Erneuerbaren-Anteile insgesamt dämpfend auf den Strompreis. Er lag im Jahresdurchschnitt mit 8,9 Cent pro Kilowattstunde zwar 1,0 Cent über dem Niveau von 2024. Dies liegt daran, dass vor allem zu Jahresbeginn hohe Gaspreise häufig den Preis setzten.
Mit Blick auf die anstehenden Novellierungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und des EEG erklärt Bläsius: „Bei den 2026 anstehenden Gesetzesreformen in den Bereichen Strom und Wärme kommt es darauf an, die Erfolge der Erneuerbaren in der Energiewirtschaft auszubauen und in den Nachfragesektoren an die positiven Entwicklungen des Jahres 2025 anzuknüpfen.“ So müsse es neben einer stärkeren marktlichen Finanzierung von Erneuerbaren-Anlagen weiterhin staatliche Absicherungen für Betreiber über das EEG geben.
Der Industriesektor verzeichnete 2025 den größten Emissionsrückgang. Die US-Zollpolitik, globale Überkapazitäten bei Grundstoffen wie Stahl- oder Chemiegütern und eine schwache Inlandsnachfrage hätten die energieintensive Produktion besonders stark getroffen, so Agora Energiewende. Sie sei von Januar bis November 2025 um 3,2 Prozent zurückgegangen, was zu einem sinkenden Treibhausgasausstoß im Industriesektor um 11 Millionen Tonnen CO₂ beziehungsweise 7,2 Prozent führte.
Insgesamt bleibt Deutschland mit den 2025 erzielten Minderungen unter der im Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmenge von 662 Millionen Tonnen CO₂. Allerdings reicht das aktuelle Tempo nicht aus, um das Klimaziel 2030 zu erreichen. Dazu müssten ab sofort jährlich durchschnittlich 36 Millionen Tonnen CO₂ eingesparen – also vier Mal so viel wie 2025.
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