Das Umweltbundesamt hat unter dem Titel „Photovoltaik auf dem Acker? Ein Positionspapier“ dargelegt, „wie sich mehr Solarenergie natur- und landwirtschaftsverträglich gewinnen lässt“. Ausgehend von dem im EEG definierten Ausbauziel von 400 Gigawatt Photovoltaik-Leitung bis 2040, die in etwa zur Hälfte auf Freiflächen installiert werden sollen, werden Berechnungen zum Flächenbedarf und einem möglichst schonenden Umgang mit landwirtschaftlich und ökologisch wertvollen Bereichen dargelegt.
Die Grundlage seiner Überlegungen formuliert das Amt in einer Mitteilung zum Positionspapier: „Um möglichst wenig Fläche in Anspruch zu nehmen, sind Photovoltaik-Anlagen auf Dächern die beste Lösung. Um die EEG-Ziele jedoch schnell genug erreichen zu können, sind PV-Anlagen auch auf Freiflächen unverzichtbar.“ Resultierend aus den im Positionspapier erfolgten Berechnungen und Abwägungen gibt das UBA fünf grundlegende Empfehlungen:
- Vorrang für Photovoltaik auf Dächern, versiegelten oder vorbelasteten Flächen
- Landwirtschaftliche Flächen nur bei Bedarf und nach ökonomischen und ökologischen Kriterien nutzen
- Strenge Umweltkriterien für alle Photovoltaik-Anlagen anwenden: Das UBA empfiehlt unter anderem, Freiflächenanlagen so zu errichten, dass sie zu einer ökologischen Aufwertung von Flächen führen. Module und Nebenanlagen sollten deshalb maximal 60 Prozent der Grundflächen überdecken, es sollte ein „biodiversitätsfreundliches Vegetationsmanagement“ erfolgen und die Durchgängigkeit für Tiere beispielsweise durch Wildtierkorridore gewährleistet sein). Das Anlegen „standortangepasster Biotopelemente“, zum Beispiel Blühstreifen auf mindestens 10 Prozent der Anlagenflächen ist ein weiteres Element, außerdem der völlige Ausschluss trockengelegter Moorböden mit Ausnahme von „Moor-PV“-Projekten, die eine Wiedervernässung der Moore voraussetzen.
- Agri-Photovoltaik als effiziente Doppelnutzung fördern
- Bioenergiepflanzenanbau zugunsten von Photovoltaik reduzieren: Das Positionspapier legt dar, dass konventionelle Freiflächenanlagen auf einem Hektar 28- bis 50-mal mehr Strom liefern als Mais oder andere Energiepflanzen. Auch Agri-PV-Systeme liefern demnach immer noch ein Vielfaches an Strom. „Angesichts dieser enormen Effizienzvorteile“ lautet die Empfehlung des UBA, „den Anbau von Biomasse konsequent zu reduzieren. Die freiwerdenden Flächen sollten für höherwertige Nutzungen eingesetzt werden – etwa für eine naturverträgliche Nahrungsmittelproduktion, gezielte Naturschutzmaßnahmen sowie zur Förderung von Ökosystemleistungen und der Klimarobustheit landwirtschaftlicher Böden.“
1 Prozent für Photovoltaik, 13 Prozent für Biomasse
Das Positionspapier enthält verschiedene Statistiken und Berechnungen zur Untermauerung der Empfehlungen. Ende letzten Jahres wurden Hochrechnungen zufolge bundesweit rund 45.000 Hektar durch Freiflächen-Photovoltaik beansprucht, davon 15.200 Hektar (34 Prozent) Ackerflächen und 12.200 (27 Prozent) Konversionsflächen sowie 2360 Hektar Grünland und 5090 Hektar Seitenrandstreifen von Verkehrswegen.

Grafik: Umweltbundesamt
Bis 2040 ist den vom UBA herangezogenen Berechnungen zufolge mit einer Inanspruchnahme von 150.000 bis 195.000 Hektar zurechnen – je nachdem, wie hoch der Anteil von weniger flächeneffizienten, aber auch schonenderen Mehrfachnutzungen wie insbesondere Agri-PV ausfällt. Würden für den Ausbau ausschließlich Agrarflächen in Anspruch genommen, wären circa 1 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands erforderlich. Das Positionspapier verweist auch auf weitere, enorme Flächenreserven: So seien nach UBA-Berechnungen allein auf privilegierten Randstreifen entlang von Autobahnen und bestimmten Schienenwegen – nach Abzug von Ausschlussgebieten – rund 930.000 Hektar verfügbar.
Dem gegenüber seien Ende 2024 rund 2,16 Millionen Hektar Fläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt worden, das entspricht 13 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands. Allein auf den Maisanbau zur Biogasproduktion seien 900.000 Hektar genutzt worden.
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Endlich nimmt das UBA einmal Stellung zum enormen Flächenanteil des verantwortungslosen Anbaus von Energiepflanzen. Ich hätte mir gewünscht, dass das UBA noch deutlicher die ökologischen Vorteile von Biodiversitäts-Photovoltaik herausgestellt hätte. Mit dieser Form der Stromerzeugung könnte in Deutschland und ganz Europa die Artenvielfalt unterstützt werden. Durch Korridore mit biodiversen PV-Anlagen können z.B. auch Verbindungen von isolierten Biotopen geschaffen und so
gegen die genetische Verarmung von Wildtierarten eine wirksame Maßnahme etabliert werden.
Noch ein interessanter Link zum Flächenbedarf der dominierenden Nutzungsarten in Deutschland. Mit der abgebildeten Deutschlandkarte bekommt der Leser einen genauen Eindruck vom tatsächlichen Flächenbedarf von ökologisch fragwürdigen Mais-Monokulturen für die Biogasproduktion.
Christian Victor hat den Flächenbedarf in Deutschland visualisiert. Seine Grafik zeigt, dass Tagebaue offenbar noch mehr Flächen belegen als Freiflächen-Photovoltaik und Windenergie zusammen.
Link=www.pv-magazine.de/2024/05/21/grafik-golfplaetze-verbrauchen-in-deutschland-mehr-flaeche-als-solarparks/
Wir müssen raus aus der Verbrennung von Öl Kohle und Gas .
Auch müssen wir weg von der Verbrennung von Raps , Weizen , Rüben und Mais .
In Deutschland nutzen wir 2,3 Millionen Hektar Anbaufläche für intensiven Energiepflanzen .
Ein Hektar benötigt jährlich ca. 3000 Kubikmert Wasser für das Wachstum das aus dem Wurzelhorizont gesogen wird .
Grundwasserneubildung findet entsprechend später oder garnicht statt .
Somit entspricht , das allein für den Deutschen Energiepflanzen Anbau , einen jährlich wiederkehrenden Wasserverbrauch in Höhe von ca . 6,9 Milliarden Kubikmetern Wasser .
Wäre schön , wenn das UBA diesen Aspekt mit berücksichtigt hätte .
Die Biosprit Zeiten neigen sich dem Ende .
Biogas aus Mais, Weizen , Rüben usw. sowie die anschließende Verstromung , hat teilweise noch eine Berechtigung , da sie etwas hoch und runter gefahren werden kann .
Der Vergärungsprozess läuft allerdings kontinuierlich und ist von dem her nicht wirklich für Dunkelfluten eine Lösung .
Aus diesen Gründen würde ich sagen :
Vorrang für Photovoltaik auf Freiflächen , die intensiv Landwirtschaftlich genutzt werden .
Endlich eine spannende Grafik die in der Diskussion um den Flächenverbrauch von Freiflächen PV eindrucksvoll zeigt, wieviel Fläche allein für Kraftstoff, der dann mit 30-35% Wirkungsgrad verbrannt wirf, in Anspruch genommen wird.
Das nimmt dem Argument der „guten Böden für unsere Lebensmittel“ den Wind aus den Segeln.
Dennoch bin ich der Meinung, dass vorrangig bereits versiegelte Flächen wie Dächer und Parkplätze genutzt werden sollten. Das steigert die Akzeptanz in der Bevölkerung und tote Flächen erfahren eine sinnvolle Zweitnutzung.
@Mirko, PV-Strom aus Dach-PV-Anlagen und ( regelmäßig wohl immer neu zu errichtenden Überdachungen auf…) Parkplätzen ist gut, wenn er für den Eigenverbrauch bisherigen Netzstrom subsituiert. (Dach-PV ca. 15ct vs. Netzstrom ca. 30ct.) So läßt sich ein Business-Case entwickel, da PV Strom günstier ist (Abschreibungen, etc.) als Netzstrom. Leider ist er dennoch so teuer herzustellen, dass die Netzeinspeisung (ca. 6-8 ct) sich überhaupt nicht lohnt und jeder, der das macht sein „Geld verbrennt“. Somit ist beides richtig – nur nicht immer in jeder Situation. Mir feht in (fast) jeder Diskussion diese Differenzierung. Ebenso habe ich noch KEINEN Business-Case gesehen, bei dem AGRI-PV irgendwann einmal wirtschaftlich wird. Gern Kontakt aufnehmen, wenn es solche Geschäftsmodelle geben sollte….
@Björn T.: Man kann es auch von der anderen Seite her betrachten: Um den Strompreis nicht explodieren zu lassen, brauchen wir viel günstig produzierten Strom. Der kommt nur von der Freifläche. On-Top-PV, ob sie jetzt auf Dächern oder als Agri-PV daherkommt, mag sich für das Individuum lohnen, für das Netz sind sie eine Belastung, weil die Netzkosten durch solche Anlagen kaum sinken, aber auf weniger verbrauchte kWh umgelegt werden müssen.
Das UBA hat die wirtschaftlichen Aspekte völlig ignoriert und als einziges Argument für Freiflächenanlagen die notwendige Ausbaugeschwindigkeit herangezogen. Die Vernachlässigung wirtschaftlicher Aspekte ist ein Fehler: Man muss immer überlegen, mit welchen Investitionen man am meisten erreicht. Bei der Bewertung, was „viel“ ist, gehen natürlich auch Aspekte des Naturschutzes ein. Und der beste Naturschutz ist immer noch der, der die Fossilwirtschaft so schnell wie möglich beendet.
Interessant hätte ich noch die Frage gefunden, ob sich ein Business-Case finden lässt, bei dem man Flächen im Sommer landwirtschaftlich nutzt (meinetwegen auch für Energiemais) und im Winter dann für PV. Das wäre zwar auch nicht billig, aber die Fläche effizient genutzt, der produzierte PV-Strom sehr hochwertig. Mit Fragestellungen dieser Art wäre das UBA aber wohl überfordert. Dort sitzen Botanisierer und Tierzähler.
Das ist keine gute Idee. PV erzeugt im Winter so gut wie keinen Strom. Bio Kraftstoffe können genau dann verwendet werden.
Sie sollten reduziert werden, wenn die Ernährung der Bevölkerung gefährdet ist.
Wer in PV investiert, wird in Zukunft nicht notwendig erwarten dürfen, dass der erzeugte Strom von Anderen auch gekauft wird. Da sollte sich niemand etwas vormachen.
Was ist das doppelte von „so gut wie keinen Strom?“ Richtig, auch fast so gut wie kein Strom.
Warum stelle ich diese Frage?
Mit Biomasse erzeugt Deutschland im Dezember doppelt so viel Strom wie mit PV. Wird die PV-Leistung verdoppelt, dann haben wir Gleichstand bei der Stromerzeugung im schlechtesten Monat das Jahres. Für diesen Gleichstand benötigen Freiflächen-PV nur circa 100.000 Hektar. Biomasse benötigt dagegen mehr als 2 Mio Hektar. Das ist das Zwanzigfache.
Deswegen ist es keine gute Idee, weitere PV-Flächen zu verhindern und weiter so stark auf Biomasse zu setzen. Auch im Winter wird die PV mittelfristig bald mehr Strom liefern als Biomasse.
Gunnar hat vollkommen recht,
Biogas ist super ineffizient, es macht m.M. nur Sinn, wenn wir sind das Jahr über einspeichern und in „Dunkelflauten“ verstromen
Die Fläche der Energiepflanzen reicht aus um nehr als das 1.6 fache unseren Primärenergiebedarfs zu decken…
Selbst im Dezember mit durchschnittlich 45min volllastminuten käme bei 2.2mio ha PV käme am Tag rund 3TWh rum, dreimal mehr als der aktuelle Strombedarf
Also eine frage des Geldes was uns die 20-30TWh biogas pro jahr kosten vs PV auf diese Fläche
Immerhin 25mrd€/a fuer die module…billiger als 60-70mrd fuer rohstoffimporte
@Hans Peter
Deine Rechnung ist sehr imposant. Man muss aber auch noch den ökologischen Schaden für die Artenvielfalt einrechnen, den die Agrarindustrie mit dem Biogas anrichtet. Wie Deine Rechnung nahelegt, wäre es deutlich besser und effizienter, wenn das Biogas weitestgehend zurückgedrängt und durch Biodiversitäts-PV ersetzt würde. Der Stromüberschuss im Sommer durch den massiven PV-Zubau kann in den Dunkelflauten wieder aus gespeichertem Wasserstoff oder Eisenpulver rückverstromt werden. Dazu braucht es keine neue Technik, höchstens eine kleine Anschub-Finanzierung. Geld dafür wäre genug da, man könnte es z.B. aus der Gießkanne der EU für die Agrarindustrie herausholen.
@Gunnar, @Hans Peter, @Bidiss gut geschrieben, so gar sehr gut und ich vermute, so wird es auch kommen. Dafür sorgt nicht nur der weitere technische Fortschritt bei Solarmodulen und den Speichertechnologien, sondern auch der Klimawandel. Biogasanlagen brauchen ihr täglich Brot und wenn witterungsbedingt die Ernteerträge sinken, dann stellt sich die Frage, wer das bezahlen soll…
Mehr Ideen genau dazu -also zur Situation Biogas – Biodiversitätssolar – auf meiner Website http://www.gemeinsameinfachmachen.de
Zum Positionspapier hätte ich noch ein paar kritische Gedanken. Das UBA glaubt ernsthaft, dass Agri-PV eine möglichst effiziente Flächennutzung darstellen würde. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Die Effizienz rein nach den Energieerträgen ist eindeutig: 1. Windrad 2. Solarmodul 3. Pflanzenbau. Jede Verwässerung von 2 durch Einbau von 3 führt zu einer Verschlechterung der Effizienz und sorgt auch noch für mehr Arbeitseinsatz, weniger Schutz des Bodens und weniger Erhöhung der Artenvielfalt, die ein Solarpark alleine ermöglicht. Die Darstellungen in Kapitel 2.2. dienen in meinen Augen nur zur Verwirrung und um eine scheinbare Sinnhaftigkeit von Agri-PV zu unterstützen. Zum Glück spiegeln sich die Vorteile dieser Anlagen gerade nicht in aktuellen Ausbauzahlen wider (erster Absatz auf Seite 10). 100 Anlagen im Vergleich zu ca. 20.000 herkömmlichen sprechen doch eine sonnenklare Sprache.
Auch wenn das UBA-Positionspapier gute Argumente für Biodiversitätsfördernde Solarparks bietet, enttäuscht die Behauptung, dass Agri-PV eine flächeneffiziente Nutzungsform wäre. Solange wir keine Nahrungsmittelprobleme haben und mehr als 2 Millionen Hektar für den Anbau von Energiepflanzen nutzen, gibt es keinen Grund, zwischen Solarmodulen produktive Landwirtschaft betreiben zu wollen.
Wenn auf den jetzigen Biogas Anbauflächen, Futter für unsere Nutztiere angebaut würde, könnten wir auch die Mais und Soja Importe aus Südamerika usw. reduzieren und den Regenwald schonen. Somit sehe ich die doppelte Nutzung der Flächen als mögliche Lösung mit an.
Auch wenn die Energiepflanzenflächen nicht ausreichen werden um das Futter komplett selbst zu erzeugen.
Somit wird Agri PV schon benötigt wenn wir nachhaltiger werden wollen.
@Stefan S: Wenn man aus ganz vielen guten Gründen möglichst bald aus der Massentierhaltung aussteigen würde, dann könnte man noch viel mehr Flächen für Biodiv-Solarparks (= extensive Öko-Agri-PV) verfügbar machen. Agri-PV nach Din-Spec (= intensive agrarische Nutzung im Solarpark) braucht man nun wirklich nicht, um Nutztiere zu füttern.