Steuerung von Flexibilitäten direkt aus dem Smart-Meter-Gateway ohne Steuerbox erfolgreich getestet

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Der Verteilnetzbetreiber Bayernwerk Netz und die Power Plus Communications AG (PPC) haben erfolgreich die Steuerung von Flexibilitäten direkt aus dem Smart-Meter-Gateway ohne Steuerbox getestet. Etwa 1100 Steuerungstests hätten sie in der Versuchsreihe im September und Oktober 2025 unternommen, wie der Verteilnetzbetreiber am Mittwoch veröffentlichte. Dabei seien die Steuerbefehle an Erzeugungs-, Speicher und Verbrauchsanlagen direkt über das Smart-Meter-Gateway erteilt worden. Die Erfolgsquote bei der Übermittlung habe bei 99,63 Prozent gelegen.

Mit Blick auf die steigende Zahl an Photovoltaik-Anlagen, Wallboxen und Batteriespeichern, die als Flexibilitäten in Privathaushalten installiert werden, sei dies ein wichtiger Schritt, um das Potenzial schneller zu heben. Allein im Netzgebiet des Bayernwerks habe sich die Zahl der installierten Smart Meter von rund 126.000 im Vorjahr auf etwa 220.000 in diesem Jahr erhöht. Bislang sei für die Steuerung der Flexibilitäten eine Steuerbox vorgesehen, die zwischen die Anlagen und den Smart Meter geschaltet wird. Mit ihrer Versuchsreihe haben Bayernwerk und PPC nun jedoch ein Verfahren entwickelt, das auch ohne eine physische Steuerbox auskommt, wie es weiter hieß.

Dabei ist die Idee nicht neu. Nach eigenen Angaben verfolgt Bayernwerk das Vorhaben, die Steuerungslogik der Steuerbox direkt in das Smart-Meter-Gateway zu integrieren bereits seit 2019. Der Ansatz sei im Forschungsprojekt „BGL“ vorangetrieben worden. Schließlich habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Ende 2024 mit der Veröffentlichung des neuen Schutzprofils PP-0073 Version 2.0 offiziell gestattet, Steuerbefehle im Smart-Meter-Gateway entgegenzunehmen und lokal weiterzuleiten. Als Kommunikationsstandard wird dabei EEBus genutzt. Auf dieser Grundlage erfolgten nun auch die Versuche von Bayernwerk und PPC. Anfang kommenden Jahres wird nun die Zertifizierung des dafür nötigen Softwarestacks bei den Smart-Meter-Gateway-Herstellern beginnen, sodass die Funktionalität ab Mitte 2026 breitflächig genutzt werden kann, wie das Bayernwerk weiter mitteilte. Nach der Zertifizierung sei dann nur ein Software-Update für die bereits verbauten Smart Meter notwendig, um die neue, digitale Steuerlogik anwenden zu können.

„Mit der erfolgreichen Testreihe haben wir die Grundlagen für eine Standardisierung geschaffen, die das Messen und Steuern zusammen denkt“, sagte Joachim Kabs, Geschäftsführer der Bayernwerk Netz GmbH. „Weniger Hardware und Schnittstellen reduzieren die Komplexität der Systeme in den Haushalten. Dadurch machen wir die Energiewende im Kleinen einfacher, sicherer und effizienter, ebnen den Weg für den Kunden und beschleunigen die Umsetzung als Ganzes.“

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