Eon plant eine radikale Umstrukturierung. Photovoltaik bleibt bei der bisherigen Gesellschaft.
Foto: Wikimedia/Wiki05

Eon wagt den Schritt in die neue Energiewelt

01. Dezember 2014 | Topnews, Politik und Gesellschaft, Hintergrund

Eon spaltet sich auf. Das eine Unternehmen, die neue Eon, richtet sich ganz auf die Energiewende aus, unter anderem indem es den Photovoltaikausbau unterstützt. Das andere Unternehmen mit neuem Namen wird die Kraftwerke, den globalen Handel und die Rohstoffförderung übernehmen. Mit diesem sehr konsequenten Schritt geht das Unternehmen anderen voran.

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Eon spaltet sich auf. Der eine Unternehmensteil, der weiterhin als Eon firmieren wird, konzentriert sich auf erneuerbare Energien, Netze und Kundenlösung. Der andere Unternehmensteil übernimmt Förderung, Stromerzeugung und globalen Energiehandel. Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen begründet diesen Schritt auf der Pressekonferenz heute Vormittag damit, dass sich die alte und die neue Energiewelt fundamental unterscheiden. Durch die Neuaufstellung würden beide Unternehmen für Investoren attraktiv, allerdings für unterschiedliche. Jedes Unternehmen solle in seinem Bereich „Klassenbester“ werden.

In der bisherigen Energiewelt sei das Geschäft gut strukturiert gewesen. Es sei von großen Produktionsanlagen her gedacht, gebaut und gesteuert gewesen. „Die Technologien sind ausgereift und bewährt“, sagt Teyssen. „Diese Welt gibt es weiterhin und bleibt auf Dekaden unverzichtbar.“ Es seien im übrigen keine weiteren Kraftwerksstilllegungen geplant. Allerdings könne das Unternehmen eventuell Partner finden, „mit denen ein gemeinsamer Weg gegangen werden kann“.

Teyssen entdeckt die neue Energiewelt
Interessant ist, dass Teyssen die neue Energiewelt, von der er explizit spricht, in der Presskonferenz ähnlich beschrieb, wie es sonst vor allem von Seiten der Erneuerbaren der Fall war. Die erneuerbaren Energien hätten sich „nebenher“ entwickelt. Jetzt flössen in keine andere Energieart so viel Investitionen. Die Kosten für Onshore Windkraft sei unter den Kosten für konventionelle Stromerzeugung gesunken. „Weitere können das auch erreichen“. Photovoltaik Eigenverbrauch erlaube Kunden, unabhängiger zu werden. Kunden wollten saubere Energie. Der „Trend der Vernetzung von allen und jedem“ ginge auch am Energiesektor nicht vorbei. Die Rolle der Verteilnetze ändere sich, sie werden intelligenter und gewönnen als Energiedrehscheibe eine zentrale Bedeutung. Dabei sei, was man heute sieht, erst der Anfang.  „Diese neue kundenorientierte Energiewelt unterscheidet sich grundlegend von systemorientierten Energiewelt“, sagt Teyssen.


Diese Bestandteile wird die "neue Eon" haben. Nach einer Statistik des Handelsblatts liegt der Anteil der erneuerbaren Energien bei Eon heute bei 11 Prozent. Chart: Eon

Das Geschäft der neuen Energiewelt, das die neue Eon übernimmt, unterscheide sich von dem der alten Energiewelt „hinsichtlich Wachstum, Risiko, Innovationstempo und Cashflow-Profil“ erheblich. Daher würden die zwei börsennotierten Unternehmen für unterschiedliche Investorengruppen interessant sein. Eon arbeitet bereits heute mit europäischen und amerikanischen Start-ups zusammen und hat sich vor der Umstrukturierung weltweit umgesehen, unter anderem bei Google, um den besten Weg zu finden. Die neue Strategie gehe im übrigen nicht auf externe Berater zurück, sondern sei von Eon selbst entwickelt worden. Wenn sich Geschäftsmodelle grundlegend ändern, ist es übrigens eine durchaus übliche Strategie, Unternehmensteile, die alte Geschäftsmodelle betreiben, und solche, die sehr innovativ sein müssen, auf die ein oder andere Weise voneinander zu trennen.

Wie dramatisch der Strategeiwechsel von Eon ist zeigt sich allein dadurch, wenn wenn man sich vor Augen führt, dass Teyssen vor einem Jahr in einem FAZ-Interview noch mit „Schwarzbrennerei“ verglichen hat. Heute kommentiert Teyssen die Energiewende damit, sie wäre zwar effizienter gegangen. Der nächste Teil werde vermutlich auch geschickter sein. „Damit rechne ich“, sagt er. Es werde aber nicht zurück zur alten Welt gehen.


So stellt sich Eon die zukünftige Entwirklung vor. Chart: Eon

Auf der Diskussion im Anschluss an die Statements des Vorstands ging es naturgemäß auch um die Frage, wie die beiden neuen Unternehmen ausgestattet sein werden. Die Verbindlichkeiten (Eon hat über 30 Milliarden Euro Schulden), verbleiben bei der neuen Eon (das ist die Gesellschaft, die die erneuerbaren Energien beinhaltet). Die Rückstellungen für die Entsorgung der Atomkraftwerke in Höhe von 14,5 Milliarden Euro gehen an die „neue Gesellschaft“ (das ist die für die konventionellen Kraftwerke).


Bad Bank für unnötige Kraftwerke?
Die Frage, ob das neue Unternehmen eine Art „Bad Bank“ ist, wurde auf der Pressekonferenz nicht thematisiert. Das Handelsblatt zitiert heute die Analysten von Bernstein Research damit, dass diese beim neuen Unternehmen von einer Art „Bad Bank“ sprechen würden. Die konventionellen Kraftwerke in Deutschland leiden darunter, dass durch die Energiewende die Börsenpreise stark gesunden sind und es große Überkapazitäten gibt. Auch das Russland-Geschäft der derzeitigen Eon und das Verluste schreibende Geschäft in Brasilien gehören zur neuen Gesellschaft. Der Vorstand sieht jedoch auch die Perspektiven der neuen Gesellschaft positiv. Deren Investoren profitierten von Cashflows aus dem bestehenden Geschäftsportfolio in Europa und Russland und zusätzlich von Chancen aus der erwarteten Neuordnung der europäischen Erzeugungsmärkte. Es sei im übrigen nicht klar, welche der beiden Gesellschaften in fünf Jahren die erfolgreichere sein werde.


Eon hat in Europa nach eigenen Aussagen die größten Gasspeicherkapazität. Diese geht auch in die "neue Gesellschaft" über. Auch Wasserkraft wird Teil dieses Unternehmens sein. Chart: Eon

Die neue Eon, die erneuerbare Energien mit beinhalten wird, wird rund 40.000 Mitarbeiter übernehmen und hätte 2013 rund 5 Milliarden zum Gewinn (Ebitda) beigetragen. Die „neue Gesellschaft“, die die konventionellen Kraftwerke, aber auch Wasserkraft und Gasspeicher übernehmen wird, wird rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigen und hätte 2013 rund 4 Milliarden zum Gewinn beigetragen. In 2014 erwartet Eon nach wie vor einen Gewinn von 8,0 bis 8,6 Milliarden Euro.

Die Neuaufstellung, also Abtrennung der neuen Gesellschaft, soll bis 2016 umgesetzt sein. Eon wird zunächst eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Gesellschaft behalten, die dann aber auch sukzessive veräußert werden könne. (Michael Fuhs)


Kurz vor Beginn der Eon Pressekonferenz am 1.12.2014 anlässlich der Aufspaltung des Konzerns. Johannes Teyssen ist Vorstandsvorsitzender, Klaus Schäfer ist Finanzvorstand, Mike Winkel ist Vorstand für Personal und Erzeugung.

Zur Eon Pressemitteilung

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