Braunkohleabbau von RWE im Tagebau Garzweiler

RWE verdient mit seinen Kohlekraftwerken in Deutschland weiterhin gutes Geld.
Foto: RWE

Die Schuldenmär von RWE

06. März 2014 | Märkte und Trends, Topnews, Hintergrund

Der Essener Energiekonzern macht die deutsche Energiewende für seine Milliardenverluste im abgelaufenen Geschäftsjahr verantwortlich. Das IWR hat sich die Zahlen jedoch genauer angeschaut und zeigt auf, dass es vor allem Abschreibungen auf Kraftwerke im Ausland sind, die für RWEs Nettoverlust verantwortlich sind.

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RWE musste in dieser Woche den ersten Nettoverlust seit mehr als 60 Jahren verkünden. 2,8 Milliarden Euro Miese standen bei dem Essener Konzern im vergangenen Jahr zu Buche. Dafür macht RWE mit Vorliebe die deutsche Energiewende – also den Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse verantwortlich. Das Internationale Wirtschaftforum Regenerative Energien (IWR) hat sich die Bilanz allerdings genau angeschaut und kam zu einem ganz erstaunlichen Ergebnis. Der hohe Nettoverlust bei RWE resultiert auf Fehlinvestitionen und Abschreibungen auf ausländische Kraftwerke, wie eine Konzernsprecherin auch dem IWR bestätigte.

RWE konnte immerhin vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro erzielen, zwar ein leicher Rückgang gegenüber 2012, aber eben ein Plus. Das EBIT-Ergebis gibt es der Energiekonzern mit 5,9 Milliarden Euro an. Doch dass es unter dem Strich dann doch zu einem Nettoverlust kam, liegt an den hohen Wertberichtigungen für die Kraftwerke. RWE beziffert diese IWR zufolge mit 4,8 Milliarden Euro, wobei es hauptsächlich den Kraftwerkspark außerhalb Deutschlands betroffen habe. Bereits Mitte des vergangenen Jahres habe RWE Wertberichtigungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vorgenommen, die dann zum Jahresanfang nochmals um 3,3 Milliarden Euro erhöht worden seien.

Der IWR widerlegt dabei auch die Mär, dass Kohlekraftwerke wegen der Energiewende in Deutschland immer seltener am Netz seien. Die Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) belegten das Gegenteil. Gerade Braun- und Steinkohlekraftwerke liefen in Deutschland 2013 soviel wie lange nicht. 162 Milliarden Kilowattstunden Strom seien aus Braunkohle produziert worden – der höchste Wert seit 1990. Auch die BDEW-Auslastungszahlen für die Kraftwerke zeigten, dass Kohlekraftwerke in den vergangenen Jahren länger liefen und wieder auf eine steigende Zahl von Volllaststunden kämen.

Wenn RWE also weiterhin behauptet, die deutsche Energiewende sei Schuld an seinen schlechten Geschäftsergebnissen, dann ist dies nicht haltbar. Dennoch wird sich der Vorstand des Energiekonzerns wohl weiter auf diese Argumentation stützen. Es ist auch viel einfacher Photovoltaik, Windkraft und Biomasse die Schuld in die Schuhe zu schieben, als eigene Fehlinvestitionen einzuräumen. (Sandra Enkhardt)

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JC W aus Alling

Freitag, 07.03.2014 10:21

Ohne die großen Energieerzeuger und die Fehler, die sie gemacht haben, jetzt verteidigen zu wollen, aber ich kann den Widerspruch zu den Behauptungen von RWE nicht erkennen. Von der verringerten Stromproduktion [...]

Manfred Millmann aus Erbach/Odw

Freitag, 07.03.2014 07:07

Es geht bei dem Gejammere einzig darum, die Bürgermeister und Landräte davon zu überzeugen, dass Holzgas-BHKW und andere nicht Biomasse-Verstromung nichts zu suchen haben, zumal die Genannten als Aufsichts- [...]

Joe Fiedler aus würzburg

Donnerstag, 06.03.2014 23:34

Der IWR beachtet nicht, dass der kostenlose EE Strom aus Deutschland nach "außen drückt" und insbesondere in kleinen Netzgebieten, wie insbesondere den Niederlanden, den Erzeugungsmarkt überschwemmt. [...]

Gülercan Köksoy aus Nürnberg

Donnerstag, 06.03.2014 13:56

Bin einfach nur fassungslos ob so viel unverschämter Verlogenheit seitens RWE...

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Kommentare 1 - 4 von 4

JC W aus Alling

Freitag, 07.03.2014 10:21

Ohne die großen Energieerzeuger und die Fehler, die sie gemacht haben, jetzt verteidigen zu wollen, aber ich kann den Widerspruch zu den Behauptungen von RWE nicht erkennen. Von der verringerten Stromproduktion hat RWE ja allenfalls vereinfachend geredet: Das Hauptproblem für RWE sind die wegen des Einspeisevorrangs der Erneuerbaren gesunkenen Erlöse aus den bestehenden Kraftwerken und damit deren geringerer Ertragswert. Ob jetzt Kraftwerke im Inland oder im Ausland abgeschrieben werden ist auch eher zweitrangig, weil Deutschland einen Teil seines Problems mit Stromüberschüssen aus den Erneuerbaren über das Verbundnetz auf das Ausland abwälzt. Nachbarländer wie Polen haben ja schon angedroht, die Abnahme des Überschussstroms aus Deutschland zu unterbinden.
Die Frage für die Zukunft muss also lauten, wieviele Reservekapazitäten die ehemals großen Energieerzeuger bereithalten müssen, und wer dafür bezahlt. Die Stromverbraucher, denen ihre Versorgungssicherheit sehr wichtig ist, oder die Kraftwerksbesitzer, d. h. deren Aktionäre. Im Falle von RWE sind dies zu einem nicht unerheblichen Teil Kommunen in NRW, die mit den Erträgen aus ihrem Investment öffentliche Aufgaben finanzieren wollten. So Leute wie Großmann haben mit ihrem arroganten aber dabei ignoranten Gehabe einen erheblichen Ärger provoziert. Wir sollten aber nicht übersehen, dass die großen Energieerzeuger immer noch eine wichtige Funktion zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit haben, und ich kann nicht erkennen, dass sich das so bald ändern wird.

Manfred Millmann aus Erbach/Odw

Freitag, 07.03.2014 07:07

Es geht bei dem Gejammere einzig darum, die Bürgermeister und Landräte davon zu überzeugen, dass Holzgas-BHKW und andere nicht Biomasse-Verstromung nichts zu suchen haben, zumal die Genannten als Aufsichts- oder Verwaltungsräte nicht gerade bescheiden alimentiert werden. Einzig, um die Interessen vor Ort zu vertreten.

Joe Fiedler aus würzburg

Donnerstag, 06.03.2014 23:34

Der IWR beachtet nicht, dass der kostenlose EE Strom aus Deutschland nach "außen drückt" und insbesondere in kleinen Netzgebieten, wie insbesondere den Niederlanden, den Erzeugungsmarkt überschwemmt. Von widerlegen kann da leider nicht die Rede sein.

Gülercan Köksoy aus Nürnberg

Donnerstag, 06.03.2014 13:56

Bin einfach nur fassungslos ob so viel unverschämter Verlogenheit seitens RWE...

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