Auszahlungen an die Anlagenbetreiber sind die Originalzahlen des EEG-Kontos und Entwicklung der EEG-Umlage

Die Zahlen der Auszahlungen an die Anlagenbetreiber sind die Originalzahlen des EEG-Kontos. Sie enthalten die umlagefinanzierten EEG-Vergütungssummen für alle Energieträger, inkl. Marktprämie, Managementprämie als auch Flexibilitätsprämie für Biomasseanlagen.*
Grafik: Tina Ternus/Eva Stegen

BSW-Solar verschläft Aufheben des EEG-Paradoxons

14. März 2014 | Hintergrund, Topnews, Meinung

Ein Kommentar von Tina Ternus, Energiebloggerin und Mitbegründerin des photovoltaikbüros, zur aktuellen politischen Diskussion über den Referentenentwurf zur EEG-Reform und wahren Hintergründe des Anstiegs der EEG-Umlage.

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Wie seit Jahr und Tag scheint der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) immer noch nicht den Kern dessen erfasst zu haben, was der eigentliche Hauptkostentreiber der EEG-Umlage seit 2010 ist und wofür der Photovoltaik bislang immer der Sündenbock-Stempel aufgedrückt wurde. Das eigentliche Problem ist der Umlagemechanismus, bei dem der Spotmarkt als Basis zur Berechnung der EEG-Umlage herangezogen und die Erneuerbaren komplett und in überproportionalem Maß vermarktet werden müssen. Dabei sind erneuerbare Energien – da sie keine Brennstoffkosten und keine CO2-Kosten haben - an diesem System der konventionellen Energiewirtschaft von vorne herein wertlos.

Auch bei der EEG-Umlage 2014 war der sinkende Börsenpreis mit Abstand der größte Kostentreiber und mitnichten vermeintlich überhöhte Vergütungsauszahlungen an Anlagenbetreiber. Nach einer Studie des Öko-Instituts machte der sinkende Börsenpreis, bzw. das seit 2010 künstlich herbeigeführte EEG-Paradoxon 37 Prozent der Umlagensteigerung aus (S.13).

Wie stark der 2009 beschlossene Umlagemechanismus die Entwicklung der EEG-Umlage von der Entwicklung der eigentlichen Förderkosten entkoppelt hat, zeigt die Grafik.

Warum lese ich bei den Forderungen des BSW nicht klar und deutlich als Erstes: Änderung des Wälzungsmechanismus, Beenden des EEG-Paradoxons? So wie von Eicke Weber, Josef Göppel, Ullrich Kelber, Hans-Josef Fell, IZES, sfv, WVW, BEE, Claudia Kemfert, Eurosolar, Bund der Energieverbraucher u.a. klar benannt und gefordert.

Warum verschläft ausgerechnet die Interessensvertretung der Solarbranche diesen entscheidenden Punkt? Die Interessensvertretung einer Branche, die bereits mehr als 50.000 Arbeitsplätze durch die Solarausstiegspolitik der letzten Jahre verloren hat?

Stattdessen lese ich von einem vorsichtigem, absehbarem Entgegenkommen beim Eigenverbrauch: „Solarer Eigenverbrauch sollte von Abgaben und Umlagen zumindest solange befreit bleiben...“

Wer zu spät kommt, bestraft das Leben oder das Insolvenzverfahren!

Schade. Chance gehabt. Chance vertan.

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Grafik zum Download

Zur weiteren Erklärung der Grafik:

*Der Sprung ab 2009 ist deutlich.

2009 gab es noch den alten Wälzungsmechanismus
http://www.netztransparenz.de/de/file/2009_EEG-Jahresabrechnung.pdf

ab EEG-Umlage 2010 wurde der neue Wälzungsmechanismus durchgeführt
http://www.netztransparenz.de/de/file/2010_EEG-Jahresabrechnung.pdf

die EEG-Umlage ist von 2009 zu 2010 um 70 Prozent gestiegen und von 2010 zu 2011 nochmals um etwas mehr als 70 Prozent und auch die darauffolgenden Jahre kräftig – trotz weitgehender Stagnation der Auszahlungen an die Anlagenbetreiber.

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Rainer Brohm aus Berlin | http://www.solarwirtschaft.de

Mittwoch, 19.03.2014 14:40

Hallo Herr Woderschek, machen Sie unseren Einsatz für ein neues Energiemarktdesign nicht daran fest, ob das Thema nun in dieser einen Stellungnahme zum EEG steht oder nicht. Wir haben im Rahmen der [...]

Peter Woderschek aus Kottgeisering

Montag, 17.03.2014 16:28

Hallo, in der Stellungnahme des BSW fehlt das Thema Wälzmechanismus komplett! Ich habe noch mals nachgelesen und nichts gefunden. Das mitfinanzieren einer Studie ist löblich und ehrenwert, jedoch [...]

Tina Ternus aus Rüsselsheim

Montag, 17.03.2014 12:06

Hallo Herr Brohm, das freut mich außerordentlich, zu lesen, dass der BSW an diesem wichtigen Thema seit langem dran ist :-). Die Info kam bei mir bislang nicht an, wenngleich ich den IZES Vorschlag der [...]

Rainer Brohm aus Berlin | http://www.solarwirtschaft.de

Montag, 17.03.2014 10:35

...und übrigens, seien sie auch versichert, dass der BSW-Solar sich vehement für eine Befreiung von Eigenverbrauch und Nahstromversorgung von der EEG-Umlage einsetzt, daran sollte hoffentlich kein Zweifel [...]

Rainer Brohm aus Berlin | http://www.solarwirtschaft.de

Montag, 17.03.2014 10:21

Hallo Frau Ternus, der BSW-Solar hat dieses Thema keineswegs verschlafen sondern arbeitet seit langem sehr intensiv daran, die Umstellung des Wälzungsmechanismus durchzusetzen. Wir haben dazu u.a. die [...]

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Kommentare 1 - 7 von 7

Rainer Brohm aus Berlin | http://www.solarwirtschaft.de

Mittwoch, 19.03.2014 14:40

Hallo Herr Woderschek,

machen Sie unseren Einsatz für ein neues Energiemarktdesign nicht daran fest, ob das Thema nun in dieser einen Stellungnahme zum EEG steht oder nicht. Wir haben im Rahmen der gemeinsamen Arbeit der EE-Verbände auch eine gewisse Rollenteilung, unsere Plattform für diese grundsätzlichen und übergreifenden EEG-Themen ist der BEE, hier sind wir als BSW (neben dem BWE) größter Träger und Finanzierer sehr gut vertreten und arbeiten eng mit den Kollegen dort zusammen... U.a. haben wir die Plattform Systemtransformation im BEE mit begründet, die inzwischen einige wichtige Studien und Konzepte erarbeitet hat, die auch einiges an Aufmerksamkeit im politischen Umfeld bekommen haben. Wir haben in den letzten Monaten das Thema Wälzungsmechnismus sehr regelmäßig in unseren politischen Gesprächen adressiert und werden das auch weiterhin tun. Lassen Sie uns gemeinsam hoffen, dass sich die Vernunft im neuen Ministerium durchsetzt und solche elementaren Reformschritte angegangen werden!

Peter Woderschek aus Kottgeisering

Montag, 17.03.2014 16:28

Hallo,

in der Stellungnahme des BSW fehlt das Thema Wälzmechanismus komplett! Ich habe noch mals nachgelesen und nichts gefunden.

Das mitfinanzieren einer Studie ist löblich und ehrenwert, jedoch ist das nicht genug.

Herr Brohm schreibt:
-------- Quote -------
" Leider gibt es gegen dieses Vorhaben viele natürlich auch interessengeleitete Widerstände, nicht zuletzt von alle den Profiteuren des heutigen Systems, in dem die EEG-Strommengen an der Börse verklappt werden. Haben Sie also keine Sorge, dass die Branche und der Branchenverband hier nicht aktiv ist, wir arbeiten daran!"
-------- unquote -------

Wo sonst, wenn nicht im Vorfeld eines so wichtigen Gesetzes sollte das Thema "Wälzmechanismus" aktiv vom BSW angesprochen werden? Will man denn den anderen Lobbygruppen nicht wiedersprechen? Viele Menschen haben schon begriffen, dass die sinkenden Börsenpreise die EEG Umlage weiter erhöhen, nur in der Politik und Energiewirtschaft will man das nicht hören und ändern. Da ist der BSW schon gefragt, bei der Stellungnahme klare Forderungen auch zu diesem Thema zu stellen.

Trotzdem vielen Dank für Eure Arbeit.


Tina Ternus aus Rüsselsheim

Montag, 17.03.2014 12:06

Hallo Herr Brohm, das freut mich außerordentlich, zu lesen, dass der BSW an diesem wichtigen Thema seit langem dran ist :-). Die Info kam bei mir bislang nicht an, wenngleich ich den IZES Vorschlag der Echtzeitwälzung kenne. Dann nehme ich das "seit Jahr und Tag" natürlich auch wieder zurück. Sorry.

Der Stellungnahme zum Referentenentwurf konnte ich ihre Forderung nach einem anderen Wälzungsmechanismus leider nicht entnehmen und hatte es vermisst. Eine Grafik wie oben zu sehen, jährlich aktualisiert zur Veröffentlichung der EEG-Umlage, wäre in den letzten Jahren bestimmt hilfreich gewesen, um der Sündenbock-Debatte etwas Wind aus den Segeln nehmen zu können. Auch ohne die näheren Hintergründe zur AusglMechV zu verstehen, sieht jeder anhand der Grafik, dass hier ab 2009 was ganz Entscheidendes passiert sein muss - zu Lasten des Verbrauchers und unabhängig von den EEG-Auszahlungen an die Betreiber.

So mancher Installateur hätte diese Grafik in dem alltäglichen Kampf gegen die stets gleich lautenden Schlagzeilen gut gebrauchen können. Vielleicht konnte ich ja eine kleine Anregung geben?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei ihrer Arbeit! Dass Sie hier mit unendlich vielen interessengeleiteten Widerständen zu kämpfen haben, glaube ich Ihnen sofort ...
http://energieblogger.net/Transparenz.asp

Schwere Geburt. Gutes Gelingen und alles Gute für Sie!

Rainer Brohm aus Berlin | http://www.solarwirtschaft.de

Montag, 17.03.2014 10:35

...und übrigens, seien sie auch versichert, dass der BSW-Solar sich vehement für eine Befreiung von Eigenverbrauch und Nahstromversorgung von der EEG-Umlage einsetzt, daran sollte hoffentlich kein Zweifel bestehen...

http://www.solarwirtschaft.de/presse-mediathek/pressemeldungen/pressemeldungen-im-det[..]

Rainer Brohm aus Berlin | http://www.solarwirtschaft.de

Montag, 17.03.2014 10:21

Hallo Frau Ternus, der BSW-Solar hat dieses Thema keineswegs verschlafen sondern arbeitet seit langem sehr intensiv daran, die Umstellung des Wälzungsmechanismus durchzusetzen. Wir haben dazu u.a. die Studie mitfinanziert, die aufzeigt, wie dies gelingen kann (Prof. Leprich, IZES). Wir arbeiten zu diesem Thema sehr eng v.a. mit dem BEE aber auch mit vielen anderen Verbänden zusammen, um die Schlagkraft der Branche und dieses Vorstoßes zu erhöhen. Leider gibt es gegen dieses Vorhaben viele natürlich auch interessengeleitete Widerstände, nicht zuletzt von alle den Profiteuren des heutigen Systems, in dem die EEG-Strommengen an der Börse verklappt werden. Haben Sie also keine Sorge, dass die Branche und der Branchenverband hier nicht aktiv ist, wir arbeiten daran!

Rüdiger Mühlhausen aus Otterfing | http://www.muehlhausen-marketing.de

Montag, 17.03.2014 10:03

Der Beitrag bringt es auf den Punkt! Wenn die Branche irgendwann die Themen für die Diskussionen wieder setzen will, statt immer den Themen anderer hinterher zu hetzen, muss sie langsam aufwachen. Es gibt soviele kluge Köpfe in diesem Bereich. Mir kommt es aber vor, dass die alle als Einzelkämpfer fungieren (müssen), da es der BSW nicht schafft, Themen zu setzen und zu koordinieren.

Hans Diehl aus Rüsselsheim

Freitag, 14.03.2014 21:25


So sieht das in der Praxis aus.

http://www.iwr.de/news.php?id=20809

Münster – Während die Verbraucher immer höhere Strompreise zahlen sollen, sinken die Preise für Börsenstrom deutlich. Vor allem die Händler der Energieversorger profitieren von den niedrigen Einkaufspreisen an der Strombörse, können sie doch den Strom anschließend mit Gewinn weiter verkaufen. Auch die Industrie, die den Strom über die Börse kauft, profitiert von der Entwicklung. Ursache für die sinkenden Strompreise an der Börse ist ausgerechnet der steigende Anteil erneuerbarer Energien. Der Strom aus Wind- und Solarenergie erhöht das Angebot und lässt die Preise purzeln. Die niedrigen Verkaufserlöse für den Ökostrom aber führen dazu, dass die EEG-Umlagekosten und damit die Strompreise für die Haushalte bzw. den Verbraucher steigen. Die gesunkenen Börsen-Strompreise kommen dagegen beim Stromverbraucher nicht an.

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