Mit dem Start des Forschungsprojekts RANGeR (Empowering Resilient Cross-Border Net-Zero Grid) am 1. März 2026 bündeln das OFFIS – Institut für Informatik und die schottische University of Strathclyde ihre Expertise, um die Ausfallsicherheit internationaler Energienetze auf ein neues Level zu heben.
Am 28. April 2025 brach innerhalb von Sekunden das Stromnetz der Iberischen Halbinsel zusammen. Spanien verlor innerhalb von fünf Sekunden rund 15 Gigawatt Leistung — 60 Prozent der nationalen Nachfrage — ein Kaskadenversagen, das Millionen Menschen stundenlang ohne Strom ließ. Zu den Mitursachen zählten schwache Leitungsverbindungen zur übrigen europäischen Infrastruktur. Wie lässt sich ein Stromnetz vor solchen großflächigen Ausfällen schützen? Mit dem Start des Forschungsprojekts RANGeR (Empowering Resilient Cross-Border Net-Zero Grid) am 1. März 2026 bündeln das OFFIS – Institut für Informatik und die schottische University of Strathclyde ihre Expertise, um die Ausfallsicherheit internationaler Energienetze auf ein neues Level zu heben. Die Zusammenarbeit beider Häuser ist keine neue. OFFIS und die University of Strathclyde arbeiten seit 2013 zusammen, unter anderem in den europäischen Verbundprojekten ERIGrid 1 und ERIGrid 2.
Der Lösungsansatz: Autonome Agenten statt starrer Hierarchien
Heutige Schutzsysteme für Stromnetze arbeiten mit festen Regeln und statischen Schwellenwerten. Sie können nicht in Echtzeit auf veränderte Netzzustände oder gestörte Kommunikationswege reagieren. RANGeR verfolgt daher einen anderen Ansatz. Sogenannte Multi-Agenten-Systeme (MAS) — dezentrale, koordiniert agierende Softwareagenten — sollen Schutzmaßnahmen dynamisch anpassen, ohne auf eine zentrale Instanz angewiesen zu sein. Fällt die Kommunikation zwischen Netzkomponenten aus, trifft jeder Agent eigenständig Entscheidungen und koordiniert sich mit den anderen.
Als Demonstrationsszenario dient eine fiktive HVDC-Hochspannungsverbindung zwischen Deutschland und Schottland, eingebettet in das reale Nordsee-Verbundnetz. Die Energieforschungslabore beider Institutionen werden dafür zu einem verteilten Echtzeit-Simulationsverbund zusammengeschaltet — OFFIS übernimmt dabei die Rolle des deutschen, Strathclyde die des schottischen Netzbetreibers. Kommunikationsstörungen, Datenverlust und Verzögerungen werden gezielt simuliert und ausgewertet.
Ziel ist die Konzeption, Implementierung und Validierung eines echtzeitfähigen „Proof-of-Concept“-Systems für eine integrierte Netzverteidigung. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und soll nicht beim Proof-of-Concept enden. Die Ergebnisse sind als Grundlage für Folgeprojekte unter Horizon Europe gedacht — und als Beitrag zu einer Frage, die nach dem Iberian Blackout ganz Europa beschäftigt: Wie schützt man ein Netz, das komplexer und vernetzter wird, wirksam vor Kaskadenversagen?
Gefördert wird das Vorhaben mit Mitteln der Royal Society of Edinburgh, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Volkswagen Stiftung sowie dem European Centre for Advanced Studies (ECAS).





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