Kapazitätsreserve: Lasten mit einbeziehen

Berlin, 16. Juni 2017. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) äußert Kritik an der Kapazitätsreserveverordnung. „Die Ausschreibungsbedingungen sind zu einseitig auf konventionelle Kraftwerke zugeschnitten, so dass regelbare Lasten keine faire Chance haben“, heißt es in einer Stellungnahme des bne für ein Verfahren der EU-Kommission.

Die Kapazitätsreserveverordnung ist Teil der Reform des Strommarktdesigns. Sie sieht eine Reserve von 2.000 Megawatt vor, die bundesweit auszuschreiben ist und Versorgungssicherheit in „nicht vorhersehbaren Extremsituationen“ gewährleisten soll. Die EU-Kommission hat gegen die Verordnung im April ein Prüfverfahren eingeleitet und Marktteilnehmer um Stellungnahmen gebeten.

Der bne hält in seiner Stellungnahme die Einführung der Reserve in der aktuellen Situation grundsätzlich für eine vertretbare, wenn auch nicht optimale Lösung.  „Ein zentraler Baustein des künftigen Marktsystems ist die Flexibilisierung der Nachfrage. Hierfür sind aber noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt. So wird der Roll-out intelligenter Messsysteme noch einige Zeit in Anspruch nehmen, auch fehlt es an einer Neuregelung des Netzentgelt- und Umlagesystems“, sagt bne-Geschäftsführer Busch. Zudem sorgt die EU selbst mit den aktuell diskutierten Vorschlägen zum Energiemarkt („Winterpaket“) dafür, dass Investitionen in Erzeugungskapazitäten zurückgehalten werden. Angesichts dieser bestehenden Unsicherheiten ist eine zeitlich begrenzte Absicherung gegen diese Risiken aus Sicht des bne vertretbar.

Poolen von Lasten ermöglichen
In der aktuellen Fassung profitieren aber nach bne-Auffassung vor allem konventionelle Kraftwerke von der Kapazitätsreserve. Zwar soll technologieoffen ausgeschrieben werden, tatsächlich sind die Regelungen aber so konzipiert, dass etwa kleinere regelbare Lasten nicht zum Zuge kommen. So gilt eine Mindestgröße von 10 Megawatt für Gebote, ein Poolen von verschiedenen Anlagen ist nicht möglich. Auch die Beschränkung auf die 110 kV-Ebene schließt viele regelbare Lasten für die Kapazitätsreserve aus. „Diese Bedenken haben wir bereits in der Verbändekonsultation im vergangenen Jahr geäußert. Mit einigen Änderungen könnte dafür gesorgt werden, dass es zu mehr Wettbewerb kommt und auch Lasten an den Ausschreibungen teilnehmen können “, betont bne-Geschäftsführer Busch.

Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne)
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