Grüner Wasserstoff wird wettbewerbsfähig

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Ein an der Westfälischen Hochschule entwickeltes Verfahren zur Direktbeschichtung von Membran-Elektroden-Anordnungen (MEA) ermöglicht eine kostengünstigere Produktion von grünem Wasserstoff. Der Erfinder Dr. Pit Podleschny und die drei weiteren Mitglieder des Gründungsteams haben mit Unterstützung von PROvendis, dem zentralen Dienstleister des vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Hochschulverbunds innovation2business.nrw, eine exklusive Lizenz an der patentierten Technologie erworben. Sie führen ihr Start-up Hydrogenea GmbH nun unter dem neuen Namen Direct Matter GmbH weiter.

Das Herzstück der zugrunde liegenden Technologie ist ein Beschichtungsverfahren in der Nanoskala, das durch elektrochemische Direktbeschichtung nicht nur eine schnellere Herstellung von MEAs ermöglicht, sondern auch den Einsatz kritischer Materialien – etwa Edelmetalle wie Iridium – deutlich reduziert. Die Methode erlaubt eine Effizienzsteigerung auf Anlagenebene bei gleichzeitig niedrigeren Fertigungskosten. Das ursprünglich für den Einsatz in Brennstoffzellen entwickelte Verfahren findet nun vorwiegend Anwendung in der Wasserelektrolyse zur Herstellung von grünem Wasserstoff und trägt dazu bei, diesen wettbewerbsfähig zu machen. Die Technologie senkt die Herstellungskosten um bis zu 30 Prozent und unterstützt die Energiewende hin zu grünem Wasserstoff und einer nachhaltigen Zukunft.

Hydrogenea wird Direct Matter

Basierend auf dieser Erfindung hat das Team der Westfälischen Hochschule im Januar 2024 das Start-up Hydrogenea GmbH gegründet. Im Rahmen des EXIST-Forschungstransfers wird das Unternehmen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert. Bereits in den ersten anderthalb Jahren konnten die Technologie weiterentwickelt und erste industrielle Kontakte aufgebaut werden. 2025 haben die Gründer mit Unterstützung von PROvendis die Lizenz erworben. Die zuvor unter Hydrogenea etablierte Arbeit als Zellenhersteller wird nun unter dem Namen Direct Matter weiterentwickelt.

Die erfolgreiche Überführung der Forschungsergebnisse in die industrielle Anwendung wurde von Beginn an durch PROvendis begleitet. „Für PROvendis ist dies ein gutes Beispiel für erfolgreichen Technologietransfer. Dieser Fall zeigt, welches Potenzial in unseren Hochschulen steckt“, so PROvendis-Innovationsmanagerin Catherine Hartmann.

Von der Komponente zur Komplettlösung

Mit der Umbenennung geht eine inhaltliche Weiterentwicklung einher: Neben einzelnen Komponenten arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit Partnern zunehmend auch an kompletten Elektrolyse-Stacks und perspektivisch an Elektrolyseanlagen. Seit der Gründung wurden die technologischen und organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen, unter anderem durch den Aufbau von Produktionskapazitäten sowie die Entwicklung und Erprobung erster Prototypen. Direct Matter liefert bereits MEAs und kooperiert mit Partnern beim Bau kompletter Stacks. Weitere Entwicklungsschritte umfassen Demonstrationsanlagen im Leistungsbereich von 100 Kilowatt sowie die Umsetzung von Elektrolyseanlagen im Multi-Megawatt-Bereich bis 2028.

Die patentierte Direktbeschichtungstechnologie bleibt dabei die technologische Basis des wachsenden Unternehmens. „Hydrogenea war ein wichtiger erster Schritt – mit Direct Matter treiben wir die Weiterentwicklung der Technologie nun gezielt voran“, sagt Co-Founder und CEO Dr. Podleschny. „Mit Direct Matter wollen wir Wasserstoff bezahlbar machen und unser Angebot gezielt ausbauen.“

Mit dem Start von Direct Matter beginnt für das Start-up eine neue Phase. Das Unternehmen richtet sich strategisch auf Wachstum aus und legt dabei einen klaren Fokus auf Marktnähe, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit. Künftig soll die Technologie auch auf angrenzende Anwendungen in der Wasserstoffwirtschaft ausgeweitet werden.