Dienstag, den 28. März 2023 – Die Energiewende ist in vollem Gange, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Ladepunkten für E-Fahrzeuge. Schnelle und innovative Lösungen wie Carports mit Photovoltaikanlagen (PV) könnten viele Probleme lösen – doch klagen Bauherren wie Planer über Verzögerungen von bis zu einem Jahr. Harald Baumeister, Mitbegründer und Managing Director des Solarcarport-Herstellers Sopago, kennt die Hürden bei der Umsetzung und wünscht sich schnellere Lösungen, denn: „Die Nachfrage bei den Bauherren war noch nie größer. Aber die Rahmenbedingungen sind in puncto schnellem Ausbau leider oft der Killer.“
Private Bauherren haben bei der Errichtung eines Carports vergleichsweise leichtes Spiel: In vielen Bundesländern ist die Errichtung eines überdachten Stellplatzes mit bestimmten Abmessungen verfahrensfrei, oft reicht eine Bauanzeige. Auch die Installation einer PV-Anlage erfolgt meist ohne großen Papierkram. Wollen aber Unternehmen Solarcarports für Kunden oder Angestellten bauen, stellt sich die Lage ganz anders dar.
Hürde 1: Dauer der Baugenehmigung
Gewerblich genutzte PV-Anlagen benötigen immer eine Genehmigung der kommunalen oder städtischen Bauaufsichtsbehörde. Die Anforderungen hierfür sind aber bisher nicht einheitlich geregelt – viele Bauämter wissen nicht, wie sie mit Solar Carports umgehen sollen und sind überfordert. Da kann eine Freigabe schon mal mehr als zwölf Monate dauern, weiß Harald Baumeister, Mitbegründer und Managing Director von Sopago. Das Unternehmen aus München hat sich auf PV-Komplettlösungen für Parkflächen spezialisiert und bietet Solarcarports für Gewerbe, Industrie und Kommunen an, inklusive Planung, Beratung und Management von Genehmigungsverfahren. Dafür braucht es neben Fachkenntnis auch viel Geduld, wie Baumeister erfahren musste: „Wir wollen eigentlich Hersteller für Solar Carports sein. Tatsächlich verbringen unsere Ingenieure aber mittlerweile die meiste Zeit mit der Klärung von Anforderungen der Baubehörden.“
Hürde 2: Anforderungen der Behörden
Auch das Bauantragsverfahren selbst hat seine Tücken, denn das Regelwerk ist regional sehr unterschiedlich – und nicht gerade auf die Energiewende zugeschnitten. Den lokalen Baubehörden könne er daher noch nicht einmal einen Vorwurf machen, sagt Baumeister: „Sie haben einfach keinerlei Anweisungen, wie sie mit Solar Carports umgehen sollen.“
So gibt es bisher keine Musterbauordnung vom Bund, wie es sie etwa schon lange für Freiflächenanlagen gibt. Die Bauämter wissen daher schlicht häufig nicht, was sie überprüfen müssen. Ist der Solar Carport ein Stellplatz oder ein Gebäude? Wenn es ein Gebäude ist, welcher Typ? „Unsere Carports wurden schon als Garage geprüft, mit allen Brandschutzvorschriften, die für Garagen gelten“, wundert sich Baumeister. Er sieht hier dringenden Handlungsbedarf beim Bauministerium.
Hürde 3: Umsetzung
Auch Lieferschwierigkeiten und Mangel an Handwerkern bremsen den Ausbau der Sonnen-energie in Deutschland. Hier kann Baumeister allerdings Entwarnung geben: Das süddeutsche Startup könnte innerhalb von acht bis zwölf Wochen auch große Objekte mit über hundert Solarcarports ausstatten – wenn nur die Rahmenbedingungen dafür günstiger wären. Möglich macht dies das Baukastensystem mit einer stabilen Konstruktion aus feuerverzinktem Stahl und behandeltem Holz. „Es lässt sich nahezu für jeden Bedarf skalieren“, erklärt Baumeister. Die Montage kommt ohne betonierte Fundamente aus. So kann die Installation sogar auf angemieteten Parkplätzen bei Bedarf mit geringem Aufwand wieder rückgebaut werden.
„Solarcarports fördern die E-Mobilität, sind nachhaltig und erhöhen die Unabhängigkeit der Wirtschaft von fossilen Energieträgern. Außerdem bestehen durch Förder- und steuerliche Optimierungs¬optionen im Zusammenspiel mit flexiblen Finanzierungsmodellen, neuen Berichtspflichten, gesetzlichen Auflagen und hohen Energiepreisen derzeit besonders hohe Anreize, solche Vorhaben zügig zu realisieren“, betont Baumeister. Er hofft deshalb darauf, bis zum Sommer noch mehrere Anlagen ans Netz zu bringen – mit einer Gesamtproduktion von 600 kWp, entsprechende Genehmigungen vorausgesetzt. Das entspricht der Erzeugung von 550.000 kWh pro Jahr.





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