Chinas strategische Wasserstoffoffensive: Die industriepolitische Logik einer neuen Abhängigkeit
Während Europa über die Details seiner Energiewende debattiert, vollzieht sich in China leise, aber mit strategischer Präzision eine industrielle Machtübernahme im Zukunftsmarkt für grünen Wasserstoff. Es ist keine Frage des Zufalls, sondern das Ergebnis eines Plans, der Europa in eine neue, tiefgreifende Abhängigkeit zu stürzen droht – eine Falle, die viele noch nicht einmal bemerkt haben.
Das Drehbuch für diese Offensive ist bekannt und erprobt. China hat es bereits zweimal mit erdrückendem Erfolg durchgespielt: Zuerst bei der Photovoltaik, wo es heute über 70 % des Weltmarktes kontrolliert, und dann bei Lithium-Ionen-Batterien mit einer ähnlichen Dominanz. Das Muster ist immer dasselbe: Eine Technologie wird zur strategischen Industrie erklärt, staatlich garantierte Nachfrage schafft riesige Produktionsvolumina, Skaleneffekte senken die Kosten radikal und am Ende steht die globale Marktführerschaft, während die europäische Konkurrenz kollabiert.
Nun wiederholt sich dieses Schauspiel beim Wasserstoff. China dominiert schon heute mit rund 60 % die globalen Kapazitäten für Elektrolyseure – die Schlüsseltechnologie zur Herstellung von grünem Wasserstoff – und produziert diese um bis zu 50 % günstiger als westliche Konkurrenten. Währenddessen verharrt Europa in einer strukturellen Zaghaftigkeit. Es setzt auf Marktmechanismen, wo China auf Staatsmacht und garantierte Abnahmemengen setzt. Es formuliert ehrgeizige Ziele, ohne das entscheidende Huhn-Ei-Problem von Angebot und Nachfrage politisch zu lösen. Das Ergebnis ist ein tödliches Zögern bei Investitionen und die Gefahr, den Anschluss endgültig zu verlieren.
Dieser Artikel analysiert Chinas strategische Logik, die auf einer staatlich orchestrierten Nachfrage basiert, und deckt Europas fatale Fehleinschätzung auf. Es geht um mehr als nur um eine Energiequelle – es geht um die industrielle Autonomie eines ganzen Kontinents und die Frage, ob Europa die Weichen für eine Zukunft als Technologieführer oder als Tributärin Chinas stellt. Das Zeitfenster, um das Ruder herumzureißen, schließt sich rapide.
Mehr dazu hier: Solar, Batterien, jetzt Wasserstoff: Wie Europa in die nächste China-Falle tappt
Schläft Europa? Wie China gerade die nächste Schlüsseltechnologie erobert
Die Entscheidung auf dem vierten Plenum des 20. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas vom Oktober 2025 war keine Randnotiz in einer technischen Industriefachzeitschrift. Sie markiert den Beginn einer präzise orchestrierten Strategie, die Wasserstoff zur Zukunftsindustrie erhob und damit das Signal setzte für eines der ambitioniertesten industriepolitischen Projekte der gegenwärtigen Dekade. Was folgt, ist nicht Improvisation, sondern ein Playbook, das China bereits zweimal erfolgreich durchgespielt hat. Die Frage für Europa ist nicht, ob China gewinnen wird. Die Frage ist, ob Europa überhaupt begreifen wird, was sich gerade abspielt, bevor die Weichen endgültig gestellt sind.





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