Tiefer geht’s nicht

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Der Druck auf die Waferhersteller lässt allmählich nach. Nachdem die Preise auf fast allen Wertschöpfungsstufen bereits massiv gefallen waren, haben im Jahr 2012 endlich auch die Preise für Silizium nachgezogen. Von 2011 auf 2012 haben sich die Preise etwa halbiert. „Das hat den Waferherstellern wieder eine gewisse Luft zum Atmen verschafft“, sagt Stefan de Haan, Principal Analyst im Bereich Solar Research beim Marktforschungsunternehmen IHS. „Da aber die Waferpreise ähnlich stark abgerutscht sind, hat sich die Wettbewerbssituation insgesamt nicht wesentlich verbessert.“ Siliziumhersteller und Waferhersteller haben also nach wie vor mit dem schwierigen Marktumfeld zu kämpfen.
Weitere Preissenkungen bei Wafern sind aufgrund der niedrigeren Preise für Silizium daher nicht zu erwarten, meint Marktanalyst Dirk Morbitzer von Renewable Analytics aus San Francisco. „Alle Hersteller sind am unteren Ende dessen angekommen, was überhaupt machbar ist.“ Einzelne Unternehmen könnten zwar aus der Notwendigkeit, liquide Mittel generieren zu müssen, kurzfristig mit Kampfpreisen an den Markt gehen. Das würden sie aber nicht lange durchhalten. Für die Waferpreise ist daher „die Talsohle in jedem Fall erreicht“, sagt Morbitzer.
Trotzdem stecken viele Waferhersteller zurzeit in der Situation, ihre Wafer zum Produktionspreis oder sogar darunter verkaufen zu müssen. Das liegt unter anderem an den deutlichen Überkapazitäten in diesem Sektor. „Auf der Waferebene sehen wir für das Jahr 2012 im Schnitt eine industrieweite Auslastung der Produktionskapazitäten von 58 Prozent“, erklärt Stefan de Haan. Das entspricht einer Kapazität von knapp 50 Gigawatt, die wirklich am Markt verfügbar ist. Dem gegenüber steht ein Installationsmarkt von rund 32 Gigawatt und eine konkrete Zellproduktion von knapp 29 Gigawatt. „Da sieht man die massive Schere zwischen Angebot und Nachfrage.“ Die Liste der größten Waferhersteller zeigt, dass sich chinesische Anbieter in dieser schwierigen Lage momentan am besten behaupten können. Die größten neun Hersteller kommen aus China, erst auf Platz zehn findet sich mit Nexolon ein Unternehmen aus Südkorea. Mit Solarworld, im Vorjahr noch auf Platz acht der größten Hersteller, hat sich in diesem Jahr auch der letzte deutsche Waferhersteller aus dem Ranking verabschiedet.

China bei Wafern vorn

Der Trend, dass immer mehr Wafer aus China kommen, ist laut Morbitzer schon seit einigen Jahren zu erkennen. „Die chinesischen Unternehmen sind einfach diejenigen, die in den letzten Jahren diegeringsten Kosten hatten und damit auch die besten Preise anbieten konnten.“ Ob sich aber all diese Unternehmen auch langfristig werden behaupten können, ist fraglich. „Die vielen chinesischen Hersteller machen sich insbesondere auf dem Heimatmarkt massiv Konkurrenz. Die Frage ist daher, wie viele dieser Unternehmen im kommenden Jahr noch unter den Top Ten zu finden sind.“ Eine Firma, mit der definitiv auch im kommenden Jahr zu rechnen ist, ist der Silizium- und Waferhersteller GCL-Poly. Sowohl was Produktionskapazitäten als auch tatsächliche Produktion angeht, hat GCL im Jahr 2012 zumindest im Waferbereich alle Wettbewerber weit hinter sich gelassen. Die Auslastung der Produktionskapazitäten liegt zudem deutlich über dem Industriemittel auf dieser Wertschöpfungsstufe. Trotz der hohen Auslastung macht GCL aber bei den aktuellen Preisen keinen Gewinn, schätzt de Haan. „Die Bruttomargen sind eingebrochen, und für das Jahr 2012 hat das Unternehmen eine Gewinnwarnung rausgegeben. Daher werden sich auf Jahresebene wahrscheinlich größere Verluste ergeben.“ Um in der von Überkapazitäten geprägten Situation weitere Verluste zu minimieren und Lagerbestände abzubauen, plant GCL, die Waferproduktion für zwei Monate zu stoppen, sagt de Haan. Beim Kostendruck ist im Wafergeschäft in naher Zukunft keine Entlastung zu erwarten. Die Herausforderung wird für GCL daher darin bestehen, noch kostengünstiger zu produzieren und über eine hohe Auslastung der Produktionskapazität Skaleneffekte auszunutzen.
Der zweitgrößte Waferproduzent 2012 ist Renesola. Produktionszahlen und Kapazitätsauslastung des Unternehmens sehen eigentlich gut aus, meint de Haan. Was die Einkommenssituation betrifft, ist die Lage aber ähnlich schlimm wie bei vielen anderen Firmen. Seit dem dritten Quartal 2011 gab es bei den Nettoeinkommen nur noch Verluste, kein einziges Quartal wurde positiv abgeschlossen. Im dritten Quartal 2012 betrug die offizielle Bruttomarge zum Beispiel minus 18 Prozent. Bei den aktuellen Waferpreisen ist es einfach schwierig, mit diesem Produkt Gewinne zu erzielen, so de Haan.
Platz drei der größten Waferproduzenten belegt Yingli Green Energy. Was die Modulproduktion angeht, ist Yingli im Jahr 2012 zur größten Solarfirma der Welt geworden. Das vertikal integrierte Unternehmen kann sich aber auch auf der Waferebene gut behaupten. „Yingli hat den großen Vorteil, sein eigener Kunde zu sein und so seine Wertschöpfungsketteentsprechend gut kontrollieren zu können“, erklärt Morbitzer.
Auf den Plätzen vier bis sechs des Waferrankings folgen eher unbekannte Namen. Das liegt daran, dass diese Unternehmen weitestgehend auf die Waferherstellung fokussiert sind und einen hohen Anteil ihrer Produktion als OEM-Hersteller verkaufen. Das bedeutet, die Firmen verkaufen ihre Wafer nicht unter eigenem Namen, sondern machen Auftragsfertigung für andere Unternehmen. Die viertplazierte Firma Huantai Silicon ist bereits seit dem Jahr 2005 im Wafergeschäft und stellt sowohl monokristalline als auch polykristalline Wafer her. Jiangxi Sornid auf Platz fünf ist erst seit 2008 am Markt und damit ein relativ junger Waferproduzent. Das Unternehmen hat einen besonders hohen OEM-Anteil von 80 bis 85 Prozent und außerdem ambitionierte Ausbaupläne. Xi‘An Longi Silicon belegt Platz sechs und hat einen etwas geringeren OEM-Anteil als die beiden vorher genannten. Im Vergleich zu anderen Waferherstellern ist das Unternehmen laut de Haan durchaus profitabel und robust aufgestellt.

Auf absteigendem Ast

Zu den Verlierern des diesjährigen Waferrankings gehört unter anderem LDK Solar. Im letzten Jahr noch auf Platz zwei, ist das Unternehmen in den aktuellen Top Ten auf den achten Platz abgerutscht. „Die Produktion wurde im Jahr2012 stark zurückgefahren. Von Juli bis September hat LDK überhaupt keine Wafer produziert“, sagt de Haan. Auch auf anderen Wertschöpfungsstufen hatte der ehemals integrierte Hersteller im vergangenen Jahr massive Probleme. Ein Zell- und Modulwerk mit einer Kapazität von 1,5 Gigawatt wurde verkauft, und kürzlich wurde auch die Siliziumproduktion komplett geschlossen. „LDK fokussiert sich jetzt wieder auf das Wafergeschäft“, sagt de Haan. „Außerdem setzen sie jetzt verstärkt auf Forschung und Entwicklung, um sich einen technologischen Vorsprung vor den Wettbewerbern zu sichern.“ Das deutsche Unternehmen Solarworld ist in diesem Jahr komplett aus der Liste der größten Waferhersteller verschwunden. „Es ist schwierig, ein Commodity-Produkt wie ein Modul oder einen Wafer in einem Hochkostenland wie Deutschland herzustellen. „Solarworld zielt daher nicht auf reine Größe ab, um sich im Markt zu behaupten, sondern sie verfolgen eine differenzierte Strategie“, sagt de Haan. Ob es Solarworld wieder in die Top Ten schafft, wird nach Ansicht von Morbitzer ganz wesentlich davon abhängen, zu welchen Kosten das Unternehmen produzieren kann. Zudem stehe Solarworld vor der Situation, dass eine Vielzahl an Lieferverträgen für Wafer kürzlich ausgelaufen sei oder recht bald auslaufen werde. „Dass es im selben Umfang Anschlussverträge geben wird, ist im Moment eher unwahrscheinlich, da Solarworld einfach höhere Kosten hat als die chinesischen Hersteller.“

Am Anfang der Kette

Im Ranking der zehn größten Siliziumhersteller gibt es im Vergleich zum Vorjahr weniger Bewegung als im Waferbereich. LDK Solar gehört nach der bereits erwähnten Schließung der Siliziumproduktion nicht mehr zu den Top Ten, dafür hat die japanische Firma M. Setek erneut Einzug gehalten. Die ersten drei Plätze belegen die Firmen Wacker, Hemlock Semiconductor und GCL-Poly. Die Unternehmen liegen, was die Produktionszahlen angeht, mit ungefähr 40.000 Tonnen pro Jahr sehr dicht beieinander. Daher ist eine klare Rangfolge eigentlich nicht festzulegen, auch weil die Produktionszahlen für das vierte Quartal 2012 zum Teil noch auf Schätzungen basieren. Eine detaillierte Betrachtung des Siliziummarktes mit aktuellen Preisentwicklungen und den Strategien der wichtigsten Akteure finden Sie in photovoltaik 01/2012 ab Seite 36.
Trotz der nach wie vor bestehenden Überkapazitäten sowohl für die Silizium- als auch für die Waferproduktion rechnen die Analysten damit, dass sich die Lage auf diesen Wertschöpfungsstufen im Jahr 2013 weiter bessert. „Der weltweite Photovoltaikmarkt wird sich im Jahr 2013 aller Wahrscheinlichkeit nach positiv entwickeln“, sagt Morbitzer. „In China werden die Installationsvolumen steigen, die Märkte in Nord- und Südamerika wachsen ebenfalls, und auch der Mittlere Osten wird noch mehr Kapazität an Siliziummodulen aufnehmen. Das alles ist positiv zu bewerten.“ Auch de Haan von IHS schaut positiv auf das kommende Jahr 2013: „Man merkt es auf allen Wertschöpfungsstufen. Die Endmärkte sind durchaus robust und besser, als es viele Pessimisten glauben.“ Die Silizium- und Waferhersteller stehen nach seiner Ansicht dennoch weiter unter Druck. „Die Überkapazitäten werden eine deutliche Erholung der Preise verhindern. Daher gehen wir davon aus, dass die Konsolidierung auch im kommenden Jahr weiter voranschreitet. Wenn man die gesamte Industrie betrachtet, wird 2013 aber das Jahr des Turnarounds werden.“

Stefan de Haan und IHS

Das Ranking der Silizium- und Waferhersteller stammt vom Marktforschungsunternehmen IHS, wo Stefan de Haan als Principal Analyst für Photovoltaik arbeitet. IHS bietet Marktinformationen in den Bereichen Energie, Technologie, Medien und Telekommunikation an und hat für die Photovoltaik aufwendige Marktmodelle entwickelt, die auf umfassenden und fortlaufend aktualisierten Datenbanken beruhen. Sie ermöglichen es, wichtige Trends zu Angebot, Nachfrage und Preisentwicklung frühzeitig zu erkennen.

Dirk Morbitzer und Renewable Analytics

Dirk Morbitzer ist Managing Director bei Renewable Analytics (RA), einem internationalen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen mit Fokus auf den Themen Photovoltaik und Energiespeicher. RA vereint Querschnittswissen und Erfahrung auf den Gebieten Unternehmensführung, Analyse der technologischen Versorgungsketten, Finanzierung und Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen) sowie wirtschaftliche Due Dilligence in der Solarbranche. Das Team von RA verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung auf diesen Gebieten. Renewable Analytics hat seinen Hauptsitz im kalifornischen San Francisco.

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