Elektrolyseure: Bilanzierung mit stündlichem Abgleich bietet ausreichend Investitionsanreize
Nach Maßgabe der EU gilt Wasserstoff dann als grün, wenn die für die Elektrolyse benötigte Erneuerbare-Strommenge monatsscharf dem Bezug entspricht. Ab 2031 soll der Abgleich stündlich erfolgen – wobei derzeit diskutiert wird, diese Verschärfung um einige Jahre zu verschieben, um die Wirtschaftlichkeit der Produktionsanlagen zu gewährleisten.
Was würde eine stündliche Bilanzierung für die Rentabilität der Elektrolyseure bedeuten? Das hat jetzt ein Forscherteam der Universität Mannheim um Gunther Glenk, Philip Holler und Stefan Reichelstein anhand des US-amerikanischen Inflation Reduction Act untersucht. Zentrales Ergebnis: Auch strenge Bilanzierungsregeln bieten in der Regel ausreichende Investitionsanreize, mit internen Renditen von geschätzt acht bis 15 Prozent.
Allerdings ist der erzeugte Wasserstoff den Forschern zufolge nicht zwangsläufig emissionsarm: Steigen die Wasserstoffpreise, wird es für Betreiber wirtschaftlich attraktiv, Elektrolyseure vermehrt mit Strom aus dem allgemeinen Stromnetz laufen zu lassen. Dadurch könne die durchschnittliche CO₂-Intensität auf das Niveau von blauem Wasserstoff ansteigen, der aus Erdgas mit CO2-Abscheidung produziert wird.
Bei jährlicher Bilanzierung drohen deutlich mehr CO2-Emissionen
Weniger strenge Regeln, mit jährlichem statt stündlichem Abgleich, steigern die geschätzten Renditen auf bis zu 23 Prozent, so die Forscher. Das liege deutlich über marktüblichen Renditen für Erneuerbare-Anlagen. Die CO₂-Intensität könne allerdings in diesem Fall bis auf das Niveau von grauem Wasserstoff steigen, der aus fossilen Brennstoffen ohne CO2-Abscheidung produziert wird.
„Auch wenn unsere Rechnungen für Referenzanlagen in den USA kalibriert sind, lassen sich die zentralen Erkenntnisse auf Europa übertragen“, sagt Stefan Reichelstein, Inhaber der Stiftungsprofessur für Allgemeine BWL an der Universität Mannheim. „Strenge CO2-Bilanzierungsregeln führen zu deutlich emissionsärmerer Wasserstoffproduktion und dürften bereits heute ausreichende Investitionsanreize setzen, insbesondere in Regionen mit reichlich vorhandenen erneuerbaren Ressourcen.“
Deutschland hat zahlreiche Abkommen geschlossen, um Wasserstoff in großen Mengen aus Kanada, Nordafrika, Australien und weiteren Regionen zu importieren.
Die Mannheimer Forscher haben ihre Studie in Nature Communications veröffentlicht.
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