EWI-Analyse: Tracker-Systeme könnten Netzkosten und Ausbaubedarf deutlich senken

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Wer eine Freiflächenanlage mit einem Tracker statt mit fester Aufständerung baut, könnte den Netto-Systemwert der Anlage verdoppeln. Das kommt bei einer Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) heraus. Die Energiemarktforscher wurden für diese Untersuchung vom Tracker-Hersteller Nextpower, ehemals als Nextracker bekannt, beauftragt.

Lange galt die Annahme, dass sich Tracker in Deutschland kaum rechnen. Wirtschaftliche Vorteile wurden eher in südlicheren Regionen wie Südspanien verortet, wo die aus der Nachführung der Module erzielten Mehrerträge die zusätzlichen Investitions- und Strukturkosten klar übersteigen. Die EWI-Analyse stellt diese Sichtweise nun infrage. Wobei die Studie auch Vorteile auf Gesamtsystemebene beleuchtet.

Verglichen wurden fest aufgeständerte Photovoltaik-Anlagen mit einachsigen Tracking-Systemen. Grundlage der Modellierung ist das Wetter- und Marktumfeld des Jahres 2024. Rückwirkungen auf Börsenpreise oder Verhaltensanpassungen anderer Marktakteure wurden nicht berücksichtigt.

Ein zentrales Ergebnis der Analyse war, dass der erzielte Marktwert des Solarstroms aus Tracking-Anlagen im Modell um rund 43 Prozent höher als bei fest aufgeständerten Anlagen lag. Der Hauptgrund ist die zeitliche Verschiebung der Erzeugung. Durch die Nachführung der Module wird der Energieertrag stärker in die sogenannten Schulterstunden verlagert. Das sind Morgen- und Abendstunden. In diesen Zeiträumen ist die Einspeisung aus fest installierten Anlagen deutlich geringer, während gleichzeitig die Strompreise tendenziell höher sind als zur Mittagszeit mit starker Photovoltaik-Einspeisung. Tracker reduzieren damit die Konzentration der Erzeugung in preislich ungünstigen Stunden und erhöhen den durchschnittlichen Erlös pro erzeugter Kilowattstunde.

Netto-Systemwert mehr als verdoppelt

Die Studie betrachtet zudem den Netto-Systemwert. Dieser ergibt sich aus dem Marktwert der Anlage abzüglich der Anlagenkosten sowie der verursachten Netzkosten. Für eine modellierte Anlage mit 150 Megawatt installierter Modulleistung und 120 Megawatt Wechselrichterleistung ergibt sich bei fester Aufständerung ein Marktwert von rund 8,1 Millionen Euro pro Jahr. Baut man dasselbe System mit einem Tracker, kommen die Marktforscher auf rund 11,6 Millionen Euro pro Jahr.

Besonders relevant ist die Betrachtung des Netzanschlusses. Die geringere Mittagsspitze und der ohnehin höhere Wert des Stroms während der Schulterstunden, bedeuten, dass Anschlussleistungen laut Modell marktwertneutral um bis zu 67 Prozent unterdimensioniert werden können. Ein weiterer Effekt ergibt sich aus den höheren spezifischen Erträgen. Die Volllaststunden steigen im Modell von 1.044 auf 1.348 Stunden, was einem Zuwachs von rund 29 Prozent entspricht.

Unter Einbeziehung der System- und Netzkosten würde sich der Netto-Systemwert laut EWI durch den Einsatz von Trackern mehr als verdoppeln. Dadurch ließen sich die Ausbauziele mit geringerer installierter Leistung erreichen. Für ein Zielszenario von 99 Gigawatt Solarleistung würde der Bedarf bei konsequenter Nutzung von Tracking-Systemen rechnerisch auf etwa 76 Gigawatt sinken. Laut Studie könnten so bis 2030 Netzausbaukosten von rund 3,2 Milliarden Euro vermieden werden.

In der Analyse nicht berücksichtigt bleibt jedoch ein Aspekt. Tracking-Systeme benötigen mehr Fläche als dicht gepackte, fest aufgeständerte Anlagen. Der höhere Flächenbedarf kann die Wirtschaftlichkeit einzelner Projekte, insbesondere bei begrenzter Flächenverfügbarkeit, negativ beeinflussen und muss standortspezifisch bewertet werden.

Modellannahmen

Als Referenzstandort diente eine Fläche im Südwesten Brandenburgs. Die Erzeugungsprofile beider Anlagentypen wurden von Nextpower auf Basis einer Analyse mit PV-Syst bereitgestellt. Die Profile für die Tracking-Anlage wurden mit der Software „TrueCapture“ generiert.

Als Investitionskosten wurden 365 Euro pro Kilowatt für die fest aufgeständerte Anlage angenommen. Bei dem Tracker waren es 380 Euro pro Kilowatt. Für Betrieb und Wartung fallen sechs Euro pro Kilowatt und Jahr an. Bei der nachgeführten Anlage sind es sieben Euro. Bei den Pachtkosten wurden drei Euro pro Kilowatt und Jahr für die feste Aufständerung angenommen und 4,3 Euro für das System mit Tracker. Diese Grundannahmen für die Analyse wurden von Nextpower selbst geliefert.

Die Analyse lässt sich hier nachlesen.

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