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Befragung im Elektrohandwerk zu Netzanschlussverfahren ergibt reichlich Verbesserungsbedarf

Der ZVEH hat Handwerksbetriebe nach ihren Erfahrungen mit Verteilnetzbetreibern bei Netzanschluss- und Inbetriebnahmeprozessen befragt. Bemängelt wurden unter anderem ein unnötig hoher bürokratischer Aufwand, komplizierte Verfahren und vor allem schlechte Kommunikation.
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Keine guten Noten: Durchschnittswerte der ZVEH-Umfrage nach Bundesländern. | Grafik: ZVEH

Zur Herbstkonjunkturumfrage des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) gehörte auch eine Befragung zu Erfahrungen mit Netzanschlussprozessen. Der ZVEH machte die Ergebnisse nach eigenen Angaben unlängst auch zum Thema bei einem Gespräch mit dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, und Vizepräsidentin Barbie Kornelia Haller. Man sei hier „auf offene Ohren“ gestoßen.

Die Resultate der Befragung müssten der Bundesnetzagentur in der Tat zu denken geben – zumal sie sich mit etlichen anderen Erhebungen zum Thema decken. Für das Elektrohandwerk rücken Netzanschluss- und Inbetriebnahmeprozesse laut ZVEH mit steigenden Installationszahlen bei Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen und Ladeinfrastruktur noch stärker in den Fokus.

Der Verband fragte nach Erfahrungen und Einschätzungen der Betriebe anhand von Kategorien wie etwa digitaler Prozess, Kommunikation oder Smart-Meter-Rollout. Die Bewertung erfolgte anhand von Schulnoten von 1 bis 6. Ein besonders wichtiges Thema war hierbei die fehlende Einheitlichkeit der Verfahren.

Enormer Zeitaufwand wegen uneinheitlicher Prozesse

Mehr als 60 Prozent der Umfrageteilnehmer sind den Angaben zufolge in mehr als einem Verteilnetzgebiet tätig. Probleme ergäben sich, wenn sich bei den Netzbetreibern Prozesse, Formulare und technischen Vorgaben sehr stark voneinander unterscheiden. Dies bedeute einen unnötig hohen bürokratischen Aufwand. 68,2 Prozent der befragten Betriebe bemängelten sehr heterogene Prozesse und Anforderungen. Der allein hierdurch verursachte zusätzliche Zeitaufwand wird in mehr als 20 Prozent der Fälle auf mehr als 50 Prozent eingeschätzt.

Fast alle Befragten (96,5 Prozent) gaben an, dass die Netzbetreiber für Anmeldung und Inbetriebnahme digitale Plattformen einsetzen, bei 75 Prozent ist dies sogar der ausschließliche Weg zur Anmeldung. Nur klappte es offenbar im Alltag nicht sonderlich gut: 30,9 Prozent bewerten den digitalen Prozess als befriedigend, 22,6 Prozent als ausreichend. Ein „mangelhaft“ vergaben 16,9 Prozent und 8,1 Prozent ein „ungenügend“.

Kritisiert werde hierbei die oft nicht durchgängige Verbindung digitaler und analoger Schritte: Daten müssten deshalb mehrfach eingegeben, Dokumente ausgedruckt, unterschrieben und erneut hochgeladen werden. Die Verfahren und Plattformen würden oftmals als kompliziert, wenig intuitiv und teilweise störanfällig beschrieben, sie seien außerdem schlecht für nicht dem Standard entsprechende Fälle und neue technische Anforderungen gerüstet. Es gibt hierbei aber große regionale Unterschiede, die Durchschnittsbewertung im südwestlichen Postleitzahlenbereich 7 hebt sich demnach positiv ab.

Ein noch größeres Ärgernis ist der Befragung zufolge der Themenbereich Kommunikation und Zuständigkeit. 32 Prozent bewerteten diese insgesamt als mangelhaft oder ungenügend – unter anderem deshalb, weil es im Zuge der Digitalisierung die direkten Ansprechpartner abgeschafft wurden.

Digitalisierung plus Ansprechpartner

Schwer erreichbare oder wechselnde Ansprechpartner, lange Warteschleifen, unbeantwortete E-Mails und Rückrufbitten gehören in diesen Problembereich ebenso wie der Umstand, dass technische oder fallbezogene Fragen oft nicht zu klären sind, wenn Callcenter im Prozess zwischengeschaltet sind. Zuständigkeiten zwischen Abteilungen, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber seien oft unklar. Die Betriebe wünschen sich auch mehr Transparenz hinsichtlich des aktuellen Bearbeitungsstandes – eine Frage, zu der sie ihrerseits bei Rückfragen und Beschwerden von Kunden Auskunft geben müssen.

Der Smart-Meter-Rollout war ebenfalls Thema der Befragung. 29 Prozent bewerten die Umsetzung mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Kritisiert wurde auch, dass Unternehmen intelligente Messsystem und Steuerboxen trotz vorhandener Qualifikation nicht selbst montieren dürfen. 44 Prozent der Betriebe im Süden Bayerns (Postleitzahlenbereich 8) gaben allerdings an, dass sie dies dürfen, im nordöstlichen Postleitzahlenbereich 1 waren es nur rund 25 Prozent.

Karsten Joost, Sprecher des Lenkungsausschusses Technik im ZVEH, leitet aus den Ergebnissen der Befragung klare Forderungen ab: „Angesichts von 860 Netzbetreibern bundesweit müssen Prozesse weiter vereinheitlicht und Portale noch stärker an den Anforderungen der Anwender orientiert werden. Digitalisierung bedeutet, dass konsequent medienbruchfrei gearbeitet werden kann. Sie soll zu Arbeitserleichterungen führen, statt die Prozesse für die Installateur zu erschweren und den Aufwand zu erhöhen.“ Und trotz digitalisierter Verfahren seien außerdem Ansprechpartner mit klaren Zuständigkeiten unverzichtbar. Der ZVEH plädiert dafür, den zur Zeit der Ampel-Koalition bestehenden Branchendialog zum Netzanschluss wiederzubeleben.

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Kommentare

Detlef K
Nov 06, 2026

Digitalisierung ist nach wie vor nicht oder zum großen Teil nicht verstanden. Man hat den Eindruck, die Strukturen der 80’er wurden nie verlassen. Den Netzbetreibern muss es noch immer zu gut gehen, dass sie sich quasi-analog immernoch rechnen.
In Zeiten von enormen Effizienzgewinnen der Softwareentwicklung … z.B. mit Vibe Coding… wundert man sich, dass selbst hier keine Beschleunigung aufkommen mag. Sorry, man muss hier schon Absicht unterstellen, die Branche ist hoffnungslos veraltet und innovationsfeindlich.

Schade, dass ausgerechnet hier Frau Reiche keinen Druck mit konsequenten Strafmaßnahmen… von mir aus auch mit Boni für Schnelligkeit, ausübt. Es wäre so extrem gewinnbringend für die Gesellschaft. Für besagte alte Strukturen, insbesondere für die fossile Lobby mag das natürlich nicht gelten. Ein Schelm, der Korruptes dabei denkt…