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Start-up des Monats: MycoNest fördert mit Pilzgeflecht die Biodiversität in Photovoltaik-Anlagen

Mit biologisch abbaubaren Habitatstrukturen aus Myzel will das ungarische Start-up MycoNest zusätzliche Nist- und Rückzugsräume in Solarparks schaffen. In der ersten systematischen Feldsaison zeigte mindestens die Hälfte der überwachten Strukturen bereits Anzeichen von Belegung oder Nistaktivität, erklärt der Gründer. Dies könnte eine Alternative oder Ergänzung zu klassischen Maßnahmen wie Grünlandbewirtschaftung, Blühflächen, Heckenpflanzungen und klassischen Nistkästen sein.
Gründer Alex Toth mit den Pilzstrukturen, die die Ökologie in Photoltaikanlagen verbessern sollen. Nach Nutzung zersetzen sie sich vollständig. | Foto: MycoNest

Wer seid ihr?

Alex Toth, Gründer von MycoNest: MycoNest entwickelt biologisch abbaubare Habitatstrukturen auf Myzelbasis, um Energie- und Verkehrsinfrastruktur in artenreichere Lebensräume zu verwandeln. Unsere modularen Strukturen werden aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Hanfschäben hergestellt und bieten Vögeln, Wildbienen und anderen Insekten temporäre Nist- und Rückzugsräume. Nach ihrer Nutzung zersetzen sie sich vollständig vor Ort und verbessern die Bodenstruktur, erhöhen den Gehalt an organischem Kohlenstoff und fördern die biologische Aktivität des Bodens. Unser Fokus liegt auf Solarparks, Stromnetzinfrastruktur und weiteren linearen Infrastrukturen, die heute oft als Ursache von Lebensraumfragmentierung gelten, künftig aber zu vernetzten Biodiversitäts-Hubs werden können. MycoNest wurde 2025 von der Renewables Grid Initiative (RGI) als Good Practice in der Kategorie „Nature Conservation & Restoration“ ausgewählt, gewann den EIT Jumpstarter (New European Bauhaus), ist Mitglied der TUM Venture Labs und verfügt über europäische und internationale Schutzrechte für seine Technologie.

Wer sind eure Kunden?

Unsere Hauptkunden sind Entwickler, Betreiber und Eigentümer von Solarparks sowie Netzbetreiber und Unternehmen mit großen Flächen, die für Energieinfrastruktur genutzt werden. Darüber hinaus richten wir uns an Betreiber von Batteriespeichern, Industrieanlagen und an Planungsbüros in diesen Segmenten, an EPC-Unternehmen und an O&M-Dienstleister. Sie haben alle die Herausforderung, Biodiversität auf bestehenden Infrastrukturflächen praktisch, kosteneffizient und mit geringem Wartungsaufwand zu fördern. Langfristig sehen wir auch Potenzial im urbanen Raum sowie bei Kommunen und weiteren Infrastrukturbetreibern.

Welches Problem, welche Herausforderung haben eure Kunden?

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wachsen auch die Flächen von Solarparks, Umspannwerken und weiterer Energieinfrastruktur. Viele dieser Standorte besitzen bislang nur einen geringen ökologischen Wert und tragen zur Fragmentierung von Lebensräumen bei. Gleichzeitig steigen die Anforderungen von Regulierungsbehörden, Investoren und der Gesellschaft an naturpositive Infrastruktur sowie an messbare Biodiversitätsleistungen. Betreiber benötigen daher Lösungen, die sich einfach in bestehende Betriebs- und Wartungsabläufe integrieren lassen, Biodiversität fördern und gleichzeitig nur minimalen Pflege- oder Rückbauaufwand verursachen. Darüber hinaus möchten viele Unternehmen ihre Flächen frühzeitig auf zukünftige Biodiversitäts- und Kohlenstoffmärkte vorbereiten. Die heute verfügbaren Maßnahmen konzentrieren sich überwiegend auf Vegetationsmanagement oder dauerhafte Niststrukturen. Leicht installierbare, biologisch abbaubare Habitatlösungen, die speziell für Solarparks und Energieinfrastrukturen entwickelt wurden, sind bislang kaum verfügbar.

Start-up des Monats von pv magazine und Vireo Ventures

In Kooperation mit Vireo Ventures, einem Frühphasen-Investor für eine vollständig elektrifizierte Welt, präsentieren wir monatlich ein aufstrebendes Unternehmen, das an Innovationen für die Solarbranche arbeitet und das wir für interessant halten. Wir wollen aufzeigen, was die Visionen der Unternehmer sind, aber auch wo diese Start-ups heute stehen und wo es konkrete Möglichkeiten für Kooperationen gibt.

Wenn du Dein Unternehmen als Start-up des Monats präsentieren möchtest, fülle bitte den folgenden Fragebogen aus:
-> Zum Fragebogen

Du kannst uns auch per Email an pv magazine und Vireo kontaktieren:
-> [email protected]

Wir freuen uns auch über für Rückmeldungen zu den vorgestellten Unternehmen, zu deren Fragen (siehe ganz unten) und zu unserer Auswahl an diese E-Mail-Adresse.

Hier finden Sie die bisherigen Start-up des Monats

Welche Lösungen gibt es dafür bisher auf dem Markt?

Derzeit setzen Betreiber vor allem auf extensive Grünlandbewirtschaftung, Blühflächen, Heckenpflanzungen sowie klassische Nistkästen für Vögel und Insekten. Diese Maßnahmen sind ökologisch wertvoll und bilden die Grundlage vieler Biodiversitätskonzepte. Die meisten wurden jedoch nicht speziell für Energie- und Verkehrsinfrastrukturen entwickelt. Zudem bestehen sie häufig aus Holz, Beton oder Kunststoff, sind vergleichsweise schwer und erfordern regelmäßige Kontrolle, Wartung sowie am Ende ihrer Lebensdauer Demontage, Abtransport und Entsorgung. Gleichzeitig zeigt sich, dass Biodiversitätsmaßnahmen nur dann ihren vollen Nutzen entfalten, wenn sie standortgerecht geplant, fachgerecht umgesetzt und langfristig gepflegt werden. Leichte, biologisch abbaubare Habitatstrukturen mit einem speziell für Energieinfrastrukturen entwickelten Design- und Materialkonzept insbesondere für Solarparks sind bislang auf dem Markt praktisch nicht verfügbar.

Welche Lösung bietet ihr euren Kunden an und gibt es bei euch ein Alleinstellungsmerkmal?

MycoNest entwickelt modulare, biologisch abbaubare Habitatstrukturen auf Myzelbasis, die speziell für Solarparks und andere Energieinfrastrukturen entwickelt wurden. Die leichten Elemente lassen sich ohne Werkzeuge an bestehender Infrastruktur befestigen und schaffen temporäre Nist- und Rückzugsräume für verschiedene Tierarten. Nach ihrer Nutzung zersetzen sie sich vollständig vor Ort, sodass Rückbau, Abtransport und Entsorgung entfallen. Stattdessen verbessern sie Bodenstruktur, organischen Kohlenstoff und die biologische Aktivität des Bodens und können optional mit Biokohle oder regionalen Wildblumensamen kombiniert werden. Dadurch schafft MycoNest sowohl während seiner Nutzung als auch nach seiner biologischen Zersetzung einen ökologischen Mehrwert und erhöht das langfristige Renaturierungspotenzial der Fläche. Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Kombination aus infrastrukturspezifischem Design, vollständig biologisch abbaubaren Materialien und einem kreislauforientierten Lebenszyklus. Gleichzeitig unterstützt dieser Ansatz Infrastrukturbetreiber dabei, ihre Flächen frühzeitig auf zukünftige Biodiversitätsmärkte und weitere naturbasierte Finanzierungsmodelle vorzubereiten.

MycoNest-Pilzstrukturen können in Photovoltaik-Kraftwerken einfach angebracht werden und zersetzen sich nach Nutzung. In den Gängen können zum Beispiel Mauer- und Blattschneiderbienen nisten. | Fotos: MycoNest

Gibt es bereits Nachweise, dass die Lösung funktioniert, und Referenzen? Wenn ja, welche?

Ja. MycoNest wird derzeit an Pilot- und Demonstrationsstandorten von Australien über mehrere europäische Länder bis nach Kolumbien in unterschiedlichen Infrastrukturumgebungen erprobt, insbesondere in Solarparks und weiterer Energieinfrastruktur. Erste Feldbeobachtungen zeigen die Nutzung der Strukturen durch Wildbienen, solitäre Wespen und weitere Insekten. Parallel arbeiten wir mit wissenschaftlichen und industriellen Partnern an einer systematischeren ökologischen Bewertung. Die ökologische und unternehmerische Relevanz wurde bereits mehrfach extern anerkannt: MycoNest wurde 2025 von der Renewables Grid Initiative als Good Practice in der Kategorie „Nature Conservation & Restoration“ ausgewählt, war Changemaker-Finalist beim IUCN World Conservation Congress 2025 und gewann den ersten Preis im New-European-Bauhaus-Track des EIT Jumpstarter. Zudem ist MycoNest Mitglied der TUM Venture Labs und durch europäische sowie internationale Schutzrechte abgesichert.

Gibt es quantitative Methoden, um die Wirkung nachzuweisen und was kommt dabei konkret heraus?

2026 ist unsere erste vollständige Feldsaison mit standardisierten Prototypen. Inzwischen sind fast 250 MycoNest-Strukturen von Australien bis Kolumbien im Einsatz. Die größten und am intensivsten überwachten Installationen befinden sich in Ungarn, insbesondere in Solarparks und anderer Energieinfrastruktur. Das Monitoring läuft noch, deshalb bin ich vorsichtig mit Schlussfolgerungen. Aber bei mindestens der Hälfte der bislang überwachten Strukturen haben wir Nistaktivitäten oder eine Belegung festgestellt. Einzelne Strukturen waren nahezu vollständig belegt.

Dabei erfassen wir unter anderem, wie viele Nistgänge belegt und wie viele Nester fertiggestellt werden, welche Nistmaterialien verwendet werden und welche Durchmesser die Tiere bevorzugen. Besonders häufig beobachten wir Mauer- und Blattschneiderbienen sowie Grabwespen, darunter Isodontia-Arten. Im kommenden Jahr wollen wir zusätzlich den Schlupferfolg erfassen, der für die ökologische Wirkung aussagekräftiger ist als die reine Belegung. Die bisherigen Ergebnisse fließen auch direkt in die Produktentwicklung ein: So entwickeln wir derzeit eine breitere Variante mit mindestens 15 Zentimeter tiefen Nistgängen, die den Anforderungen hohlraumnistender Solitärbienen und Wespen besser entsprechen soll.

Inwiefern bringt diese Lösung die Energiewende voran?

Die Energiewende benötigt gesellschaftliche Akzeptanz und naturverträgliche Infrastruktur. MycoNest verbindet den Ausbau erneuerbarer Energien mit messbaren Biodiversitätsmaßnahmen und hilft, bislang ökologisch wenig genutzte Infrastrukturflächen in wertvolle Lebensräume zu verwandeln. Dadurch unterstützt die Lösung Betreiber bei regulatorischen Anforderungen, stärkt die Akzeptanz neuer Energieprojekte und schafft die Grundlage für zukünftige naturbasierte Finanzierungsmodelle wie Biodiversitätsmärkte. So wird aus Energieinfrastruktur eine multifunktionale Infrastruktur, die gleichzeitig erneuerbare Energie erzeugt, Biodiversität fördert und zur ökologischen Aufwertung von Standorten beiträgt.

Wie seid ihr finanziert?

MycoNest wird derzeit überwiegend eigenfinanziert. Die Entwicklung wurde durch nicht verwässernde Förderungen und Wettbewerbe unterstützt, darunter der erste Preis im EIT Jumpstarter (New European Bauhaus). Zusätzlich profitieren wir von der Unterstützung durch die TUM Venture Labs. Mit der weiteren Validierung der Technologie und ersten Pilotprojekten bereiten wir nun die nächste Finanzierungsphase für Skalierung und Markteintritt vor.

Habt ihr Fragen an die Leser von pv magazine? Wir freuen uns über den Austausch mit Betreibern von Solarparks, Netzinfrastruktur und Batteriespeichern sowie mit Projektentwicklern, O&M-Dienstleistern und Forschungseinrichtungen. Besonders interessieren uns Standorte für Pilotprojekte, wissenschaftliche Begleitforschung und Partner, die gemeinsam mit uns naturpositive Infrastruktur und zukünftige Biodiversitätslösungen weiterentwickeln möchten.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen und Anmerkungen an [email protected] (pv magazine und Vireo). Wir leiten Sie an unsere Gesprächspartner weiter.

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