BSW-Solar warnt vor Kostensteigerungen bei Photovoltaik-Großanlagen
Netzpaket, EEG-Novelle, Netzentgeltreform – nach Einschätzung des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) droht im Zusammenspiel mehrerer verschiedener Faktoren eine „Investitionsbremse“ für große Photovoltaik-Anlagen. Neue Solarparks, die heute Strom für rund 5 Cent je Kilowattstunde liefern könnten, seien eine der günstigsten Formen der Stromerzeugung in Deutschland. Die von der Bundesregierung geplanten Änderungen aber würden den Bau deutlich verteuern und damit den Ausbau bundesweit bremsen. Der Verband fordert deshalb „den Verzicht auf geplante regulatorische Marktbarrieren und Kostentreiber“.
Nach Einschätzung des BSW-Solar würden ohne Nachbesserungen an EEG und Netzpaket die Stromerzeugungskosten neuer Solarparks um mehr als einen Cent je Kilowattstunde steigen. Kostentreiber seien unter anderem die teilweise Streichung von Entschädigungszahlungen während temporärer Netzengpässe (Redispatch-Vorbehalt), die vorgesehene Begrenzung der Einspeiseleistung, geplante Netzentgelte für die Einspeisung von Solarstrom sowie zusätzliche kommunale Abgaben.
Solare Sperrzonen drohen
Der aktuell bei Ausschreibungen geltende Gebotshöchstwert von 5,9 Cent je Kilowattstunde könne unter den geplanten Maßnahmen „für die Mehrzahl künftiger Solarpark-Projekte zu einer unüberwindbaren Finanzierungshürde werden“ und müsse auf 7,5 Cent je Kilowattstunde angehoben werden. Damit sei die Rolle der Anlagen als „Kostensenker der Energiewende“ in Gefahr, so BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig: „Wer sie mit neuen Abgaben und Auflagen belastet, macht Strom nicht günstiger, sondern teurer.“
Besonders problematisch sei der geplante Redispatch-Vorbehalt. Hierdurch, so die Befürchtung des BSW-Solar, drohen faktisch „solare Sperrzonen“ in großen Teilen Deutschlands, weil neue Solaraprks dort wirtschaftlich unattraktiv werden könnten. „Netzprobleme müssen durch einen schnelleren Netzausbau, Speicher und eine intelligentere Nutzung der Netze gelöst werden – nicht dadurch, dass der Bau neuer Solarparks zum Erliegen kommt“, so Körnig.
Mehrere Belastungen gleichzeitig
Der Verband sieht zudem auch die Ausgestaltung der geplanten Differenzverträge (CfD) und Einspeisenetzentgelte kritisch, weil sie ebenfalls Bau und Betrieb von Photovoltaik-Freiflächenanlagen spürbar verteuerten. Schon heute hätten unter anderem steigende Kosten für Netzanschlüsse, zusätzliche Abgaben in einzelnen Bundesländern und zunehmende Erlösverluste in Zeiten negativer Strompreise die Bedingungen verschlechtert. „Wenn mehrere neue Belastungen gleichzeitig auf die Projekte zukommen, können bislang wirtschaftliche Solarparks unrentabel werden“, warnt Körnig. Dies betrifft dem BSW-Solar zufolge sowohl Anlagen mit EEG-Förderung als auch solche, die ihren Strom ohne Förderung vermarkten.
Auch den Ausbau sogenannter besonderer Solaranlagen wie Agri- und Moor-PV, Parkplatz-PV und schwimmende Anlagen sieht der Verband gefährdet, weil im Gesetzentwurf das eigene Ausschreibungssegment für diese Anlagen gestrichen und nur ein Bonus von 0,5 Cent je Kilowattstunde für Agri- und Moor-PV verbleiben würde. Dies aber „reicht für einen breiten Markthochlauf von Agri-PV und Moor-PV nicht aus“, so Körnig, und Parkplatz- und schwimmende Solaranlagen würden nicht berücksichtigt. Damit solche Anlagen nicht wegen ihrer konstruktionsbedingt häufig höheren Kosten eine Nischenanwendung bleiben, plädiert der BSW-Solar für die Beibehaltung eines eigenen Ausschreibungsvolumens.
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