See all

Studie: Mehr Anreize für die Abregelung von Photovoltaik und Windkraft in Zeiten negativer Börsenstrompreise notwendig

Eine neue Untersuchung von Lion Hirth zeigt, dass 2025 nur etwa die Hälfte der Windkraftanlagen bei Preisen von unter -50 Euro pro Megawattstunde abgeregelt wurden, obwohl dafür ein Anreiz bestand. Bei der Photovoltaik verzeichnete sie eher fehlende Anreize zur Abregelung in negativen Preisstunden.
Abregelung von Photovoltaik und Windkraftanlagen in Zeiten negativer Strompreise
Quelle: „Do wind and solar curtail at negative electricity prices?“ von Lion Hirth

Bereits mit dem EEG 2014 führte die Bundesregierung eine Regelung ein, wonach Betreiber von Photovoltaik- und Windkraftanlagen in der verpflichtenden Direktvermarktung keine EEG-Förderung mehr erhalten, wenn in sechs aufeinanderfolgenden Stunden die Börsenstrompreise negativ sind. Der Zeitraum wurde in den Jahren danach immer kürzer gefasst. Alle Anlagen, die seit Inkrafttreten des Solarspitzen-Gesetzes in Betrieb genommen wurden, erhalten bereits ab der ersten Viertelstunde keine Solarförderung nach dem EEG mehr. Diese Regelungen sollten Anreize schaffen, um Photovoltaik- und Windkraftanlagen in Zeiten hoher Erzeugung abzuregeln oder auch in Speicher zu investieren, um die Einspeisung verschieben zu können.

Lion Hirth, Professor an der Hertie School und Gründer von Neon Neue Energieökonomik, hat nun untersucht, in welchem Maße wirtschaftliche Anreize zur Abregelung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen in Deutschland bestehen. Dazu hat er für jede Erzeugungsgruppe stundenweise den Anreiz geschätzt, der sich aus zwei Jahrzehnten EEG-Förderpolitik ergibt. Die Anreize hat er anschließend mit dem realen Verhalten der Anlagen abgeglichen, wobei er eine neue Schätzung der marktbedingten Einspeisebeschränkung zugrunde legte, die auf Wetterdaten und Realanalysen basiert.

Im Ergebnis bestand aus seiner Sicht im Jahr 2025 für fast alle Betreiber von Windkraftanlagen ein Anreiz, ihre Systeme bei Preisen unter -50 Euro pro Megawattstunde abzuregeln. Doch nur die Hälfte stellte die Produktion wirklich ein, wie Hirth in seiner Studie „Do wind and solar curtail at negative electricity prices? Incentives and evidence across two decades of German renewable support schemes“ schreibt. Bei Photovoltaik-Anlagen stellte er fest, dass fast zwei Drittel der Anlagen überhaupt keinen Anreiz zur Drosselung hätten, da sie eine Marktprämie oder Einspeisevergütung auch bei negativen Strompreisen erhalten.  Von den verbleibenden, den Marktpreisen ausgesetzten Photovoltaik-Anlagen drosselten nur etwas mehr als ein Fünftel die Produktion, wie Hirth in seiner Studie zeigt.

In Zahlen ausgedrückt: Bei etwas mehr als sechs Terawattstunden Solarstrom bestand demnach 2025 ein Anreiz zur Abregelung der Photovoltaik-Anlagen, doch 5,4 Terawattstunden erzeugten Solarstroms wurden trotz der negativen Börsenstrompreise nicht abgeregelt. Gerade einmal 16 Prozent der Menge sei abgeregelt worden. Für das Jahr 2026 hat Hirth bis August eine Menge von knapp 6 Terawattstunden Solarstrom ermittelt, wovon gerade einmal 1,3 Terawattstunden abgeregelt wurden. Dies entspricht einer Quote von 23 Prozent. Dabei gab es im Vorjahr insgesamt 573 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen. In diesem Jahr summieren Sie sich bis zum Zeitpunkt der Auswertung im August auf 401 Stunden.

Auf Basis dieser Auswertung moniert Hirth zum einen, dass zu wenig Anlagen wirklich dem Markt ausgesetzt sind, zum anderen die geringen Reaktionsraten bei den Anlagen. Dies treibe die Subventionszahlungen in die Höhe und erschwere den sicheren Betrieb des Stromnetzes, so sein Fazit. Hirth fordert daher, dass für den weiteren Ausbau erforderlich sei, dass Photovoltaik- und Windkraftanlagen auf diese Preissignale reagierten.

Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: [email protected].

Kommentare

bruno.burger
Sep 11, 2026

Viele Anlagen hatten noch Software- oder Kommunikationsprobleme. Nach den stark negativen Preisen vom 01.Mai 2026 haben sich die Anlagenbetreiber aber mit Nachdruck darum gekümmert und die Probleme gelöst. Seit dem 02. Mai 2026 gibt es zwar noch viele Viertelstundenwerte mit negativen Börsenstrompreisen, aber die Preise gehen nur noch leicht ins Negative. Das sieht man auch an den Zahlen:
01.01.2026 bis 01.05.2026: 174 Stunden negative Preise mit einem Durchschnitt von -35,49 Euro/MWh
02.05.2026 bis 11.09.2026: 269,25 Stunden negative Preise mit einem Durchschnitt von -5,96 Euro/MWh

Dirk Schiller
Sep 11, 2026

Interessantes Framing. Warum genau sprechen wir hier über die angebliche Notwendigkeit Wind und Solar abzuregeln und nicht thermische Erzeuger? Als ob das die natürlichste Sache der Welt wäre?

Antworten anzeigen
Antworten ausblenden
E. Wolf
Sep 11, 2026

Exakt !

Solange noch fossile Erzeuger im Netz sind, sollte deren Abregelung die erste Priorität sein !

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, nach dem Motto: Die haben Bestandsschutz bis 2030, resp. 2038 !

Denen gehört die Hölle heiß zu machen, u.a. mit negativen Preisen, die die zu zahlen haben. Denn die können keine Flexibilität, sollen Sie sie doch auch zahlen.

stefanesch
Sep 10, 2026

wie viele private Anlagen seit Solarspitzengesetz haben denn bereits das Werkzeug zur Abregelung, sprich eine Steuerbox? das sind doch sicher noch keine 5%

Antworten anzeigen
Antworten ausblenden
E. Wolf
Sep 11, 2026

Es besteht auch keine Notwendigkeit die dezentralen PV Anlagen auf E/2FH zu drangsalieren. In der Niederspannung (1kV: 230/400 VAC) gibt es keine Probleme, die haben wir in der MSpg und HSpg – da wo weitere PV Freiflächenanlagen nach unserer MißWirtschaftsministerin Reiche zu bauen wären – ein Schelm wer Böses denkt !

In der Niederspannung wird die Überschußproduktion direkt beim Nachbarn, spätestens im Ortszentrum verbraucht !