Österreichs Wirtschaftsministerium kündigt Speicher-Offensive an und umreißt Pläne für neue Solarförderung
Spätestens seit dem letzten Fördercall hat die Diskussion in Österreich über die Ausgestaltung der Solarförderung erneut Fahrt aufgenommen. Nach nur 33 Sekunden war das Förderbudget aufgebraucht. Tausende Anträge auf den Investitionszuschuss für Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher kamen nicht zum Zug. Bis zur Öffnung des dritten und letzten Fördercalls im Oktober will die österreichische Regierung nun einen Entwurf für die Neugestaltung vorlegen. Greifen soll die neue Förderung dann voraussichtlich ab nächstem Jahr.
Am Donnerstag nun konkretisierte das zuständige Wirtschafts- und Energieministerium seine Vorstellungen und kündigte zudem eine Speicher-Offensive an. Die neue Photovoltaik-Förderung soll einen Fokus auf Speicher haben. Speicherinfrastruktur soll stärker im neuen Netzinfrastrukturplan berücksichtigt werden. Die Genehmigungsverfahren für Batteriespeicher sollen über das EABG beschleunigt werden. Zudem plant das Ministerium ein eigenes Förderprogramm für intelligente Energiemanagementsysteme für Haushalte und Betriebe an.
Kernpunkte der geplanten Reform
Konkreter wurde das Ministerium dann auch, wie es sich die Investitionsförderung nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz EAG ab 2027 vorstellt. So soll es künftig kein „first come, first serve“-Prinzip mehr geben. „Förderanträge sollen künftig nach Installation und Rechnungslegung gestellt werden können – nach dem Prinzip des Handwerkerbonus“, teilt das Ministerium mit. Die breite Förderung von kleinen Photovoltaik-Anlagen soll auslaufen, dafür eher Energiemanagementsysteme und intelligente Speicher in den Fokus rücken. Damit lassen sich Eigenverbrauch erhöhen und Netze entlasten. Die Nachrüstung von bestehenden Photovoltaik-Anlagen mit Energiemanagementsystem und Speicher soll neu in die Förderung aufgenommen werden.
Gebäudeintegrierte Photovoltaik, Agri-Photovoltaik, Parkplatzüberdachungen sowie schwimmende Anlagen und Photovoltaik-Anlagen an Lärmschutzwänden sollen dabei auch künftig förderfähig bleiben. Ebenso soll im Zuge der Reform der „Made in Europe“-Bonus erhalten bleiben.
„Die Herausforderung ist nicht, dass wir im Sommer zu wenig günstigen heimischen Strom erzeugen. Wir müssen ihn dann verfügbar machen, wenn wir ihn brauchen. Speicher bringen richtig eingesetzt den günstigen Sonnenstrom vom Mittag in die teureren Abendstunden“, erklärte Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Ziel der Regierung sei es, den überschüssigen Solarstrom für die Abendstunden zu speicher und somit keinen teuren Strom aus dem Ausland zukaufen zu müssen. „Dafür brauchen wir mehr richtig eingesetzte Speicher – vom Haushalt über große Batteriespeicher bis zu unseren Pumpspeichern“, Hattmannsdorfer.
Bis zu 8 Gigawatt Speicherleistung bis 2030 volkswirtschaftlich nützlich
Das österreichische Wirtschaftsministerium hat zudem eine eigene Speicherstudie in Auftrag gegeben. Nach ersten Analysen seien demnach bis zu 8 Gigawatt marktorientierte Speicherleistung bis 2030 volkswirtschaftlich nützlich. Je nach Szenario könnten die zusätzlichen Batteriespeicher dazu beitragen, den Großhandelspreis 2030 um bis zu 2 Euro je Megawattstunden zu reduzieren. Nach den aktuellen Prognosen sind in Österreich Batteriespeicher mit mehr als 3,2 Gigawattstunden installiert, wobei ein Großteil weniger als 50 Kilowattstunden Kapazität hat. Daneben verfügt Österreich über 6,2 Gigawatt Pumpspeicher.
Neben der Neugestaltung der Solarförderung sieht das Wirtschaftsministerium auch Handlungsbedarf bei E-Control. Analog zu ihrem deutschen Pendant Bundesnetzagentur arbeitet die Behörde aktuell an einer neuen Ausgestaltung der Netzentgelte sowie an Kriterien für systemdienliche Speicher. „Zugleich müssen die Anzahl und die Ausgestaltung der im aktuellen Entwurf der E-Control vorgesehenen Kriterien für systemdienliche Speicher nochmals überprüft werden. Die Rahmenbedingungen müssen praxistauglich und ausreichend breit gefasst sein, damit der Speicherhochlauf nicht durch zu enge zu erfüllende Voraussetzungen ausgebremst wird“, heißt es vom Ministerium.
PV&B Austria steht im Austausch mit Politik
Der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria (PV&B Austria) begrüßte grundsätzlich die Ankündigungen von Hattmannsdorfer. Der Verband selbst hat sich in der jüngsten Vergangenheit für eine Neuausrichtung des Fördersystems ausgesprochen. PV&B Austria stehe auch bereits mit dem Ministerium im Austausch. „Wir begrüßen, dass die Bundesregierung die Bedeutung von Speichern für das Energiesystem nun ausdrücklich anerkennt. Entscheidend ist aber, dass aus der angekündigten Speicheroffensive jetzt auch konkrete Maßnahmen werden“, sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV&B Austria. Es sollte zudem auch schnell Klarheit geschaffen werden, wie die Förderung ab dem nächsten Jahr aussieht. Wichtig nach Ansicht des Verbands ist, dass sie unkompliziert und früh verfügbar ist.
Eine gewisse Skepsis gegenüber dem Ministerium herrscht jedoch. So hat Hattmannsdorfer wiederholt seit seinem Amtsantritt eine Speicher-Offensive angekündigt, aber eben bislang nie umgesetzt. PV&B Austria hatte bereits im vergangenen Jahr eine Speicherstudie beauftragt. Die Ergebnisse zeigen den hohen Speicher- und Flexibilitätsbedarf in Österreich. Eine Folgeanalyse kommt nun zu dem Schluss, dass die Batteriespeicher bereits heute dazu beitragen können, den Solarstrom von den Mittagsstunden in die teuren Abendzeiten zu verschieben.
„Wir stehen dem Ministerium weiterhin gerne als Sparring-Partner zur Verfügung. Jetzt geht es aber darum, dass auf die Worte auch Taten folgen. Die Branche steht bereit – entscheidend ist, dass die angekündigte Speicheroffensive nun auch tatsächlich umgesetzt wird“, sagt Immitzer. Dazu reiche eine alleinige Umstellung der Photovoltaik-Förderung nicht aus. „Auch weiterhin muss es möglich sein, über steuerliche Erleichterungen zu diskutieren. Ebenso ist die E-Control gefordert, entsprechende praxistaugliche Rahmenbedingungen für Stromspeicher zu schaffen. Und auch die Netzbetreiber müssen Stromspeicher künftig stärker in ihre Netzentwicklungspläne integrieren“, so Immitzer weiter.
Als „völlig unzureichend“ bezeichnete Hansesun die vorgelegten Pläne für die neue Photovoltaik-Förderung. Das Photovoltaik-Unternehmen fordert eine einfache steuerliche Begünstigung für die Anlagen und hat dafür einen Klima-Investitionsfreibetrag vorgeschlagen. Mit dem neuen System hätten Kunden auch künftig weiterhin keine Sicherheit, ob sie eine Förderung erhalten, kritisierte Hansesun-Marketingleiter Andreas Müller.
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