VDE FNN und DKE gegen „Smart Meter light“
Anfang Juli hat der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD mit dem Papier „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ unter rund 30 Beschlusspunkten auch die Einführung eines „Smart Meter Light“ befürwortet – sehr zur Freude von Unternehmen und Verbänden, die sich bereits seit langem für eine solche Lösung starkmachen. Vorgesehen ist die „Light“-Lösung für alle Haushalte, die nicht zu den sogenannten Pflichteinbaufällen zählen; letztere sind alle mit einem Jahresstromverbrauch über 6.000 Kilowattstunden, einer Photovoltaik-Anlage ab 7 Kilowatt Leistung sowie steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen oder Wärmepumpen. Hier ist ein „intelligentes Messsystem“ mit Gateway vorgeschrieben, das Daten verschlüsselt senden und empfangen und somit auch Steuerbefehle der Netzbetreiber verarbeiten kann. Für alle anderen könnte der „Smart Meter Light“ – nach allgemeinem Verständnis ein Smart Meter ohne Gateway – die kostengünstigere und schneller umsetzbare Alternative darstellen, so die Befürworter.
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) und die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) im VDE gehören nicht zu den Fürsprechern, sondern kritisieren den Vorschlag der Bundesregierung. Sie bemängeln insbesondere zwei Punkte: Auch für einen „Smart Meter light“ brauche es allgemein gültige Spezifikationen und Normen, die derzeit aber noch gar nicht existieren. Ihre Entwicklung würde Zeit und Ressourcen beanspruchen, die dann nicht mehr für den laufenden Smart Meter Rollout zur Verfügung stünden. Außerdem müssten Haushalte, die keine Pflichteinbaufälle sind und deshalb einen „Smart Meter light“ erhalten, diesen wieder austauschen, sobald sie eine Photovoltaik-Anlage, eine Wallbox oder einen anderen verpflichtend regelbaren Verbraucher anschaffen. „Millionen von Endkunden würden in eine technologische Sackgasse geführt werden“, so VDE FNN und DKE, „zumal in den letzten Jahren bereits mehr als 60 Prozent aller Stromzähler mit dem Ziel potenzieller Nutzung in Intelligente Messsysteme (iMSys) getauscht wurden.“ Bei diesen müsste also den Angaben zufolge im Bedarfsfall nur noch das Gateway installiert werden.
Risiko einer parallelen Systemlandschaft
Auch ein „Smart Meter Light“-System müsse Daten in die Netzführungs-, Bilanzierungs- und Beschaffungsprozesse einspeisen. Deshalb müssten sich auch hier Netzbetreiber und andere Marktpartner auf die Integrität der Daten verlassen können, sonst drohe eine Gefahr für das Stromnetz. „Dieses Risiko lässt sich nur vermeiden, wenn ‚Smart Meter Light‘ genauso spezifiziert, entwickelt und getestet werden, wie die Lösung, die bereits heute zur Verfügung steht“, sagt Frank Borchardt, Leiter des Fachbereichs „Metering und Digitalisierung“ bei VDE FNN Borchardt. Er gehört zu den Autoren eines heute veröffentlichten Positionspapiers, mit dem die beiden Organisationen ihre Kritik begründen.
Unter dem Strich würde ein „Smart Meter light“ das Risiko einer „parallelen Systemlandschaft“ erhöhen, und gleichzeitig der Rollout der „bundesweit standardisierten, cybersicheren und interoperablen“ Smart Meter plus Gateway-Systeme geschwächt.Das für die „Light“-Variante oft vorgebrachte Argument, wonach gerade in Mehrfamilienhäusern – wo privat betriebene Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen oder Wallboxen praktisch nicht vorkommen – ein Smart Meter mit Gateway unverhältnismäßig aufwändig sei, lassen VDE FNN und DKE nicht gelten. Sie plädieren für die bereits jetzt im Messstellbetriebsgesetz definierte „1:n-Anbindung“, bei der beliebig viele digitale Stromzähler über ein gemeinsames Gateway angeschlossen werden. Diese Variante sei „verfügbar, erprobt und hat den zusätzlichen Vorteil, dass Endkunden später ohne aufwändigen Wechsel des Smart Meters Steuerungsfunktionen einfach ergänzen können“. Es sei deshalb „zwingend geboten, für Mieterinnen und Mieter den Fokus auf die Forcierung etablierter Lösungen ‚1:n‘ zu legen und die weitere Digitalisierung des Energiesystems nicht durch Parallelsysteme einzubremsen. Investitions- und Planungssicherheit ist ein hohes Gut für den Rollout und politisch zu gewährleisten.“
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Den einzigen Nutzwert von Privaten Stromkunden an einen Smart Meter Gateway mit einem Elektronischen Stromzähler ist die Möglichkeit einen Dynamischen Stromtarif zu nutzen. So einen Tarif macht nur Sinn, wenn keine PV Anlage oder Balkonkraftwerk genutzt wird. Reiche ist eine Frau der Stromlobby. Vermutlich geht es ihr mehr darum ihre Netzbetreiber von der Verpflichtung und damit von den Kosten des Einbaus eines Smart Meter Gateways zu entlasten. Da dürfte mehr geplant sein, einen bestehenden Elektronischen Stromzähler durch Einbau eines Shellys oder IR Lesekopf zu einen Smart Meter zu machen. Anders werden die ihr Ziel bis Ende 2030 nicht erreichen können.
Der 1:n Rollout funktioniert aktuell nicht zuverlässig. Wir sind in unserem Gewerbepark seit Monaten damit beschäftigt, mit einem SMGW mehrere Zähler anzubinden. Mehrere Ingenieure, Techniker und IT-ler bekommen es einfach nicht hin, eine stabile Übertragung zu etablieren. Und es liegt nicht am Empfang vor Ort. Der Einbaufall ist einfach nicht ordentlich erprobt wurden. 1:5 sollte laut Dienstleister Funktionieren, der Hersteller spezifiziert mit unserem BUS sogar 1:10.
Wir nehmen gern eine technisch einfacherere Lösung. PV und Ladesäulen werden bei vielen Anschlüssen die Ausnahme bleiben.
Hallo, es gibt da technische Lösungen für 1:n Installationen. Sprechen Sie mich gerne mal direkt an: [email protected]
Diese Diskussion vom VDE und Co ist immer die gleiche. Eigentlich verhindert die nur den Netzausbau und die Flexibilität.
Alle mit einer PV Anlage über 7KW und einer Wallbox und einer Wärmepumpe haben bereits ein Gateway zum steuern ihrer Anlagen und zur Optimierung des Eigenverbrauchs. Die brauchen ALLE keine Smartmeter mehr. Wir bürokratisieren und kaputt. Und Geld kostet es den Endverbraucher dank zusatzkosten für den Smartmeter nochmal. Schaut euch Spanien und Italien an, die sind uns Meilen Vorraus, deren Smart Meter sind sogar smart und brauchen keinen eigenen Zählerschrank.
Macht doch einfach mal als immer nur zu erklären, was wieder nicht geht. Nur um einen Industrievertreter glücklich zu machen.
So ist es. Ich habe schon lange einen IR-Leskopf an meinem Zähler, um mit einem RasPI die Wallbox in Abhängigkeit des PV Überschusses zu steuern. Meinen Zähler habe ich selber smart gemacht. Durch PV und 20kWh Speicher macht auch ein flexibler Stromtarif für mich keinen Sinn.
Der Smart Meter ist nicht das Problem, sondern die Prozesse dahinter. Smart Meter Light ist „Schaufensterpolitik“. Wenn man wirklich die Rolloutgeschwindigkeit verbessern möchte, dann bitte die Commissioning Prozesse dahinter streamlinen.
Stimme ich voll und ganz zu! Es liegt nicht an der Hardware, sondern an den Folgeprozessen.
Auch mir wurde zwangsweise vor ein paar Monaten ein SMGW eingebaut. Mit meinen 18 kWp, Speicher und Wallbox benötige ich dieses teure Gerät nicht. Bei meiner Leistung soll ich jedes Jahr 10% meiner Einspeisevergütung für ein nutzloses Gerät bezahlen. Das sehe ich als Abzocke.
Das SMGW ist noch nicht mal vollständig einsatzbereit da die Auslesefunktion zugeklebt ist.