Erneuerbare erreichen neuen Halbjahresrekord mit 58 Prozent Anteil am Stromverbrauch
Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben heute eine – noch vorläufige – Bilanz zum deutschen Bruttostromverbrauch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres vorgelegt. Den Zahlen zufolge haben erneuerbare Energien in diesem Zeitraum fast 58 Prozent Anteil erreicht – ein neuer Rekordwert und eine Steigerung um fast drei Prozentpunkte gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres (55,2 Prozent). Im ersten Halbjahr 2024 waren es 57,4 Prozent.
Der Bruttostromverbrauch betrug 262,4 Milliarden Kilowattstunden gegenüber 260,9 Milliarden Kilowattstunden im ersten Halbjahr 2025. Die Werte ergeben sich aus der Bruttorstromerzeugung abzüglich Import-/Exportsaldo. Zur Bruttostromerzeugung trugen die Erneuerbaren den Angaben zufolge im ersten Halbjahr 57,7 Prozent bei – mehr als im ersten Halbjahr 2025 (56,9 Prozent), aber weniger als im ersten Halbjahr 2024 (59,4 Prozent).
Die gesamte Bruttostromerzeugung lag im ersten Halbjahr 2026 bei 263,5 Milliarden Kilowattstunden und damit um 4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum (253,4 Milliarden Kilowattstunden). Die Gesamterzeugung aus Erneuerbare-Energien-Anlagen von Januar bis Juni 2026 betrug 152,2 Milliarden Kilowattstunden (1. Halbjahr 2025: 144,1 Milliarden Kilowattstunden).
Starker Anstieg der Windkraft
Der Anteil von Windkraft an Land an der Stromerzeugung des ersten Halbjahres betrug 20,1 Prozent, 5,7 Prozent entfielen auf Windkraft auf See, 19,9 Prozent auf Photovoltaik, 8,3 Prozent auf Biomasse und 2,7 Prozent auf Wasserkraft. Gegenüber dem windschwachen Vorjahreshalbjahr haben damit vor allem Windkraft an Land (+7,0 Prozent) und auf See (+28,3 Prozent) zugelegt. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik lag um 3,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Beitrag der Wasserkraft ging aufgrund geringer Niederschlagsmengen um 7,7 Prozent zurück, Biomasse blieb mit 0,6 Prozent Zuwachs in etwa gleich (die Werte weichen naturgemäß leicht von den in der Grafik dargestellten Anteilen am Bruttostromverbrauch ab).

in Deutschland – Vergleich 1. Halbjahr
Der Anstieg bei Wind- und Sonnenenergie ist neben den Wetterbedingungen auch auf den Zubau zurückzuführen. Dieser betrug den Zahlen zufolge bei der Photovoltaik 8,3 Gigawatt (brutto) und damit etwas mehr als im Vorjahreszeitraum (7,8 Gigawatt). Bei Windkraft an Land kamen 2,5 Gigawatt hinzu, ebenfalls ein Anstieg gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 (2,2 Gigawatt). Deutlich erhöht zeigte sich der Zubau bei der Offshore-Windkraft, dies allerdings auf niedrigem Niveau: Im Gesamtjahr 2025 wurden nur 0,5 Gigawatt neu installiert, im ersten Halbjahr 2026 waren es 0,9 Gigawatt.
BDEW mahnt die Bundesregierung zu mehr Tempo
„Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger und desto resilienter wird unsere Volkswirtschaft gegenüber Energiepreisschocks“, sagt Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW: „Die Energiekrisen der vergangenen Monate und Jahre wurden durch die fossilen Energieträger ausgelöst, nicht durch die Erneuerbaren.“ Deren Ausbau sei zudem „nicht nur eine Versicherung gegen volatile Energiepreise, sondern auch unser schärfstes Schwert im Kampf gegen den Klimawandel.“
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sieht die Rahmenbedingungen für diesen Ausbau allerdings bedroht und mahnt zu „mehr Tempo bei den relevanten Gesetzesvorhaben, konkret beim EEG und beim WindSee-Gesetz“. Beide Gesetzesnovellen müssten bis Jahresende nicht nur beschlossen, sondern auch von der EU genehmigt werden. „Das erste halbe Jahr ist um und es liegen noch nicht einmal Gesetzentwürfe vor“, kritisiert Andreae: „Wir erwarten von der Bundesregierung eine rasche Einigung, damit wir im Verfahren vorankommen, die Unternehmen investieren und die Ausbauziele erreicht werden können.“
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… desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger …
Das ist natürlich wieder mal nur die Stromperspektive.
Das unverändert seit Jahrzehnten knapp 80% der fossilen Primärenergie importiert werden, einfach glatt „vergessen“?!