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Experten auf dem pv magazine Focus: Direktvermarktung ja – Pflicht ab 2027 nein

Die Direktvermarktung gilt vielen als nächster Schritt, um kleinen Photovoltaik-Anlagen das richtige Signal zu geben, wann sie einspeisen sollen. Auf dem pv magazine Focus warnten Experten jedoch vor einem verpflichtenden Start bereits 2027. Der zentrale Einwand: Der Gesetzgeber würde vor allem Anlagenbetreiber unter Druck setzen, obwohl die eigentlichen Engpässe woanders liegen. Der Anbieter Spotmyenergy hält einen schnellen Rollout jedoch trotzdem für machbar.
Thomas Seltmann (rechts) vonm BSW-Solar und Johannes Weniger (Aquu) auf dem pv magazine Focus | Foto: pv magazine/ Philipp Gülland

Die verpflichtende Direktvermarktung kleiner Photovoltaik-Anlagen, wie sie im jüngsten EEG-Leak angelegt ist, sorgt in der Branche immer noch für erhebliche Diskussionen. Auf dem pv magazine Focus, zu dem im Rahmen der The smarter E in München rund 130 Expertinnen und Experten zusammenkamen, wurde deutlich: Das Ziel einer stärkeren Marktintegration kleiner Anlagen wird durchaus unterstützt. Kritisiert wird jedoch ein verpflichtender Start bereits ab 2027.

Thomas Seltmann vom Bundesverband Solarwirtschaft machte deutlich, dass er die Entwicklung in Richtung Direktvermarktung grundsätzlich unterstützt. „Dass das eine Zukunft ist, die wir anstreben sollten, da bin ich auch der Meinung“, sagte er auf der Veranstaltung. Problematisch sei jedoch der Zeitpunkt. „Die Politik macht es sich zu leicht, wenn sie sagt, wir verpflichten jetzt die Anlagenbetreiber, die müssen das machen und dann löst das mal“, sagte Seltmann. Das eigentliche Problem liege nicht bei den Anlagenbetreibern oder Installateuren. Die entscheidenden Engpässe lägen vielmehr bei Netzbetreibern und deren Prozessen. Derzeit könnten die meisten Anlagenbetreiber die Direktvermarktung gar nicht nutzen, selbst wenn sie wollten. Die Politik müsse sich also überlegen, welche Verpflichtung für welche der Beteiligten, also auch für Netzbetreiber und Messstellenbetreiber in das Gesetz geschrieben werden soll. Diese müsse dann von den jeweils Angesprochenen auch erfüllt werden können.

pv magazine Focus (v.l.n.r.): Johannes Weniger, Thomas Seltmann, Moritz Breuer, Klaus Schiller und Michael Fuhs

Besonders deutlich wurde Seltmann mit Blick auf den diskutierten Zeitplan. „Es darf also auf keinen Fall kommen, dass wir die Verpflichtung zur Direktvermarktung bei kleinen Anlagen nächstes Jahr bekommen“, warnte er. Andernfalls drohe ein deutlicher „Fadenriss“. Eine Argumentation, die Johannes Weniger vom Forschungsinstitut Aquu unterstützt. „Ich habe den Eindruck, wir bauen ein Hochhaus ohne dass wir das Fundament bauen“, sagt er.

Auch Klaus Schiller vom Installationsunternehmen Kütro äußerte Bedenken. Aus seiner Sicht könnte bereits die Ankündigung einer verpflichtenden Direktvermarktung viele private Kunden verunsichern. „Der Photovoltaik-Kunde hört, es wird irgendwas gestrichen, es wird jetzt kompliziert, er hört das Wort Börse“, sagte Schiller. Das könne Investitionsentscheidungen negativ beeinflussen.  Es wäre viel besser, wenn man das Thema Direktvermarktung eines Tages als das bessere System anbieten könnte, zu dem man dann wechseln kann.  Dann hätten das Kunden genauso, wie sie irgendwann ein Elektroauto und eine Wärmepumpe hätten, weil dies die besseren Systeme seien.

Widerspruch kam von Moritz Breuer, Chief Product Officer von Spotmyenergy. Das Unternehmen bietet dynamische Stromtarife, Energiemanagement und in Zukunft auch Direktvermarktung für kleinere Photovoltaik-Anlagen an und sieht die Voraussetzungen für einen Hochlauf deutlich optimistischer. „Wir freuen uns auf die Direktvermarktung“, sagte Breuer. Sie sei „ein total sinnvolles Modell“, das langfristig helfen könne, kleine Photovoltaik-Anlagen stärker in den Energiemarkt zu integrieren.

Breuer widersprach vor allem der Einschätzung, dass die technischen Voraussetzungen grundsätzlich noch fehlten. „Ich sehe das anders und ich glaube, wir haben die technischen Voraussetzungen“, sagte er. Der Smart-Meter-Rollout und die technische Infrastruktur seien zwar weiterhin Herausforderungen. Dennoch sei es aus seiner Sicht möglich, die Prozesse schneller in die Breite zu bringen. Ihn schreckt auch nicht die Perspektive, bereits mehrere Hunderttausend Kleinanlagen mit Steuerboxen auszustatten, die laut EEG-Leak für die Direktvermarktung vorgeschrieben werden sollen. Spotmyenergy als wettbewerblicher Messstellenbetreiber habe schon eine vierstellige Zahl an Steuerboxen implmentiert. „Irgendwo müssen wir uns sowas auch zutrauen, sonst brauchen wir nicht nur dafür länger, sondern auch insgesamt für die Energiewende“, sagte Breuer.

Aufgabe für das Heimenergiemanagement

Auch die Hersteller von Heimenergiemanagementsystemen, die auf dem pv magazine Focus ihre Lösungen diskutierten, sehen die Direktvermarktung und die stärkere Marktintegration von Kleinanlagen als wichtigen Entwicklungspfad. In einer weiteren Diskussionsrunde wurde jedoch deutlich, dass dies nur eines von mehreren Themen ist, die den Markt derzeit prägen.

Kathrin Rust von Solar Manager nannte als zentrale Trends die weitere Verbesserung der Kompatibilität, mehr Automatisierung bei der Bedienung sowie die Integration bidirektionalen Ladens. „Es geht nicht einfach darum, eine Wallbox anzubinden“, sagt sie. Denn das Auto will nicht mit nur 200 Watt Haushaltslast entladen werden. Daher müsse es einen „Energy Shift“ von der Autobatterie in die stationäre Batterie geben.

Auch Fenecon sieht die Marktintegration zunehmend als zentrale Aufgabe des Heimenergiemanagement. Stefan Feilmeier berichtete, dass sein Unternehmen die KI-gestützte Optimierung der Systeme weiter ausgebaut habe. Themen seien „Mispel, Marktintegration, Direktvermarktung, kreative Lösungen, negative Börsenpreise“. Ziel sei es, Speicher, Eigenverbrauch und Strommarktintegration gemeinsam zu optimieren.

Klaus Nagl von Consolinno hob insbesondere die wachsende Bedeutung offener und modularer Systemarchitekturen hervor. Sein Unternehmen setze wie Fenecon konsequent auf Open Source und offene Gerätebibliotheken, um die Systeme flexibel vom Einfamilienhaus bis in Gewerbe- und Industrieanwendungen einsetzen zu können. Die Grenzen zwischen Heim- und Gewerbeenergiemanagement würden zunehmend verschwimmen.

Im Gewerbesegment von Installateuren schon umsetzbar

Im Gewerbebereich zeigten die Unternehmen Energielenker und Otter Energy Trading gemeinsam, dass der Marktbetrieb von Photovoltaik und Batteriespeicher bereits deutlich konkreter ist als im Residential-Segment und auch von einem Installationsbetrieb ohne Energiemarkterfahrung umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt stand ein Projekt bei einem Futtermittelbetrieb in Norddeutschland mit 13 Gigawattstunden Jahresstromverbrauch, bestehender Photovoltaik-Anlage und zusätzlichem Batteriespeicher.

Philipp Roß von Energielenker betonte, dass bei dem Betrieb nicht mehr nur der Eigenverbrauch im Fokus stehe, sondern ein Multi-Use-Ansatz aus Peak Shaving, atypischer Netznutzung, optimierter Beschaffung und perspektivisch eben auch der Vermarktung. „Wir haben uns das angesehen und einen ganzheitlichen Ansatz vorgeschlagen“. Die Marktintegration werde in Zukunft so umgesetzt, dass das Energiemanagement die Handelsentscheidungen trifft, und als Dienstleister in diesem Fall Otter Energy die Abwicklung und Bilanzierung übernimmt. Dazu hat das Energiemanagementsystem, das das Unternehmen anbietet, eine Schnittstelle zu dem Trader.

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Kommentare

PB
Jun 29, 2026

Seltsam, wenn die Direktvermarkter das Signal zur Einspeisung geben sollen, warum tun sie es jetzt nicht bei allen Anlagen größer 100kWp? Dann hätten wir keine negativen Strompreise von diesem Ausmass. Die Seuerboxen zu verbauen ist das eine, sie stuern zu können das andere. Die NBs können die Steuersignale gar nicht in der Masse abgeben. Und wer entscheidet wer abgeregelt wird? Alles Lug und Betrug. Es geht nur darum die Bürger zu verunsichern damit die KOnzerne nicht überflüssig werden und weiter Milliarden scheffeln.

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Gruenstrom
Jun 29, 2026

Es ist die falsche Annahme das es jetzt nicht gemacht wird.
Es ist nicht Lug und Betrug, die PV Ideologen wollen und können die Probleme nicht sehen.
Sie kennen nur Speicher und noch mehr Wind und PV Ausrichtung Richtung SÜDEN