Enervis PPA-Price-Tracker für Photovoltaik: Hormus-Blockade treibt PPA-Preise im März nach oben

Enerparc, Solarpark, Deutschland

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Im März sind die Preise am Stromterminmarkt der EEX im Vergleich zum Vormonat über den gesamten betrachteten Zeitraum hinweg gestiegen. Dies betrifft sowohl die kommenden Quartale und Frontjahre als auch weiter entfernte Handelsjahre. Besonders im kurzfristigen Bereich waren dabei deutliche Preissprünge zu beobachten. In der Folge hat sich das Terminpreisniveau, das als Benchmark für die PPA-Bepreisung dient, insgesamt erhöht und liegt damit sowohl für kurze als auch für langfristige PPA-Laufzeiten auf einem höheren Niveau.

Die von uns für März 2026 berechneten generischen Preise für einen zehnjährigen Photovoltaik-PPA mit Vertragsbeginn im Frontmonat April 2026 liegen unter Berücksichtigung marktüblicher Abschläge für die Wertigkeit des Erzeugungsprofils der Photovoltaik, Abwicklungs- und Risikokosten sowie erwarteter Erlöse aus Herkunftsnachweisen in einer Spanne von 27 bis 39 Euro pro Megawattstunde. Die Preise sind somit höher als im Vormonat.

Enervis PPA-Price-Tracker, Entwicklung bis März 2026
Methodische Erläuterung: Der Enervis PPA-Price-Tracker zeigt auf Basis typischer PPA-Bewertungsparameter einen monatlchen Preiskorridor für Photovoltaik-PPAs im deutschen Strommarkt. Ausgangsbasis der Berechnung des generischen PPA-Preises ist ein Mischpreis der Terminmarktnotierungen des vergangenen Monats für die angenommene PPA-Laufzeit. Hierfür werden die in der angenommenen PPA-Laufzeit liegenden Monats-, Quartals- und Jahresprodukten der EEX für die deutsche Preiszone herangezogen. Für den generischen Photovoltaik-PPA werden 10 Jahre Laufzeit mit Beginn im Frontmonat unterstellt. Darauf wird der mittlere erwartete Abschlag des technologiespezifischen Referenzmarktwertes und ein Ab- oder Aufschlag aus projektspezifischen Einflüssen (Standort, Anlagentechnologie, Parklayout, Wetterjahr) für die angenommene PPA-Laufzeit angewendet. Dieser stammt aus unseren eigenen szenariobasierten Strommarktmodellierungen. Die Streuung des spezifischen Marktwertes um den erwarteten Referenzmarktwert herum wird auf Basis unseres PPA-Atlas abgebildet. Aufsetzend darauf wird die typische Streubreite für Abwicklungs- und Risikokosten eines PPA berücksichtigt. Abschließend wird die Streubreite von Erlösen für Herkunftsnachweise preiserhöhend berücksichtigt. Der dargestellte Korridor der ermittelten PPA-Preise basiert auf einer Kumulation der in der Berechnung unterstellten Schwankungsbreiten.

Quelle: Enervis

Die aktuellen Entwicklungen rund um die Sperrung der Straße von Hormus durch das iranische Militär führen zu einer angespannten Lage auf den globalen Energiemärkten. Die eingeschränkten Transportmöglichkeiten treiben insbesondere die Öl- und Gaspreise nach oben. Da ein bedeutender Teil des globalen LNG-Handels diese Route nutzt und Gas eine preissetzende Rolle im deutschen Strommarkt einnimmt, zeigen sich auch im Stromterminmarkt deutliche Preissteigerungen, vor allem in den kommenden Quartalen und Frontjahren. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die PPA-Preise aus, jedoch primär bei kurzfristigen Laufzeiten, welche aktuell zusätzliche Erlöspotenziale bieten können. Langfristige PPAs für Merchant-Anlagen sind bislang weniger stark betroffen.

Für den PPA-Markt wird maßgeblich sein, wie sich die geopolitische Lage in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Entscheidend ist dabei, ob sich die Märkte wieder beruhigen oder die Effekte anhalten und zunehmend auch längerfristige Lieferzeiträume beeinflussen. Insbesondere für die große, brachliegende Pipeline an förderfreien Photovoltaik-Projekten in Deutschland könnten sich dadurch verbesserte Rahmenbedingungen ergeben. Die Erfahrungen aus der Energiekrise im Jahr 2022 zeigen, dass anhaltend hohe Preisniveaus dem PPA-Markt zusätzliche Dynamik verleihen können. Ob sich ein vergleichbarer Effekt erneut einstellt, hängt maßgeblich von der Dauer und Intensität der aktuellen Entwicklungen ab.

Christian Schock, Enervis— Der Autor Christian Schock ist Senior Consultant bei der energiewirtschaftlichen Beratung enervis und hier für Photovoltaik- und Windkraft-relevante Themen zuständig. Seine Expertise reicht vom systematischen Vergleich von Preisen und Vertragsinhalten von Power Purchase Agreements und Direktvermarktungsverträgen sowie deren Beschaffung für Stromerzeuger bis hin zum Monitoring marktseitiger und regulatorischer Entwicklungen im deutschen Photovoltaik- und Windkraft-Markt. —

 

 

 

 

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